Wie wünscht sich ein Trainer eigent­lich den idealen Spieler? Dass er das Spiel beherrscht. Dass bei ihm also die Annahme und Mit­nahme des Balls eine Bewe­gung sind und er dabei das gesamte Spiel­feld im Auge hat. Dass er immer weiß, was zu tun ist, weil er die Spiel­idee ver­in­ner­licht hat. Dass er ihr auch wirk­lich folgt und sich nicht über sie stellt.

Ein Trainer wünscht sich, dass ein Spieler dazu in der Lage ist, die gesamte Kom­ple­xität des heu­tigen Fuß­balls zu beherr­schen. Ver­tei­diger sind auch dann am Spiel betei­ligt, wenn ihre eigene Mann­schaft angreift, und Angreifer werden nach Ball­ver­lust zu Ver­tei­di­gern in vor­derster Linie. Dazu ist das Tempo extrem hoch, und jeder ist per­ma­nent gefor­dert. Keiner kann sich nicht einmal kurz eine Aus­zeit nehmen.

Kon­trolle, Tempo, Auge

Nur: All das beschreibt eine ideale Situa­tion, und die werden wir nicht in jedem Spiel und dann auch nicht über 90 Minuten erleben. Genauso, wie es die hohe Kunst des Fuß­balls ist, wenn einem Spieler die Kon­trolle des Balls auch in den schwie­rigsten Situa­tionen quasi nebenbei, intuitiv, als Auto­ma­tismus gelingt und er direkt die nächste Aktion ein­leiten kann.

Wenn wir hier aber Franck Ribéry ehren, dann auch dafür, dass er den Ide­al­zu­stand in dieser Saison oft erreicht hat. Er zeichnet sich aus durch über­ra­gende tech­ni­sche Fähig­keiten und ein unglaub­li­ches Gespür für den Rhythmus des Spiels. Wohin er den Ball gespielt hat oder wann er zum Dribb­ling ansetzte, in wel­chem Moment er seine Posi­tion aufgab oder von wo aus er wieder ins Spiel ein­griff, fast immer lag er damit richtig. Beson­ders bemer­kens­wert war sein Defen­siv­ver­halten, wel­ches er ebenso lei­den­schaft­lich zele­brierte wie seine unnach­ahm­li­chen Tem­po­läufe.

Mann­schafts­spieler und Ein­zel­künstler zugleich

Wir haben ihn im höchsten Maße als Mann­schafts­spieler erlebt, und zugleich war er über­ra­gender Ein­zel­künstler. Von ihm ging für den Gegner immer eine beson­dere Gefahr aus. Das zeigen mehr noch als seine 13 Tore in 52 Pflicht­spielen, jene 27 Treffer, die er direkt vor­be­reitet hat.

Dazu kommen noch etliche wei­tere Tore, die indi­rekt auf seine Vor­ar­beit zurück­gehen, weil Franck Ribéry durch ein Dribb­ling, einen geschickten Pass oder eine gute Flanke die geg­ne­ri­sche Abwehr ins Durch­ein­ander gestürzt hat. Denn bei aller tak­ti­scher Dis­zi­plin hat er auch immer wieder seine Gegen­spieler über­rascht. Franck Ribéry ist ein Spieler, für den man gerne ins Sta­dion kommt, weil er uns alle zu ver­blüffen vermag.

Es mag dem einen oder anderen Fan viel­leicht trotzdem etwas seltsam erscheinen, dass nach dieser für den deut­schen Fuß­ball so erfreu­li­chen Spiel­zeit der Titel des Spie­lers der Saison“ mit Franck Ribéry an einen aus­län­di­schen Profi geht. Zumal unsere Natio­nal­spieler nicht nur in der Bun­des­liga, son­dern auf dem höchsten Niveau der Cham­pions League her­aus­ra­gende Leis­tungen gebracht haben.

Doch wir alle wissen, wie nah sie bei­ein­ander waren und wie viel Spaß sie uns, vor allem auch mir, gemacht haben. Ich gra­tu­liere daher allen zu einer begeis­ternden Spiel­zeit, aber Franck Ribéry ganz beson­ders zur Wahl zum Spieler der Saison“.