Stefan Ten­dyck, Sie sind am Samstag auf Schalke nach der Ver­let­zung des Lini­en­rich­ters als vierter Offi­zi­eller ein­ge­sprungen. Wieso aus­ge­rechnet Sie?
Marcel Neuer, der Schieds­rich­ter­be­treuer von Schalke 04 (und Bruder von Manuel; d. Red.), ist einer meiner besten Kum­pels. Wir kennen uns seit der fünften Klasse und er kam auf die Idee. Es musste eine schnelle Lösung geben, die konnten ja keine halbe Stunde rum­ham­peln. Dann hat Marcel gesagt: Ich glaube, der Stefan ist im Sta­dion, ich ruf den mal an.“

Und das ist dann tat­säch­lich pas­siert?
Ja! Ich stand in der Nord­kurve, aber im äußeren Bereich weit oben. Ich hatte also keine Pro­bleme schnell den Block zu ver­lassen. Wenn es meine Zeit erlaubt, bin ich regel­mäßig auf Schalke, aber als aktiver Schieds­richter steht man oft selber auf dem Platz. Eigene Ein­sätze gehen immer vor.

Haben Sie kurz gezö­gert?
Mir war direkt klar, dass ich das mache. Marcel hat mich schon einmal ange­rufen, als sich Manuel Gräfe bei einem Spiel gegen Bayern Mün­chen ver­letzt hatte. Der konnte aber damals nach kurzer Behand­lung wei­ter­ma­chen.

Trotzdem nervös gewesen?
Ich war schon mal dort unten. Das Abschieds­spiel von Mar­celo Bordon habe ich selbst gepfiffen, bei anderen Gele­gen­heiten schon an der Linie gestanden. Die Atmo­sphäre mit dem vollen Sta­dion war mir also bekannt, aller­dings waren das bisher immer Spaß­ver­an­stal­tungen. So ein Bun­des­liga-Spiel ist was anderes, ich fühlte mich aber den­noch ruhig.

Wie lief der Kon­takt mit Dome­nico Tedesco und Julian Nagels­mann?
Mit den Trai­nern selbst habe ich nicht ein Wort gewech­selt. Dis­zi­pli­nie­rend ein­zu­greifen ist zwar eins der Auf­ga­ben­ge­biete des vierten Offi­zi­ellen, war am Samstag aber nicht erfor­der­lich. Und wenn gewech­selt werden soll, regeln die Mann­schafts­be­treuer der Ver­eine das.

Sie haben nun ein halbes Spiel als vierter Schieds­richter gear­beitet. Bekommen Sie auch ein halbes Schiri-Gehalt auf Bun­des­liga-Niveau?
Da haben wir nicht drüber gespro­chen und ich glaube auch nicht, dass das vor­ge­sehen ist. Ich bin gerne ein­ge­sprungen, weil Schieds­rich­terei meine große Lei­den­schaft ist. Aber ich habe hin­terher ein Trikot vom Schalker Manager Chris­tian Heidel geschenkt bekommen.

In der ersten Halb­zeit hat Ben­jamin Brand, der Schieds­richter der Partie, ein Tor zurück­ge­nommen. Haben Sie ihm nach Abpfiff als Schalke-Fan die Mei­nung gegeigt?
Natür­lich nicht. Wenn etwas vom Video-Assis­tenten kommt, gehe ich davon aus, dass das seine Berech­ti­gung hat. Außerdem bin ich ab dem Moment, an dem ich ein­springe, ein Teil des Teams.

Und am Sonntag haben Sie sich dann in Ruhe nochmal das Spiel ange­schaut?
Nein, ich musste doch Lan­des­liga pfeifen. Das Spiel stand schon länger fest und ich habe es wie geplant geleitet. Einige Spieler wussten sogar, wer ihnen gegen­über steht. Ich habe es selber nicht an die große Glocke gehangen, aber die sind auf mich zuge­kommen und haben mich gefragt, wie es denn war.

Glauben Sie, sich für höhere Auf­gaben emp­fohlen zu haben?
So doof das klingt, aber mit 33 Jahren bin ich dafür schon zu alt. In meinem Alter sind andere schon in der Bun­des­liga. Das wird nichts mehr!