Die Kluft in den nationalen Ligen wird immer größer

Mind the Gap

Jetzt hat es die Wissenschaft auch noch bestätigt: Die Lücke zwischen den Top- und mittelmäßigen Teams wird immer größer. Und trotzdem muss man dem FC Bayern gerade dankbar sein. 

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In den letzten Jahren hatte sich im deutschen Fußball eine schreckliche Ermüdung breit gemacht. Der FC Bayern hatte die Meisterschaft nämlich nicht nur sechs Mal in Folge gewonnen, dabei stellte sich irgendwann auch nur noch die Frage, wann es wohl wieder so weit ist. Die Bundesliga ist damit jedoch Teil eines internationalen Trends, wie ein Report des »International Centre for Sports Studies« im schweizerischen Neuchâtel zeigt, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Er untersucht, wie sich der Wettbewerb in 22 europäischen Fußballligen, der Champions und der Europa League entwickelt hat.

Die Kluft wird immer größer

Dabei wurde ein relativ einfaches Verfahren angewandt, indem man verglich, wieviel der maximalen Punktzahl in einer Liga (in der Bundesliga sind es 102 Punkte) der Meister bzw. die besten drei Teams gewonnen haben. In den fünf großen Ligen – neben Deutschland sind das England, Spanien, Italien und Frankreich – haben die Meister letzte Saison im Schnitt 83,3 Prozent der möglichen Punkte geholt. Das sind so viele wie nie zuvor und zehn Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Der Trend bestätigt sich über fast alle Ligen, in 16 der 22 erfassten Wettbewerbe holten die Meister eine steigende Zahl von Punkten. Die größten Steigerungen gab es in der französischen Ligue 1 (10 Prozent), der italienischen Serie A (8,3 Prozent) und der deutschen Bundesliga (7,2 Prozent), wenn man die letzten fünf Jahre mit den vorangegangenen fünf Jahren vergleicht. In den drei Fällen hängt das mit überdominanten Klubs zusammen, mit Paris St. Germain, Juventus Turin und eben dem FC Bayern. Ganz ähnlich sehen die Ergebnisse aus, wenn man die besten drei Mannschaften einer Liga einbezieht.

Danke, Bayern

Diese Tendenz zur Ungleichheit auf dem Platz bestätigt sich, wenn man sich einzelne Spiele anschaut. Hier ist das Torverhältnis ein hilfreicher Indikator und die Champions League der Wettbewerb, wo die Mannschaften am weitesten auseinander liegen (1,578 Tore). Das erklärt sich nicht zuletzt durch die vielen Kantersiege, die es in den letzten Jahren in der Vorrunde gegeben hat.

Die Erklärung für die Entwicklung zu einem ungleichen Wettbewerb ist einfach, sie liegt in der ungleichen Wirtschaftskraft der Klubs. In Frankreich und Italien, wo PSG und Juve erneut deutlich vorne liegen, geht es munter so weiter. Hierzulande sollte man dem FC Bayern dankbar dafür sein, dass er zumindest in diesem Jahr seinen riesigen Wettbewerbsvorteil so schwungvoll zu verspielen scheint.