Nichts Auf­fäl­liges ist an dieser Frisur, die in ihrer Nicht­fri­sur­haf­tig­keit in Kom­bi­na­tion mit unge­stal­tetem Haar­be­wuchs unter der Nase in keiner bun­des­deut­schen Fuß­gän­ger­zone der acht­ziger Jahre auf­ge­fallen wäre.

Es über­zeugt: die phy­sio­gno­mi­sche Gesamt­erschei­nung

Im Gegen­teil, dieses for­cierte Antisty­ling hätte ange­sichts flä­chen­de­ckender Ver­brei­tung sogar als per­fekte Tar­nung funk­tio­niert. Ihre Wucht bekommt die Sache eher durch die phy­sio­gno­mi­sche Gesamt­erschei­nung, als Mahnmal der Knor­rig­keit. Jah­re­lang habe ich andachts­voll eine Sta­di­on­zei­tung des 1.FC Saar­brü­cken auf­be­wahrt, deren Titel­bild Michael Nus­höhr zierte, als er dort spielte. What a man! Und natür­lich sieht man auf den ersten Blick, welche Posi­tion Nus­höhr im Laufe seiner Kar­riere in Stutt­gart, Saar­brü­cken und Kai­sers­lau­tern beklei­dete.

Hier schaut einen kein sen­si­bler Mit­tel­feld­künstler, kein über­drehter Flü­gel­flitzer und keine hoch­dre­hende Tor­ma­schine an, son­dern ein kreuz­so­lider Innen­ver­tei­diger. Und das nicht in irgend­wel­chen moder­nis­tisch poly­va­lenten Aus­deu­tungen, son­dern knall­hart defensiv und immer eng am Mann. Woran sich umweglos die Frage anschließt: Warum gibt es heute eigent­lich solche Spieler nicht mehr? Also Profis, die Fuß­ball mit der Hal­tung eines maul­faulen Auto­me­cha­ni­kers spielen und wie echte Männer aus­sehen.

Die Groß­we­sire des ver­kan­teten Gesichts

Auf dieser Auto­gramm­karte ist Nus­höhr 23 oder 24 Jahre alt, würde aber pro­blemlos als Mitt­drei­ßiger durch­gehen. Wäh­rend man sich bei den ganzen 19-jäh­rigen Super­ta­lenten, die heut­zu­tage in der Bun­des­liga spielen, die Frage stellt, ob sie sich schon in fünf oder doch erst in sieben Jahren zum ersten Mal rasieren müssen. Viele Fuß­ball­fans beklagen, dass es auf den Plätzen keine Typen mit Ecken und Kanten mehr gibt, was leider oft nur meint, dass Leute laut­hals dummes Zeug erzählen und sich auch noch für kon­tro­vers halten.

Wirk­lich zu beklagen ist aber das Ver­schwinden von Män­nern , bei denen die Ecken und Kanten schon im Gesicht zu beschauen gab: Jiri Nemec, Joa­chim Hopp, Jens Todt und der Groß­wesir des ver­kan­teten Gesichts: Trifon Ivanov. Prak­tisch waren ihre aus­drucks­starken Gesichter für sie auch: Um die Gegner zu erschre­cken, brauchten sie keinen Frisör, ein Blick genügte.