Seite 2: „So langsam kriegen alle das Kotzen“

In den nächsten Wochen wird er auf­grund des ein­ge­stellten Spiel­be­triebs nicht weiter auf­holen können. Das ganze Land steht still, auch der Fuß­ball. Was fehlt Ihnen der­zeit am meisten?
Nor­ma­ler­weise bin ich auch als ver­letzter Spieler bei jedem Trai­ning, bei jedem Spiel. Um die Jungs zu unter­stützen, um Hallo zu sagen, um Teil des Teams zu sein. Denn unsere Truppe ist ein­fach geil. Wir kennen uns fast alle aus der Jugend, die Jungs sind alle kaputt im Kopf, man kommt an, ist noch nicht mal umge­zogen, und schon lachen sich alle kaputt über irgend­welche bekloppten Sprüche. Das fehlt. Zu Hause ist es ruhig. Die Unruhe ver­misse ich langsam. Man spürt auch in unserer Whatsapp-Gruppe: So langsam kriegen alle das Kotzen. Wir sind nun mal fuß­ball­ver­rückt und wissen ohne den Sport nicht so wirk­lich was mit uns selber anzu­fangen.

Haben Sie Team­kol­legen, die nur vom Fuß­ball leben?
Nein. Das gibt es bei uns nicht. Zum Glück haben alle bei uns einen festen Arbeits­platz und sind außer­halb des Fuß­balls solide auf­ge­stellt. Der Groß­teil der Truppe kennt den Verein in- und aus­wendig, alle wissen, wie es um die finan­zi­ellen Mittel des Ver­eins bestellt ist.

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Was ist Osdorf für ein Verein?
Ein kleiner Tra­di­ti­ons­verein, der sich inner­halb von zehn Jahren bis in die Ober­liga hoch­ge­kämpft hat. Wir haben viele Fans, die auch laut­stark dabei sind. Jeder in Ham­burg kennt Osdorf und weiß: Es ist eklig, hier zu spielen.

Warum eklig?
Unser Platz ist klein, eng, wie eine Fes­tung. Frei­tags, 19:30 Uhr, da brennt der Blom­kamp.

Den kann ich nicht ab, den Jungen“

Wachter über Lewandowski

Vor ein paar Monaten, im Heim­spiel gegen die dritte Mann­schaft des HSV, hat das nicht so richtig geklappt. Ande­rer­seits sind Sie da auch von den Ex-Natio­nal­spie­lern Piotr Tro­chowski und Mar­cell Jansen ver­senkt worden. Wett­be­werbs­ver­zer­rung?
Was soll ich dazu sagen? Ich wurde auf­grund meiner Beschwerden leider nur ein­ge­wech­selt und hätte am liebsten die 90 Minuten gespielt. HSV III ist keine schlechte Mann­schaft, die haben sich ganz gut ein­ge­funden in der Ober­liga. Und mit Tro­chowski und Jansen haben sie natür­lich auch gute Spieler in ihren Reihen – auch wenn beide in dem spe­zi­ellen Spiel gar nicht so über­zeu­gend drauf waren. Aber klar: Tro­chowski hat einen Hammer, den darf man nicht zum Schuss kommen lassen. Haben wir halt leider gemacht. Aber ich bin HSV-Fan. Wenn ich einem Spieler so eine Gra­nate gönne, dann ihm.

Haben Sie ein ver­gleich­bares Tor geschossen in dieser Saison?
Weiß ich gar nicht. Ich kann mich vor allem an ein geiles Spiel erin­nern. Gegen Buch­holz, da habe ich sechs Dinger gemacht. Ange­pisst war ich am Ende trotzdem.

Wieso?
Weil ich schon in der 75. Minute aus­ge­wech­selt wurde und wir danach noch zwei Hütten gemacht haben. Da hätte ich sicher noch eins nach­legen können.

Exper­ten­frage: Wer ist der beste Tor­jäger der Welt?
Auf jeden Fall nicht Lewan­dowski. Den kann ich nicht ab, den Jungen. Ich hasse die Bayern.

Also Lukas Hin­ter­seer?
Nein, beim HSV kann man zur Zeit leider auch fast alles gegen die Wand schießen. Aber wenn Sie mich schon nach einem guten HSV-Spieler fragen, würde ich am ehesten sagen: Bakery Jatta.

Zum Abschluss eine Frage, die im Prinzip das ganze Land betrifft: Wie beschäf­tigen Sie sich zu Hause?
Meine Freundin muss noch raus, die ist im Lebens­hilfs­werk und arbeitet mit Schwer­be­hin­derten zusammen. Dem­entspre­chend küm­mere ich mich zu Hause vor allem um unsere beiden Kid­dies. Was nicht immer ohne ist, ich habe hier zwei rich­tige Rambos in der Woh­nung. (Lacht.) Und die merken natür­lich auch: Den ganzen Tag zu Hause sein? Das ist merk­würdig. Meine Ältere, sie ist sieben, fragt auch, warum sie nicht in die Schule kann. Oder Freunde treffen darf. Wir ver­su­chen alles Mög­liche, um es so spaßig wie mög­lich zu orga­ni­sieren. Aber ein­fach ist das nicht.