Seite 6: Interview: Kai Havertz

Kai Havertz, war es schwer, mit 15 für den Fuß­ball von daheim weg­zu­ziehen?
Es war nicht ein­fach, meine Mutter war anfangs total dagegen. Doch letzten Endes haben meine Eltern mir die Ent­schei­dung über­lassen. Der Kom­pro­miss war, dass sie sich meine Gast­fa­milie aus­su­chen konnten. Es wurde zufällig der Sta­di­on­spre­cher von Bayer Lever­kusen, und wir ver­standen uns direkt im ersten Gespräch prächtig. Ich zog dann in seinem Altbau in eine Art WG mit zwei anderen Spie­lern.

Wie lebt es sich mit der Dop­pel­be­las­tung von Schule und Fuß­ball­in­ternat?
Die Schul­zeit war hart, das gebe ich zu. Ich erin­nere mich an unser Pokal­spiel mit den Profis in Lotte. Das Spiel ging in die Ver­län­ge­rung, dann ins Elf­me­ter­schießen. Ich habe meinen Ver­such ver­wan­delt, aber wir schieden aus. Da war ich um vier Uhr nachts zu Hause, und um acht Uhr mor­gens musste ich eine Eng­lisch­klausur schreiben. Die Klausur ist dann dem­entspre­chend nicht so gut aus­ge­fallen – ähn­lich wie das Spiel in Lotte. Aber ich habe mich doch durch­ge­kämpft und mein Abitur geschafft.

Sie haben ange­fangen, Kla­vier zu spielen. Warum?
Zur Ablen­kung, ich muss den Kopf frei­be­kommen. Momentan lerne ich ein klas­si­sches Stück und ver­suche mich an den Songs aus dem Film Die fabel­hafte Welt der Amélie“. Ich will nicht jede Tonart lernen, son­dern nur ein­zelne Lieder. Ich habe Unter­richt, wenn es gerade passt. Eine Zeit­lang traf ich mich ein Mal pro Woche mit einer Leh­rerin, aber das ist bei den Eng­li­schen Wochen“ natür­lich schwer.

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Sie sind mit den Kol­legen Arne Maier und Gian-Luca Itter befreundet. Haben Sie auch Freunde außer­halb des Fuß­balls?
Früher war mein Freun­des­kreis in Aachen größer, heute habe ich außer­halb des Fuß­balls eigent­lich nur noch zwei echte Freunde. Der Kreis sollte auch nicht zu groß sein. Ich merke näm­lich schon, dass sich nun mehr Leute bei mir melden, mit denen ich früher nicht viel zu tun hatte. Sie fragen mich dann nach Tri­kots oder Ein­tritts­karten. Ihnen geht es dann mehr um den Pro­fi­fuß­baller Kai Havertz als um den Men­schen. Da muss ich auf­passen, nicht aus­ge­nutzt zu werden.

Trotz Ihnen und Maier schei­terte die U19 an der EM-Quali. Auch andere U‑Teams sta­gnieren. Hat der deut­sche Nach­wuchs ein Pro­blem?
Andere Länder wie Frank­reich oder Eng­land sind in der Jugend­ar­beit weiter, gerade beim Thema Ath­letik. Viele Spieler aus diesen Län­dern waren in der U17 schon rich­tige Büffel und ganz andere Kaliber; sie waren größer, schwerer und ath­le­ti­scher als wir. Der deut­sche Fuß­ball hat immer noch einen sehr guten Ruf, wenn man sich all die Talente anschaut, aber klar: Andere Länder schlafen nicht.

Haben Sie einen Zukunfts­plan, viel­leicht auch in puncto A‑Nationalelf?
Das kann man schwer vor­her­sagen. Ich möchte viel­mehr alles für Bayer geben. Wir haben ehr­gei­zige Ziele. Und in Bezug auf die Natio­nal­mann­schaft: Ich möchte in zwei Jahren bei der EM dabei sein, da bin ich 21 und in einem guten Alter. Ich muss noch viel dafür arbeiten, aber es ist nicht unmög­lich.