Sie sind Pro­fi­fuß­baller? Ihnen geht der Ruf voraus, ein lang­wei­liger Mit­läufer zu sein, für den sich kein Mensch inter­es­siert? Sie spielen zwar bei einem ange­se­henen Verein, hecheln ihren Kol­legen in Sachen Pro­mi­nenz aber weit hin­terher? Sie wollen mal so richtig auf die Pauke hauen, ohne dafür gleich 30 Spiele in Folge Top­leis­tungen auf dem Fuß­ball­platz abrufen zu müssen? Sie suchen den Ner­ven­kitzel, weil tief in ihrer lang­wei­ligen Mit­läufer-Seele die Flamme des Gefah­ren­su­chers brennt? Dann nehmen sie sich ein Bei­spiel an Chris Smal­ling!

Eine selten dumme Idee

Smal­ling, Abwehr­spieler von Man­chester United und der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft, ist weiß Gott kein Unbe­kannter seines Fachs, das graue-Maus-Image haftet dem 24-Jäh­rigen den­noch an. Es sind eben nicht die Smal­lings dieser Welt, die die Massen elek­tri­sieren. Dass Smal­ling der­zeit den­noch Gesprächs­thema Nummer Eins auf der Insel ist, hat er nicht seinen Fähig­keiten auf dem Platz zu ver­danken. Son­dern einer selten dummen Idee.

Um seinen Geburtstag und den seiner Freundin, sowie Weih­nachten, ange­messen zu feiern, lud der 1,93 Meter Hüne jüngst zu einer Kos­tüm­party. Der Gast­geber selbst wollte sich ver­klei­dungs­tech­nisch nicht lumpen lassen und erschien in einem Outfit, in dem offen­kundig eine ganze Menge Liebe zum Detail steckte: Aus Jäger­meis­ter­fla­schen, Red Bull-Dosen, einem Handy, einer alten Fest­platte, einer tarn­far­benen Weste, einem weißen Gewand, einem Paläs­ti­nenser-Tuch, einem fal­schen Bart und einer Son­nen­brille hatte sich Smal­ling eine ast­reine Selbst­mord­at­ten­täter-Ver­klei­dung gebas­telt.

Nun waren die Fotos von Smal­lings Kostüm eigent­lich nicht für die Öffent­lich­keit bestimmt, schließ­lich hatte der Fuß­baller zu einer Privat-Party geladen. Aber wie es nun mal so ist im Leben eines Pro­mi­nenten: Irgend­eine Arsch­geige hat man immer im Bekann­ten­kreis. Fotos von der Party lan­deten in den vor Auf­re­gung sicher­lich arg ver­schwitzten Händen der Sun“-Redakteure, die die Auf­nahmen selbst­ver­ständ­lich auf ihrer Titel­seite ver­öf­fent­lichten. Was Smal­lings Ruf nach­haltig schä­digen dürfte.

Denn selbst in Eng­land, wo deut­schen Fuß­bal­lern zum Ein­stand auch schon mal Mein Kampf“ über­reicht wird (so geschehen mit Didi Hamann bei seiner Will­kom­mens­party in Liver­pool), ist ein sol­ches Atten­täter-Kostüm ver­pönt. Die Erin­ne­rungen an den 7. Juli 2005, als sich vier Atten­täter in drei U‑Bahn-Zügen und einem Dop­pel­de­ckers mitten in der Lon­doner Innen­stadt in die Luft sprengten, sind noch zu frisch. 56 Men­schen starben damals, mehr als 700 Per­sonen wurden zum Teil schwer ver­letzt. Die Stadt war trau­ma­ri­siert.

Ein Kostüm für den Party-Suff

Kaum war das Bou­le­vard-Blatt mit Smal­lings Kon­terfei in Umlauf gebracht, mel­deten sich die ersten Opfer der dama­ligen Anschläge. Aus einem schlechten Gag wurde eine pein­liche Belei­di­gung. Smal­lings Bera­ter­firma ver­suchte umge­hend, die Brand­herde zu löschen und ließ ihren Kli­enten zu Kreuze krie­chen – was alles nur noch unan­ge­nehmer machte. Ohne Not sahen sich die Berater offenbar gezwungen, die Details der Kos­tü­mie­rung zu erläu­tern. Smal­ling, so die Medi­en­profis, habe nur des­halb Jäger­meis­ter­fla­schen und Red Bull-Bosen zu einer Bom­ben­at­trappen-Kom­bi­na­tion ver­eint, um den berühmten Par­ty­drink Jäger­bomb“ zu per­si­flieren. Tre­sen­fliegen wissen: Beim Jäger­bomb“ han­delt es sich um die eng­li­sche Vari­ante des Flie­genden Hirschs“ – Jäger­meister plus Red Bull. Nun muss sich Smal­ling auch noch Hohn und Spott gefallen lassen, weil er mit einem Selbst­mord-Atten­täter-Kostüm dem Party-Suff hul­digen wollte.

Immerhin: Das graue-Maus-Image hat Chris Smal­ling damit end­gültig abge­legt. Dafür gilt er jetzt als das Sack­ge­sicht der Nation.