Paul Ripke, Deutsch­land wird Welt­meister und du foto­gra­fierst in der Kabine. Wie konnte das pas­sieren?
Ich hatte vor der WM die Auto­gramm­karten der Spieler foto­gra­fiert und nach diesem Termin Oliver Bier­hoff gefragt, ob ich nicht im Falle eines WM-Tri­umphs die Mann­schaft foto­gra­fisch begleiten dürfte. Mir war natür­lich klar, dass ich einer von hun­dert Foto­grafen mit dieser Idee war. Dann durfte ich drei, vier Tage mit ins Trai­nings­lager und machte mir ein wenig Hoff­nung. Trotzdem war bis kurz vor dem Finale nicht klar, ob es klappen würde.

Wann bekamst du dann die Erlaubnis?
Am Sonntag hatte ich eine fle­hende Mail an Oliver Bier­hoff geschrieben und ihn gebeten, mir den Zugang zu erlauben und bin schon alle mög­li­chen Ableh­nungs­gründe durch­ge­gangen: Liegt es an meinem Aus­sehen: Ich rasiere mich gerne und trage eine Frisur eurer Wahl.“ Die Ant­wort: Lieber Paul, immer locker bleiben. Haare so lassen und mit­kommen. Wir schießen die Tore, du die Fotos!“

Dann saßt du plötz­lich im Sta­dion.
Ja, Reihe 1, Platz 1. Ich wollte nach dem Spiel auf keinen Fall mit leerem Akku und vollen Spei­cher­karten dastehen und hab wäh­rend des ganzen Spiels nur 23 Bilder gemacht. Kurz nach dem Spiel bekam ich das Signal: Keine Regeln mehr. Mach alle Fotos, die du machen willst!“ Mein Glück war, dass ich mit den Spie­lern gut klar kam. Lukas Podolski rief Komm in die Kurve, Paul, wir machen Fotos mit den Fans!“ So was ist unbe­zahlbar. 

Zwi­schen­durch Angst vor der eigenen Cou­rage gehabt? Das Pro­jekt deines Lebens und dir gelingen nur gewöhn­liche Bilder?
Angst nicht. Aber ich war sehr kon­zen­triert und habe mich abge­si­chert, etwa durch Kon­takt zum Stea­dycam-Ope­rator, der die Fern­seh­bilder vom Platz gelie­fert hat. Wenn ich dem die ganze Zeit vor der Linse her­um­ge­sprungen wäre, wäre ich schneller vom Platz geflogen, als ich hätte gucken können.

Wäh­rend der Sie­ger­eh­rung sah man dich oben auf der Tri­büne die Mann­schaft foto­gra­fieren.
Die Situa­tion war so sur­real, mich hätte auch nicht mehr über­rascht, wenn mir Angela Merkel plötz­lich noch eine Medaille umge­hängt hätte. Aber gerade diese Bilder sind wichtig, weil der Betrachter den Spie­lern sehr nahe ist.

Du hast mit einer Leica foto­gra­fiert.
Und sehr offen­blendig. Wenn man so foto­gra­fiert, muss man sich seinen Motiven nähern, auf unge­fähr zwei Meter. Aus grö­ßerer Ent­fer­nung wirken die Bilder schnell sehr kon­ven­tio­nell. Ich habe an diesem Abend unzäh­lige Bilder aus der Hüfte gemacht. Es war auch viel Aus­schuss dabei, sicher 60 bis 70 Pro­zent.

Die Natio­nal­mann­schaft hat einen opu­lenten Foto­band mit deinen Auf­nahmen her­aus­ge­bracht. Unter all den beein­dru­ckenden Fotos, hast du ein Lieb­lings­bild?
Ja, habe ich. Am Flug­hafen in Rio musste auch der WM-Pokal durch die Sicher­heits­schleuse und wurde in eine Plas­tik­schale gelegt. Auf dem Kon­troll­mo­nitor tauchte der Pokal als dunkle Sil­hou­ette auf. Das habe ich ein­ge­fangen. Wun­der­schön.

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Eine erste Aus­wahl findet ihr hier in der Bil­der­ga­lerie: