Seite 3: Ein kölscher Jung von der schäl Sick - mit angolanisch-kongolesischen Eltern

Wie über­haupt das Thema, wem die Ver­eine in Zukunft gehören sollen, die Liga weiter unter Span­nung hielt und halten wird. Möge die Macht mit den Ver­einen sein“, hieß es auf einem Trans­pa­rent in Stars-Wars-Typo­grafie, das sich über die ganze Länge der Ost­kurve in Bremen spannte. Doch mehr noch als die Debatte um 50+1 oder die seit dieser Saison regel­mä­ßigen Mon­tags­spiele in der Bun­des­liga regte der soge­nannte Video­be­weis“ das Publikum auf.

Eigent­lich fingen die Pro­bleme schon mit der Bezeich­nung an, denn inter­na­tional ist vom Video Assi­stant Referee die Rede und meint genau das: Es gibt einen Schieds­rich­ter­as­sis­tenten am Bild­schirm – aber keinen Beweis. Bis ins letzte Spiel der Saison wurde nicht klar, nach wel­chen Kri­te­rien in wel­chen Momenten im Kölner Keller“ agiert wurde. Oft genug wurde nur noch unter Vor­be­halt geju­belt. Ein echter Stim­mungs­töter mit absurder Note, wenn dazu sogar die Mann­schaften zum Elf­meter aus der Kabine geholt werden mussten.

Ande­rer­seits: Die auf­re­gende Dra­ma­turgie des DFB-Pokal­fi­nales bekam so noch einen wei­teren, ver­rückten Dreh. Zweimal bemühte Schieds­richter Felix Zwayer das Video­bild, zweimal ent­schied er über­ra­schend zugunsten von Ein­tracht Frank­furt. Man könnte auch sagen: Dank des Video­be­weises durften die Anhänger der Ein­tracht noch zweimal mehr jubeln. Doch der Frank­furter Pokal­sieg hatte noch eine weit wich­ti­gere Ebene. Der Deutsch-Slo­wene Fredi Bobic hatte seinem deutsch-kroa­ti­schen Trainer Niko Kovac näm­lich eine Mann­schaft gegen das Regel­buch zusam­men­ge­stellt.

Ein köl­scher Jung von der schäl Sick – mit ango­la­nisch-kon­go­le­si­schen Eltern

Stark inter­na­tional besetzte Mann­schaften gelten in der Fuß­ball­branche als pro­ble­ma­tisch. Nicht so in Frank­furt: Fast machte es den Ein­druck, als hätte der Manager der Saison“ so richtig Spaß daran, die Viel­falt bis zum Äußersten aus­zu­reizen. Im Pokal­fi­nale trat die Ein­tracht mit einem fin­nisch-slo­wa­ki­schen Tor­hüter und einem kroa­tisch-ser­bi­schen Tor­schüt­zenduo an, der deutsch-gha­nai­sche Star­spieler traf auf einen japa­ni­schen Mann­schafts­ka­pitän. Zum spa­nisch-äqua­to­ri­al­guin­eisch und nie­der­län­disch-kana­disch besetzten Mit­tel­feld-Duo kamen ein argen­ti­nisch-ita­lie­ni­scher und ein hol­län­disch-cura­çai­scher Ver­tei­diger. Und Langer- Ball-Bruder Danny da Costa ist ein köl­scher Jung von der schäl Sick – mit ango­la­nisch-kon­go­le­si­schen Eltern.

Die Fans der Ein­tracht ver­standen das auch als bei­spiel­hafte Bot­schaft über den Fuß­ball hinaus. Daher unter­stützten sie Ver­eins­prä­si­dent Peter Fischer, als er die Werte des Klubs und die Mit­glied­schaft bei der Ein­tracht mit der AfD für nicht ver­einbar erklärte und damit in einen jener hys­te­ri­schen gesell­schaft­li­chen Dis­pute geriet, in denen bare Selbst­ver­ständ­lich­keiten ange­zwei­felt werden. Und die Frank­furter zitierten mit einer großen Cho­reo­grafie ihre eigene Geschichte. Im Dezember 1992 hatte es in der Bun­des­liga die Aktion Mein Freund ist Aus­länder“ gegeben, bei der die Ein­tracht-Fan­szene einen eigenen Akzent setzte. Damals riefen sie die United Colors of Bem­ble­town“ aus, 2008 gab es ein erstes Remake unter dem Slogan United Colors of Frank­furt“. In diesem Früh­jahr fei­erte die Fan­szene im Wald­sta­dion unter dem Motto Ein­tracht lebt von Viel­falt“ ihren Klub und ihre Stadt als offen für alle. Und diese Aus­sage galt sogar ganz ohne die neue frank­fur­te­ri­sche Ein­schrän­kung: Stand jetzt“.