Seite 2: Wie das Regime die Nationalmannschaft unterstützte

Neben dem Major“ geru­fenen Puskas waren mit Fer­di­nand Kal­ten­brunner (Nandor Hidegkuti) und Alex­ander Wagner (Sandor Kocsis) die besten und prä­gendsten Figuren eben­falls deutsch­stämmig. Alle durften in Ungarn bleiben und machten so die gol­dene Elf in ihrer Genia­lität erst mög­lich. Paradox, dass Stalin den ange­strebten, auch sport­li­chen, Erfolg des kom­mu­nis­ti­schen Rei­ches in puncto Ungarn fast selbst zunichte gemacht hätte.

Noch bevor man sich der höchst inter­es­santen tak­ti­schen Kom­po­nente der Aranycsapat zuwendet, müssen zwei wei­tere Fak­toren berück­sich­tigt werden, die den Fuß­ball Ungarns in der Nach­kriegs­zeit so glanz­voll und wuchtig werden ließen.

Dass der Volks­auf­stand erst 1956 aus­brach, lag auch an den Fuß­bal­lern

Zum einen ist da das unga­ri­sche Volk. Nach einer langen Zeit des Lei­dens im Krieg und dem Joch des Natio­nal­so­zia­lismus, instal­lierte Stalin den Kom­mu­nismus in Ungarn, seine Mario­nette war Mátyás Rákosi. Nach der neuen Ver­fas­sung von 1949 wurde die Gewal­ten­tei­lung auf­ge­hoben und Ungarn sollte nach sowje­ti­schem Vor­bild ein Arbeiter- und Bau­ern­staat werden. Früh bil­dete sich Wider­stand. Intel­lek­tu­elle und Stu­denten bil­deten die radi­kale Basis einer Bewe­gung, zu deren Sym­pa­thi­santen und Unter­stüt­zern ein Groß­teil des unga­ri­schen Volks gehörte. Dass der Volks­auf­stand erst 1956 los­brach und sich in seiner voll­stän­digen Wut zeigte, lag auch an der gol­denen Elf der Ungarn, die den fuß­ball­ver­rückten Men­schen Hoff­nung gab und als Kitt zwi­schen Regime und Volk ver­standen werden kann.

Die Gol­dene Elf erhielt volle Unter­stüt­zung von oben und unten. Das Regime instal­lierte Armee­clubs, die Talente för­derten und so die Basis der spä­teren WM-Elf von 1954 legten. Das Volk lie­ferte Emo­tionen und trug maß­geb­lich zum teil­weise rausch­haften Fuß­ball bei. Wie tief­grei­fend die Ent­täu­schung der Men­schen nach dem Trauma von Bern war und wie groß gleich­zeitig die Bedeu­tung des Fuß­balls im Volk, beschreibt Tor­wart Gyula Gro­sics: Ich hatte über meh­rere Wochen Angst, auf die Straße zu gehen. Ich sah nach der Nie­der­lage die Vor­würfe und die Ent­täu­schung in den Augen der Men­schen, die mir auf der Straße begeg­neten. Diese Nie­der­lage hätte vor oder nach der WM statt­finden können. Dass es gerade im Finale pas­sierte, hat uns nie­mand ver­ziehen.“

Sieben Natio­nal­spie­lern kamen von einem Klub

Zum anderen muss man natür­lich die Quint­essenz aller großen Mann­schaften unter die Lupe nehmen: Das Spie­ler­ma­te­rial. Denn ohne Zweifel war neben allen Fak­toren vor allem einer weg­wei­send: Das Glück, dass in einem Team eine ganze Reihe von außer­ge­wöhn­li­chen Fuß­bal­lern zusammen kam, die zudem als ein­ge­spielte Ein­heit auf­traten. Sieben Spieler der Natio­nal­mann­schaft spielten zum Zeit­punkt der WM 1954 gemeinsam bei Honvéd Buda­pest.

Neben Aus­hän­ge­schild und Kapitän Puskás, standen Trainer Sebes wei­tere sechs Welt­klasse-Spieler zur Ver­fü­gung: Gro­sics, Lóránt, Bozsik, Czibor, Hidegkuti und Kocsis. Der siebte und beste Spieler des eli­tären Elite-Zir­kels der Ungarn war die abso­lute Ikone Ferenc Puskás. Edel­tech­niker, Tor­jäger, Bester aller Zeiten – der Linksfuß ist eine der größten Figuren der Fuß­ball­ge­schichte. In Zahlen: 597 Pflicht­spiel­tore für Honvéd, Real Madrid und Ungarn.