Ich habe in allen großen Sta­dien der Welt gespielt, aber ich war nie­mals näher an der Hölle als in der Bom­bonera“, adelte Bra­si­liens eins­tiger Stür­mer­star Romario das Sta­dion der Boca Juniors. Ole Bendtzen ist es gelungen, den argen­ti­ni­schen Ker­beros zu über­winden. Der däni­sche Fil­me­ma­cher hat sich Zugang ver­schafft zur Lebens­welt der Lie­benden aus der Pra­li­nen­schachtel und zeigt ein mit­unter bizarres Pan­op­tikum.

Nir­gendwo wird der eigene Klub mehr geliebt als in Buenos Aires – und ganz beson­ders die Boca Juniors, der Sehn­suchts­verein der Unter­schicht. Bendtzen erzählt die Love­story anhand von drei sorgsam aus­ge­wählten Prot­ago­nisten: Hernán, dem intel­lek­tu­ellen Sport­jour­na­listen, Pablo, der als Minis­trant in der Mara­dona-Kirche dient, und La Tía“, der Tante“.

Die 75-Jäh­rige ist der unge­wöhn­lichste Trai­ningskie­bitz seit langem. Sie bemut­tert die Spieler, als wären sie ihre eigenen Kinder, reicht ihnen Süßig­keiten in ihre dunklen Limou­sinen, kann aber auch anders: Wenn die Seniorin ein Spiel in ihrem Stamm­lokal ver­folgt, flucht sie wie ein Kes­sel­fli­cker, eine Her­ku­les­auf­gabe für den Texter der eng­li­schen Unter­titel. Eine der schönsten Szenen ist ihr unge­dul­diges Warten auf Stür­mer­star Martin Palermo, für den La Tía“ ein Geburts­tags­ge­schenk gekauft hat: Unter­hosen.

Hinter all der Exzen­trik steckt das Drama einer alten Frau, ihr all­täg­li­cher Kampf ums Über­leben im argen­ti­ni­schen Moloch. Einmal wird sie im Sta­dion ohn­mächtig. Es geht bei der ein­dring­li­chen Beob­ach­tung um drei unter­schied­liche Lebens­ent­würfe, in denen der Klub mit den schwe­di­schen Natio­nal­farben eine Haupt­rolle spielt.

Hernán kon­sul­tiert sogar einen Psych­iater gegen seine Fuß­ball­sucht, endet aber immer wieder in Tränen auf­ge­löst in der Bom­bonera. So authen­tisch hat noch nie­mand die Men­schen aus der Welt­haupt­stadt des Fuß­balls gezeigt. Der Film ist als beste euro­päi­sche TV-Doku­men­ta­tion des Jahres beim Prix Europa nomi­niert.

Am 12. März 2012 auf dem 11mm-Fuß­ball­film­fes­tival (in Anwe­sen­heit des Regis­seurs). Tickets und wei­tere Infos auf: www​.11​-mm​.de.

Hier der Trailer zum Film: