Felix, du bist Sport­jour­na­list und berich­test unter anderem für 11FREUNDE über Borussia Dort­mund. Wo kann man deine Texte denn sonst noch lesen?

Für 11 FREUNDE schreibe ich regel­mäßig in der Kolumne 18‘ über den BVB und von Zeit zu Zeit ein paar län­gere Geschichten. Daneben schreibe ich für eine ganze Reihe Tages­zei­tungen, zum Bei­spiel den Tages­spiegel in Berlin, die Finan­cial Times in Ham­burg, die Frank­furter Rund­schau, die Stutt­garter Zei­tung, den General Anzeiger in Bonn oder den Weser­ku­rier. In erster Linie schreibe ich über den BVB, hin und wieder aber auch über Schalke, den VfL Bochum, Arminia Bie­le­feld, den MSV Duis­burg – kurz gesagt alle West­ver­eine, die infrage kommen. Dazu kommen dann noch Vol­ley­ball, Beach­vol­ley­ball und Hand­ball.



Kannst du dir bei der Band­breite über­haupt einen Lieb­lings­klub leisten?

Das ist ganz klar Borussia Dort­mund! Kein anderer, und das wird sich auch nie­mals ändern. Ich hatte auch mal ein Leben vor dem Jour­na­lismus, und in diesem ver­brachte ich sehr viel Zeit auf der Süd­tri­büne des West­fa­len­sta­dions. Diesem Verein bin ich immer treu geblieben.

Du hast den Traum­beruf vieler Fans ergriffen und stehst in der ersten Reihe, wenn es beim BVB etwas Neues gibt. Wie nah bist du wirk­lich am Geschehen?

Recht nah, aber nicht supernah. Kol­legen wie Thomas Hen­necke vom Kicker oder Sascha Fligge von den Ruhr Nach­richten sind noch ein ganzes Stück näher dran, weil sie ständig vor Ort sind.

Ist Dein Beruf wirk­lich so toll, wie man ihn sich vor­stellt?

Für mich ist und bleibt es ein Traum­beruf. Trotzdem gibt es in jedem Job Dinge, die nicht so toll sind. Das kann dir jeder Bun­des­li­ga­profi bestä­tigen. Selbst Traum­be­rufe bringen eine Menge unspek­ta­ku­lären Alltag mit sich.

Es fällt schwer, sich eine All­tags­woche vor­zu­stellen, wenn jemand für so viele unter­schied­liche Zei­tungen schreibt.

Es gibt eine nor­male Arbeits­woche, weil ich neben den Texten als freier Autor noch eine halbe Stelle bei einem Vol­ley­ball-Magazin in Münster habe. Vor­mit­tags bin ich dort in der Redak­tion, nach­mit­tags küm­mere ich mich um die freien Geschichten. Da tele­fo­niere ich dann zum Bei­spiel mit Hans-Joa­chim Watzke oder Michael Zorc. Am Wochen­ende bin ich bei den Spielen und berichte dar­über. Am Wochen­ab­lauf ändert sich trotz vieler Zei­tungen wenig.

Wenn Borussia Dort­mund ein Heim­spiel hat, beginnt der Tag für die Fans in aller Regel am frühen Morgen. Man fährt zuhause los, trifft sich mit Freunden in der Stadt auf ein Bier und bereitet sich auf ein hof­fent­lich gutes Spiel vor…

Das alles ist mir leider nicht mehr mög­lich. Wenn man das Hobby zum Beruf macht, ist es irgend­wann kein Hobby mehr. Das ist der größte Nach­teil. Ein Spieltag ist für mich ein ganz nor­maler Arbeitstag. Ich stehe früh auf, checke bvb​.de, schwatz​gelb​.de und kicker​.de, lese die Tages­zei­tung und mache mich dann auf den Weg ins Sta­dion. Für einen Zwi­schen­stopp an der Reit­halle oder dem Büd­chen neben dem Betrieb“ bleibt mir im Gegen­satz zu früher keine Zeit mehr. Das mache ich heute nur noch in Aus­nah­me­fällen, wenn ich mich mit Freunden treffe. Ich gehe ins Sta­dion, um zu arbeiten und nicht mehr, um zu feiern.

Zur glei­chen Zeit haben die Fan­ab­tei­lung und The Unity unter Block 12 und 13 ihre Büd­chen auf­ge­baut und dienen den Fans als Anlauf­stelle. Erkun­digst du dich dort auch nach Neu­ig­keiten?

Leider nicht. Ich denke, dass es ein Ver­säumnis ist, und ich mich dort mehr umsehen müsste. Nur hat man für diese Dinge eben nicht immer den Kopf frei. Indi­rekt bekomme ich etwas über meinen Sohn mit, der mitt­ler­weile 15 ist und immer wieder mit ins Sta­dion geht. Früher stand er auf der Süd­tri­büne, jetzt ist das ohne Dau­er­karte leider nicht mehr mög­lich. Er sitzt aber gleich neben­dran und bekommt schon mit, was so bei den Fans abgeht. Das kommt mir bei der The­men­fin­dung durchaus ent­gegen, da ich gerade für die 11FREUNDE immer wieder Geschichten suche, die etwas abseits liegen. Das geht deut­lich über die Eins-Zu-Null-Bericht­erstat­tung hinaus, inso­fern bin ich über die Unter­stüt­zung direkt von der Tri­büne recht dankbar.

Ein häu­figer Vor­wurf gegen­über Sport­jour­na­listen lautet, dass sie keine Ahnung davon haben, wor­über sie in ihren Berichten schreiben. Ist diese Kritik unfair?

Sie ist vor allem Schwach­sinn. Natür­lich gibt es Geschichten, die an den Haaren her­bei­ge­zogen, frei erfunden, schlecht recher­chiert oder ein­fach total daneben sind. In der Regel wissen die Kol­legen jedoch genau, wor­über sie schreiben. Doch auch als Jour­na­list muss man mal einen schlechten Tag haben dürfen. Genau wie bei­spiels­weise Philipp Degen seine Spiele hat, in denen er nur Müll spielt. Das kommt halt vor. Grund­sätz­lich sind Jour­na­listen kom­pe­tent und machen sich sach­kundig. Und grund­sätz­lich kann Philipp Degen auch halb­wegs Fuß­ball spielen.

Einige Fans sind den­noch fel­sen­fest davon über­zeugt, Jour­na­listen kämen erst kurz vor Spiel­be­ginn, gingen den direkten Weg zum Buffet und setzten sich gleich im Anschluss auf den bequemen Sessel, von dem aus sie das Spiel ver­folgen. Spä­tes­tens mit dem Abpfiff seien sie schon wieder ver­schwunden und hätten außer dem Geschehen auf dem Platz nur wenig mit­be­kommen. Wie kommt so ein Miss­ver­ständnis zustande?

So kann man nur denken, wenn man keine Ahnung hat. Meine Kol­legen von den Print­me­dien, Agen­turen, Radio- und den TV-Sen­dern beschäf­tigen sich stun­den­lang mit der Materie und wissen sehr wohl, wovon sie schreiben oder reden. Für mich beginnt ein nor­maler Bun­des­li­ga­spieltag um zehn und endet gegen 20 Uhr, wenn ich wieder nach Hause fahre.

Du schreibst deine Artikel noch direkt vor Ort?

Ja, die aktu­elle Bericht­erstat­tung für die sonn­tags erschei­nenden Zei­tungen wie Weser­ku­rier, Tages­spiegel oder Sonntag Aktuell muss spä­tes­tens um 18.30 Uhr raus sein. Das heißt, eine Stunde nach Spie­lende muss ich fertig sein. Anschlie­ßend gehe ich noch in die Mixed Zone und schaue nach den Spie­lern, dazwi­schen liegt noch die Pres­se­kon­fe­renz und der Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit den Kol­legen. Das alles ist schon recht auf­wändig.

Bei diesem engen Zeit­plan bleibt bei bestem Willen keine Chance, sich nach den Vor­fällen in den Fan­kurven zu erkun­digen. Wenn noch dazu kommt, dass Fan­kurven und Tri­bünen weit ent­fernt von den Pres­se­be­rei­chen ange­sie­delt sind, bleibt bis auf die Ein­drücke aus der Distanz kaum etwas übrig, was man über die Fans schreiben könnte. Den­noch hält das einige Reporter nicht davon ab zu berichten, was in den Blö­cken so alles pas­siert sein soll. Woher stammen diese Infor­ma­tionen?

Das sind meist Dinge, die man im Sta­dion mit­be­kommt. Wenn das Publikum die Mann­schaft aus­pfeift, den Trainer mehr­heit­lich als Voll­idiot bezeichnet und seinen Raus­schmiss for­dert, kann man das kaum über­hören. Wenn auf­ge­brachte Fans wie beim legen­dären Spiel gegen Lever­kusen hinter der Trai­ner­bank auf­tau­chen, kriegt man das sehr gut mit. Dazu kommt, dass die meisten Bericht­erstatter eine Vor­ge­schichte haben. Wir haben eine gewisse Antenne für der­ar­tige Dinge. Und es ist ja nicht so, dass wir kei­nerlei Kon­takt zu Fans hätten. Ich zum Bei­spiel habe viele Freunde und Kol­legen, die sich intensiv mit Borussia Dort­mund, Arminia Bie­le­feld oder Schalke 04 aus­ein­an­der­setzen. Über die bleibe ich immer auf dem Lau­fenden, das ist im Prinzip ganz nor­male Recher­che­ar­beit. Sicher sind wir nicht so weit weg von den Fans, wie einige zu wissen meinen. Das ist ein völlig fal­scher Ein­druck! Den­noch: Es wird seine Gründe haben, dass das Auf­treten von Jour­na­listen als arro­gant wahr­ge­nommen wird. Irgend­woher muss diese Mei­nung ja kommen.

Mit­unter hat man den Ein­druck, eine unglück­liche For­mu­lie­rung in einem Halb­satz habe mehr Gewicht als der Rest eines sonst gelun­genen Arti­kels…

Genau da beginnt die fal­sche Wahr­neh­mung: Nur weil man mal schreibt, dass Chris­tian Wörns mit einem Fehl­pass das Gegentor ver­bockte, obwohl tat­säch­lich Robert Kovac der Schul­dige gewesen ist, heißt das doch noch lange nicht, dass man keine Ahnung hat. Das sind Fehler, die pas­sieren. Wenn jemand 300 oder 350 Infor­ma­tionen gleich­zeitig zu ver­ar­beiten hat, und davon dann eine oder zwei falsch sind, macht das einen Artikel noch lange nicht schlecht. Manch einer macht es sich dies­be­züg­lich in der Wer­tung zu ein­fach.

Vor rund einem Jahr kam es beim Pokal­spiel in Thann­hausen zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Zwi­schen­fall. Eine Stahl­rohr­tri­büne hielt dem Gewicht der Fans nicht stand, in Absprache mit den Ord­nern wurden die zum Sicher­heits­ri­siko gewor­denen lockeren Sitz­bänke heraus gereicht und neben der Tri­büne abge­legt. Bereits wenige Stunden nach dem Spiel konnte man die ersten Mel­dungen lesen, Dort­munder Hoo­li­gans“ hätten die Gast­freund­schaft der Ama­teure mit Füßen getreten“, den beschau­li­chen Ort ver­wüstet“ und nichts als ver­brannte Erde“ hin­ter­lassen. Nur bei den Gast­ge­bern hatte offen­sicht­lich keiner nach­ge­fragt – die spra­chen die Dort­munder Fans von jeder Schuld frei und bedankten für die her­vor­ra­gende Orga­ni­sa­tion“ der Fan­ab­tei­lung und das vor­bild­liche Ver­halten“ der Gäste.

Ich war bei diesem Spiel nicht dabei, kann also nur auf Infor­ma­tionen aus zweiter Hand zurück­greifen. Offen­sicht­lich waren die gezeigten Bilder irre­füh­rend und einige Kol­legen haben nicht aus­rei­chend recher­chiert. Damit will ich jedoch nicht unter­stellen, dass Jour­na­listen absicht­lich und wider bes­serem Wissen falsch berichtet hätten.

Das wollte ich damit auch kei­nes­falls zum Aus­druck bringen. Meines Erach­tens unter­streicht dieser Fall aber genau das, was du zuvor im Detail beschrieben hast: der Zeit­druck war groß, die opti­schen Ein­drücke schienen ein­deutig. Dass sich die Situa­tion 50 Meter weiter jedoch ganz anders abge­spielt hatte, konnte keiner ahnen. Im Ergebnis stand eine simple Fehl­ein­schät­zung, die man mit einer kurzen Kor­rektur pro­blemlos hätte gerade rücken können. Leider konnte sich mit Sascha Fligge nur ein ein­ziger Reporter zu diesem mutigen Schritt durch­ringen, wäh­rend einige andere sogar noch nach legten und die Rich­tig­stel­lung der Fan­ab­tei­lung als Schön­fär­berei der wilden Exzesse bezeich­neten.

Das spricht erst einmal für Sascha Fligge, der ein guter Jour­na­list ist. Viel­leicht gingen die Berichte auf feh­ler­hafte Mel­dungen der Nach­rich­ten­agen­turen zurück, die für einen sehr hohen Mul­ti­pli­ka­ti­ons­faktor sorgen. Mir ist nicht bekannt, was dpa und sid zu diesem Spiel geschrieben haben. Wenn die Mel­dung eines Nach­rich­ten­dienstes bei einer Zei­tungs­re­dak­tion ein­geht, kann diese davon aus­gehen, dass die Mel­dung richtig ist. Das ist in aller Regel auch der Fall, wes­halb man nie­mandem einen Vor­wurf machen kann, der einer sol­chen Mel­dung Ver­trauen schenkt. Ich per­sön­lich mache mich bei Fan­themen oft bei schwatz​gelb​.de kundig, weil ich weiß, dass Ihr nicht das Sprach­rohr des BVB seid. Ihr steckt mitten drin im Geschehen und nehmt eine kri­ti­sche Hal­tung ein, in der ihr euch nicht davor scheut, auf Distanz zu gehen, wenn die Dinge in eine fal­sche Rich­tung laufen. Das halte ich für wichtig und glaub­würdig.

Mit der Glaub­wür­dig­keit sprichst du eine wesent­liche Eigen­schaft an, die man als Jour­na­list nie ver­lieren sollte. Wie ver­hält es sich damit, wenn Fans immer öfter den Ein­druck haben, zur Auf­la­gen­stei­ge­rung in das Kli­schee der bru­talen Fuß­ball­row­dies gepresst zu werden?

Da müsste man viel­leicht mal bei Bild nach­fragen. Die Süd­deut­sche und andere sind hin­gegen alles andere als Kra­wall­zei­tungen und berichtet sehr ver­nünftig. Dort geht es nicht um die spek­ta­ku­lärsten Berichte, son­dern um die Wahr­heits­fin­dung, die den Autoren ein echtes Bedürfnis ist. Es lohnt also, genau zu unter­scheiden, mit wem man es zu tun hat, wie man deut­lich an der Ver­wen­dung von Bil­dern erkennen kann. Wenn man die unsauber beschreibt und damit fal­sche Ein­drücke erzeugt, ist das ein klares Zei­chen für hand­werk­liche Schwäche.

Glei­ches gilt für die häu­fige Ver­wen­dung alt­be­kannter Kli­schees. Die bekam man nach Bekannt­gabe der WM-Aus­tra­gung in Deutsch­land aber bei­nahe täg­lich aufs Brot geschmiert, als sich Poli­tiker und Medien mit Hor­ror­sze­na­rien gegen­seitig über­boten. Es wurde ein Bild von Fuß­ball­fans gezeichnet, das dem von Schwer­ver­bre­chern teil­weise sehr nahe kam und damit unwei­ger­lich die Polizei auf den Plan rief. Mit­hilfe des poli­ti­schen Rücken­winds konnten weit­rei­chende Maß­nahmen ergriffen werden, die mora­lisch bedenk­lich und in vielen Berei­chen maßlos über­zogen waren. Doch obwohl den Medien in regel­mä­ßigen Abständen Berichte über die unwür­dige und skan­da­löse Behand­lung nor­maler Fans zuge­spielt worden waren, fanden diese nur selten Ein­gang in die aktu­elle Bericht­erstat­tung. Trifft der Vor­wurf der aktiven Stim­mungs­mache durch die Medien zu?

Diese Sicht­weise ist teil­weise richtig. Seit dem Zeit­punkt, als die WM-Aus­tra­gung in Deutsch­land bekannt geworden war, über­stieg die Fuß­ball­be­geis­te­rung selbst die höchsten bis dahin bekannten Grenzen. Der Sport rückte wie nie zuvor in den Mit­tel­punkt der Gesell­schaft und wurde zum Poli­tikum. Mit dieser Stim­mungs­mache ist gespielt worden, von einigen Medien sogar extrem. Dass das nicht kor­rekt war, sehe ich genauso. Ande­rer­seits sind auch einige bri­sante Themen auf die Titel­seiten gespült worden, für die es vorher noch keine Öffent­lich­keit gab. Hier denke ich bei­spiels­weise an die Pro­ble­matik der No-Go-Areas, die mit dem Hin­ter­grund der WM ganz anders wahr­ge­nommen wurde: Deutsch­land stand im inter­na­tio­nalen Fokus und wollte sich als welt­of­fener Gast­geber prä­sen­tieren, da musste man diese Dinge viel sen­si­bler als zuvor angehen. Die Fan­szene im All­ge­meinen – und da gebe ich dir Recht – ist dabei zu schlecht weg­ge­kommen.

Als die WM dann erstmal lief…

… ist das Ganze total ins Gegen­teil umge­kippt.

Über Nacht war das Thema Gewalt im Fuß­ball ver­gessen, dafür schwärmte aber jeder vom fried­li­chen Fuß­ball­fest. Die ganze Welt lag sich pau­senlos in den Armen, die Polizei war zu allen mög­li­chen Späßen bereit und die Legende vom grün-weißen Par­tybus“ machte die Runde. Mit der Rea­lität hatte das aber nur begrenzt etwas zu tun, wie die BBC-Doku­men­ta­tion Ger­many 2006 – The Untold Story“ ein­drucks­voll belegt.

Du kannst die Geschichte sogar noch weiter drehen: kaum war die WM vorbei, ist es wieder ins andere Extrem gekippt. Da kam plötz­lich der böse Fan wieder zum Vor­schein, die Ver­wand­lung war purer Wahn­sinn. Der Fuß­ballfan in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung war wäh­rend der WM nicht mehr der glatz­köp­fige, fette, ver­schwitzte und stin­kende Mann, son­dern eine junge, schöne, bemalte und bunt dra­pierte Frau. Und gleich nach der WM wurde wieder der schwit­zende, stin­kende, grö­lende und täto­wierte Fett­sack ins Bild gerückt.

Hätte man sich dem herr­schenden Trend nicht ver­wei­gern können?

Als guter Jour­na­list, klar. Man sollte sich nie instru­men­ta­li­sieren lassen. Das lässt sich zwar nicht immer ver­meiden, man sollte aber wachsam sein und vor­sichtig damit umgehen.

Die wach­sende Skepsis gegen­über der medialen Bericht­erstat­tung und über­zo­genen Sicher­heits­maß­nahmen führte zur Grün­dung zahl­rei­cher Fan­ver­bände und Zweck­bünd­nisse. Anhänger riva­li­sie­render Ver­eine schlossen sich zusammen und deckten im Wochen­takt neue Miss­stände auf, die zum Teil jah­re­lang ver­schwiegen und von offi­zi­eller Stelle geleugnet worden waren. Als Extrem­bei­spiel diente die Datei Gewalt­täter Sport, die sich schnell zum Druck­mittel gegen unlieb­same Fans ent­wi­ckelt hatte. Bis heute reicht laut den jewei­ligen Poli­zei­ge­setzen reine Spe­ku­la­tion über zukünf­tige Stö­rungen für einen Ein­trag in der Datei aus. Beweise oder zumin­dest Indi­zien müssen im Sinne größt­mög­li­cher Gefah­ren­ab­wehr“ nicht vor­liegen. War dir die Dimen­sion staat­li­cher Kon­trolle schon vor der Auf­klä­rung durch die Fanin­itia­tiven bewusst?

Ich habe lange nichts über der­ar­tige Pro­bleme gehört, obwohl das ange­spannte Ver­hältnis zwi­schen Fans und Polizei grund­sätz­lich nichts Neues ist. Das konnte schon vor 30 Jahren nicht als unge­trübt bezeichnet werden. Dieser Dau­er­kon­flikt hat zwei Ursa­chen: Einer­seits haben die extremen Fans schon immer gepö­belt, ran­da­liert und sich auch sonst daneben benommen. Ande­rer­seits hat die Obrig­keit über­re­agiert und Fans regel­recht dis­kri­mi­niert. Sich in Initia­tiven und Bünd­nissen zusam­men­zu­schließen, war und ist eine sehr gute Idee. Allein schon, um Feuer aus der Sache zu nehmen und sich auf­ein­ander zuzu­be­wegen. Schließ­lich ist die Fan­kultur an sich etwas sehr Schönes! Das ist eine inter­es­sante Kultur, die sich selbst pflegt, glei­cher­maßen aber von außen gepflegt und erhalten werden muss. Ich bin der größte Fan der gelben Wand, für mich ist sie immer noch das Tollste, was der BVB zu bieten hat. Es liegt mir sehr am Herzen, dass diese Kultur fort­be­steht, doch dazu müssen alle Betei­ligten mit Augenmaß an die Sache her­an­gehen. Dabei können Initia­tiven helfen, selbst wenn es nur darum geht, den Bau reiner Sitz­platz­sta­dien zu ver­hin­dern. Der ein­zelne Fan wird nicht gehört, eine orga­ni­sierte Gruppe dagegen sehr wohl.

Wie reagierten die Medi­en­ver­treter auf das Erstarken der Fan­szene?

Die Presse hat das sehr sen­sibel wahr­ge­nommen. Für die Fans war das natür­lich positiv, weil sie Gehör fanden, nachdem sie zuvor über viele, viele Jahre hinweg iso­liert waren. Früher gingen sie ins Sta­dion und feu­erten ihre Mann­schaft an, waren teil­weise aber nur Folk­lore für Spon­soren, die mit großem Publikum leichter anzu­lo­cken sind. Fans hatten keine Lobby, doch das hat sich geän­dert. Heute sind sich die Fans ihrer Macht bewusst und for­mu­lieren ihre Anliegen deut­lich. Das ist wün­schens­wert, weil Fans ein wich­tiger Bestand­teil des Fuß­balls sind. Bis vor kurzem war das nur eine Floskel der Funk­tio­näre, mitt­ler­weile müssen sie die Fans ernst nehmen.

Dieser Wandel ist an zahl­rei­chen Anhän­gern jedoch vor­bei­ge­gangen, bei denen sich der Irr­glaube Fans haben keine Lobby“ noch immer größter Beliebt­heit erfreut. Wie lassen sich der­ar­tige Fehl­ein­schät­zungen inter­pre­tieren?

Die neue Ent­wick­lung hat sich vor wenigen Jahren ein­ge­stellt, das ist alles sehr schnell gegangen. Die Fehl­ein­schät­zung ent­steht dadurch, dass die Fans die Ver­än­de­rungen selbst erst einmal rea­li­sieren müssen. Sie sind bei­nahe über Nacht zu einem Macht­faktor im Mil­lio­nen­ge­schäft Berufs­fuß­ball geworden! Wie lange gibt es zum Bei­spiel die BVB-Fan­ab­tei­lung? Noch nicht einmal fünf Jahre. Was da pas­siert ist, hat noch lange nicht jeder ver­standen, obwohl die Macht einer eigenen Abtei­lung den Verein ent­schei­dend ver­än­dert hat. Der BVB besteht heute nicht mehr nur aus Fuß­ball, Tisch­tennis und Hand­ball, son­dern hat die Fans als zah­len­mäßig größte Gruppe mit erheb­li­chem Ein­fluss aus­ge­stattet. Wie weit der gehen kann ist ver­gan­gene Saison in Bremen offenbar geworden. Die Anhänger waren stink­sauer, dass sich Miroslav Klose wenige Tage vor einem wich­tigen Uefa-Pokal-Spiel hinter dem Rücken des Ver­eins zu Ver­hand­lungen mit den Bayern getroffen hat. Klose hatte die Bremer an der Nase herum geführt, das Publikum hat ihn dafür wege­mobt. Am Ende hat Klose den Verein auch des­halb ver­lassen, weil die Fans ihn nicht mehr wollten! Ein ähn­li­ches Bei­spiel gibt es aus Dort­mund. Dort haben die BVB-Fans zusammen mit der Presse die Ver­pflich­tung Ail­tons ver­hin­dert. Als Watzke und Zorc nach dem Abschieds­spiel von Julio Cesar erklärt hatten, Ailton holen zu wollen, wehrten sich die Fans vehe­ment gegen den Ein­kauf eines Bil­der­buch-Söld­ners. Sie arti­ku­lierten sich der­maßen stark, dass Watzke und Zorc kalte Füße bekamen und Abstand nehmen mussten. Natür­lich würden die beiden das nie zugeben und klar stellen, dass sie sich von den Fans nicht unter Druck setzen lassen und deren Mei­nung keinen Ein­fluss auf ihre Ent­schei­dungen hat – de facto ist es aber genau so gewesen.

Großen Wirbel gab es auch um das selt­same weiß-gelbe Trikot. Im Eifer des Gefechts leis­tete sich Watzke ver­bale Fehl­tritte, für die er sich ent­schul­digen und nach herber Kritik bei einer Fan­ver­samm­lung erklären musste.

Der neuen Rol­len­ver­tei­lung müssen sich die han­delnden Per­sonen erst einmal bewusst werden. Man darf Watzke ruhig kri­tisch sehen, doch er ist und bleibt ein schlauer Mensch. Er weiß genau, dass er an den Fans nicht vor­bei­kommt und nicht einmal dann selbst­herr­lich agieren könnte, wenn er es wollte. Watzke muss den Kon­sens suchen, weil es sich bei den Fans um einen großen Teil der zah­lenden Kli­entel han­delt. Tat­säch­lich ist es kom­pli­zierter: Die zah­lende Kli­entel besteht näm­lich nicht aus Kunden, son­dern aus Fans. Diese Fans wie­derum sind Borussia Dort­mund! Wer sich dar­über hin­weg­setzt, ist bor­niert und begeht einen schweren Fehler.

Die Fans haben dank ihrer Orga­ni­sa­tion also großen Ein­fluss?

Das wäre viel­leicht etwas viel, doch sie haben Ein­fluss, und dieser Ein­fluss wächst. Die han­delnden Per­sonen haben jedoch immer noch am meisten zu sagen.

Bei LaOla werden ben­ga­li­sche Fackeln und kom­plett bren­nende Fan­blöcke seit Jahren als süd­län­di­sche Atmo­sphäre“ beju­belt, in Deutsch­land ist man mit Käse­bröt­chen oder Tampon am Block­ein­gang poten­zi­eller Wurf­ge­schoss­be­sitzer. Wie lange muss der Ein­fluss noch wachsen, bis man der­ar­tige Themen auf einer Titel­seite lesen kann?

(lacht) Da muss man die Kol­legen beim DSF ver­stehen: Ben­ga­li­sche Fackeln lie­fern ein­fach richtig gute Bilder, das ist Folk­lore pur! Der Sicher­heits­as­pekt ist ein anderer. Ich kann nicht beur­teilen, was mög­lich ist und wo das Sicher­heits­ri­siko beginnt. Doch wenn sich Fans dis­kri­mi­niert und gegän­gelt fühlen, sind sie heute in der Lage, sich ent­spre­chend zu arti­ku­lieren und zu wehren.

Vor wenigen Tagen fand ein Freund­schafts­piel des BVB gegen die SG Wat­ten­scheid statt, bei dem Fans mit Sta­di­on­verbot auf Rat der Polizei der Zutritt zum Spiel ver­wei­gert wurde. Welche Rolle nimmt hier die Polizei ein? Ist es wirk­lich not­wendig, selbst bei völlig unbe­deu­tenden Spielen wie gegen Vic­toria Köln oder eben Wat­ten­scheid mit einem Groß­auf­gebot zu erscheinen?

Wenn Fans mit einem Sta­di­on­verbot belegt worden sind, weil sie gefähr­lich sind, gilt dieser Aus­schluss natür­lich auch für Freund­schafts­spiele, auch wenn sie nicht die Bedeu­tung von einem Revier­derby haben.

Mir fällt es schwer, diese Emp­feh­lung nach­zu­voll­ziehen, da ich noch nie von Kra­wallen oder sons­tigen Zwi­schen­fällen gehört habe, die man auf Fans mit Sta­di­on­verbot hätte zurück­führen können. Hat es so was denn schon mal gegeben?

In den 1970-er und 1980-er Jahren war das Gewalt­po­ten­zial mit der Borus­sen­front“ schon sehr groß, aber heute haben die Dort­munder Fans eigent­lich ein ganz anderes Image. Sie gelten schon lange nicht mehr als gewalt­be­reit, die großen Fan­gruppen lehnen Gewalt offen­kundig ab. Ich weiß nicht, ob die Polizei bei den Sta­di­on­ver­boten, die es heute gibt, kon­krete Ver­dachts­mo­mente hat oder ob es sich um Gän­gelei han­delt.

Die Dort­munder Ultra­grup­pie­rung The Unity reagierte auf den Aus­schluss und gab bekannt, aus Soli­da­rität zu ihren aus­ge­schlossen Freunden nicht zum Test­spiel zu erscheinen. Andere Fans wurden dazu auf­ge­rufen, ein Zei­chen zu setzen und es Gruppe gleich zu tun.

Das ist das Recht der Fans und genauso legitim, wie eine Reak­tion des Ver­eins auf der­ar­tige Kritik.

Welche Druck­mittel stehen den Fans zur Ver­fü­gung, um auf ihre Behand­lung auf­merksam zu machen?

Die wirk­samste Waffe ist ganz klar die Ver­wei­ge­rung. Keine Fans bedeutet keine Atmo­sphäre und vor allem keine Kohle! Wenn The Unity der Mei­nung ist, dass Unrecht geschieht, dann werden sie über die Fan­ab­tei­lung bis nach oben durch­ge­lassen. Es han­delt sich nicht mehr um einen Kampf, der im Ver­bor­genen statt­findet oder der keinen mehr inter­es­siert. Die Lobby der Fans ist so groß, dass der­ar­tige Dinge geprüft und wahr­ge­nommen werden.

Werden sie von der Öffent­lich­keit wahr­ge­nommen?

Noch nicht genü­gend, aber es bes­sert sich.

Wie sehen Deine Kon­takte zur Dort­munder Fan­szene aus und wie intensiv ver­folgst du das Geschehen?

Ich bin weit­ge­hend raus und habe nur noch losen Kon­takt zur Fan­szene, dort aber vor allem zu den Fan­ver­tre­tern. Die melden sich hin und wieder auch mal bei mir, wenn sie ein Anliegen haben oder mich auf eine beson­dere Aktion hin­weisen möchten, bei der sie Unter­stüt­zung brau­chen. Im Januar gab es zum Bei­spiel eine große Cho­reo­grafie gegen Frem­den­feind­lich­keit und Aus­län­der­hass, mit der die Fan­ab­tei­lung ein Zei­chen setzen und die Platt­form einer Live­über­tra­gung im Free-TV nutzen wollte. Ein paar Tage später hat mich Rein­hard Beck ange­rufen und gesagt: Das war eine große Aktion, die viel Arbeit gemacht hat und für uns sehr wichtig war. Trotzdem berichtet keiner dar­über, das ist jam­mer­schade.“ Er hatte Recht, wes­halb ich dann in 11FREUNDE dar­über geschrieben habe. Bei Dingen, die in die Öffent­lich­keit getragen werden: wenn es um Fan­be­lange geht, ist Olaf Suplicki ein bes­serer Ansprech­partner als Zorc oder Watzke. Auch Eure Web­site hilft mir da bei der Recherche.

Stich­wort Fan­be­lange: Vor drei Monaten fand in Leipzig der erste DFB-Fan­kon­gress statt, auf dem die Fans in Arbeits­gruppen mit anderen Akteuren Kon­zepte für eine bes­sere Zusam­men­ar­beit und Kon­flikt­ver­mei­dung erar­beitet haben. Wie viel ist von diesem Treffen in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung hängen geblieben?

Dass die orga­ni­sierten Fans auf Miss­stände hin­ge­wiesen haben. Da waren viele der Dinge dabei, die du schon genannt hast: Fans werden gegän­gelt, Sta­di­on­ver­bote vor­schnell aus­ge­spro­chen und selbst bei sach­li­chem Nach­weis der Unschuld nicht zurück­ge­nommen, und so weiter und so fort. Das ist schon sehr explizit rüber­ge­kommen, und zumin­dest offi­ziell hat sich Herr Zwan­ziger auf­ge­schlossen gezeigt. Er hat dabei keinen bor­nierten Ein­druck hin­ter­lassen und deut­lich gemacht, dass er sich für diese Pro­bleme inter­es­siert. Ob er hinter ver­schlos­senen Türen genauso denkt, weiß ich aller­dings nicht.

Zwan­ziger soll laut Spiegel Online gesagt haben, er hätte von vielen Pro­blemen erst­mals gehört, die ihn doch sehr über­rascht und scho­ckiert hätten…

Das kann ich mir gut vor­stellen, und man sollte ihm das nicht unbe­dingt zum Vor­wurf machen. Man muss sich den Pro­zess als Spi­rale vor­stellen: Fans orga­ni­sieren sich, schaffen sich eine Lobby, finden über diese Lobby Gehör und kommen dann bei den Funk­tio­nären an. Die hören erstmal zu, ergreifen even­tuell Maß­nahmen und stellen im besten Fall Pro­bleme ab. Vor kurzem sah das noch anders aus: Die Fans waren unor­ga­ni­siert, nie­mand hörte ihnen zu.

Sind die Sorgen der Fans bei den Mei­nungs­füh­rern ange­kommen?

Ich hoffe schon. Ich habe die Bericht­erstat­tung auf­merksam ver­folgt und als recht pro­mi­nent emp­funden.

Welche Rolle spielt die Fil­ter­funk­tion des Umfelds der Funk­tio­näre und betrof­fenen Poli­tiker? Wie viel wird dort abge­blockt?

Auch hier findet ein Pro­zess statt: Am Anfang ist die Wahr­schein­lich­keit sehr groß, dass diese Themen geblockt werden. Auf Dauer kann sich kein Poli­tiker und kein Funk­tionär dieser Welt mehr den Luxus leisten, sich den Dingen kate­go­risch zu ver­schließen. Das liegt schon daran, dass die Fans deut­lich machen, wie sehr sie sich ihrer Macht bewusst sind, und dass sie nicht davor zurück­schre­cken, diese Macht aus­zu­üben. Bei Nicht­be­ach­tung wird über Macht­de­mons­tra­tion Auf­merk­sam­keit erzeugt.

Bei­nahe hätte es schon vor einigen Jahren mit dieser Auf­merk­sam­keit geklappt. Bun­des­prä­si­dent Johannes Rau war damals so über­rascht von den Berichten der Anhänger, dass er eine Fan­de­le­ga­tion ins Schloss Bel­levue bat und eine Schlich­tung des schwe­lenden Kon­flikts vor­an­treiben wollte. Einige Zeit später ver­sprach Innen­mi­nister Otto Schily die Ein­rich­tung einer Ombuds­stelle zur Klä­rung schwe­bender Sta­di­on­ver­bote. Getan hat sich bis heute nichts.

Diese Stelle ist nicht ein­ge­richtet worden?

Nein. Mas­sive Pro­teste folgten zwar, Reak­tionen gab es aber keine mehr.

Das ist schon hart. Wenn man nicht mal mit dem Bun­des­prä­si­denten im Rücken etwas bewegen kann, muss man sich wirk­lich Sorgen machen.

Kommen wir zum letzten Teil unseres Gesprächs, dem Ver­hältnis zwi­schen Spon­soren und Fans. Wie sieht das aus deiner Sicht aus?

Eher schlecht. Durch die wach­sende Kom­mer­zia­li­sie­rung ist das in den letzten Jahren immer weiter aus­ein­ander gedriftet. Ich denke, dass sich kein wirk­li­cher Fan damit iden­ti­fi­zieren kann – genauso wenig wie ich – wenn Sta­di­on­namen ver­kauft werden. Ich wei­gere mich bis heute Signal-Iduna-Park zu schreiben, weil ich das ganz furchtbar finde. West­fa­len­sta­dion darf ich nicht mehr ver­wenden, dann meldet sich der Pres­se­spre­cher Josef Schneck bei mir. Also bleibe ich neu­tral und schreibe vor 83000 Zuschauern im Dort­munder Sta­dion“. Die Fans mögen die Spon­sor­namen nicht, in Dort­mund haben das aller­dings tole­riert, weil es dem Verein dre­ckig ging und das Geld drin­gend gebraucht wurde. Es war das klei­nere Übel im Ver­gleich zum Kon­kurs. Wenn man aber sieht, dass in Ham­burg der Name schon zum zweiten Mal ver­kauft worden ist, ist das keine schöne Ten­denz. Vor rund einem Jahr gab es dazu ein gutes Inter­view mit Peter Müller von der WAZ in 11FREUNDE zu lesen, in dem sich der Redak­teur ganz klar gegen die Nen­nung von Spon­so­ren­namen aus­sprach. Damals hatte sich die Chef­re­dak­tion der WAZ nach Rück­sprache mit dem Verlag ent­schieden, keine Wer­bung in Arti­keln zuzu­lassen und die Namen ent­spre­chend aus­zu­blenden. Wenn die Unter­nehmen Wer­bung schalten wollen, so die Mei­nung, sollen sie dafür bezahlen wie alle anderen auch. Tra­di­tion ist im Fuß­ball nun mal ein hohes Gut, mit dem man ver­ant­wor­tungs­voll umzu­gehen hat. Ich denke, dass die Spon­soren dieses Aus­ein­an­der­driften regis­triert haben und – das ist mein per­sön­li­cher Ein­druck, und den bitte ich mit Vor­sicht auf­zu­nehmen – teil­weise ver­su­chen, mit fan­freund­li­chen Aktionen ent­ge­gen­zu­steuern, um diese Kluft zu über­winden. Das scheint anzu­kommen, wie mir Gespräche gezeigt haben. Es ist ja auch schön ein Trikot geschenkt zu bekommen und das Gefühl zu haben, dass der Sponsor an einen denkt. Selbst, wenn er primär natür­lich andere Ziele ver­folgt. Auf alle Fälle sah die gelbe Wand beim Spiel gegen Werder mit all den neuen Tri­kots noch schöner aus als sonst.

Vielen Dank für das lange und auf­schluss­reiche Gespräch, Felix Mei­ning­haus!