Das süd­ost­bay­ri­sche Burg­hausen ist ein Städt­chen von 18.000 Ein­woh­nern und stolz auf sein Wahr­zei­chen, die längste Burg der Welt (1051 Meter). Einige Jahre war es auch von seinen Fuß­bal­lern angetan. Damals beschäf­tigt der hei­mi­sche SV Wacker berühmte Spieler wie den Tor­wart Uwe Gos­po­darek, der früher mal beim FC Bayern war, oder den Mit­tel­feld­mo­zart Thomas Broich, über den sogar ein Film gedreht wurde später, oder den Ver­tei­diger Markus Palionis, der eines Abends genau elf Meter davon ent­fernt war, das Bayern-Debüt von Franck Ribéry zu ver­mas­seln. 

Elf Meter ent­fernt stand Oliver Kahn, und natür­lich stand Kahn nicht ein­fach da: Kahn kau­erte. Auf der Linie, vor dem ent­schei­denden Schuss, mög­li­cher­weise. 

So war das am 6. August 2007, einem Mon­tag­abend­spiel live in der ARD. Am Mit­tel­kreis tigerte Ribéry umher, der Frisch­ling, er hatte seinen Ver­such im Elf­me­ter­schießen ver­wan­delt, nachdem Burg­hausen ein 1:1 erreicht hatte im Pokal. Ribéry ist zu diesem Zeit­punkt ein 24- jäh­riger Fran­zose, der gerade für eine Multi-Mil­lionen-Summe aus Mar­seille ver­pflichtet wurde und keine Ahnung hat, was er jetzt in dieser Pro­vinz soll. Der keinen Schimmer davon haben kann, was da noch kommen soll.

Die emp­find­li­chen Egos finden einen Nenner

Es ist der Beginn von etwas Großem, nur ahnt es keiner, nicht einmal Kahn, der Palionis‘ Schuss um den Pfosten brüllt. Bayern ist weiter, Wacker nicht, Ribéry ward nie wieder gesehen in Burg­hausen, er igno­rierte auch die längste Burg der Welt. Muss er selber wissen. 

Rib ist da. Und Rob wird folgen, später. Zusammen werden sie Rib und Rob sein, ein Duo von beträcht­li­cher Explo­si­vität, sie werden zu einer Sym­biose ver­schmelzen, in der Rib nicht ohne Rob kann und umge­kehrt; aller­dings brau­chen sie Zeit, um sich auf­ein­ander ein­zu­lassen. In den frühen Jahren gibt es Zank und Eifer­sucht wie in einer Daily Soap, und im April 2012 glaubt Rob, dass es zu viel ist. 

Rob heißt eigent­lich Arjen Robben und möchte einen Frei­stoß schießen im Cham­pions-League-Halb­fi­nale des FC Bayern gegen Real Madrid. Ribéry meldet Ein­wände an, erst verbal, dann, in der Kabine: nicht verbal. Tage danach schim­mert Rob­bens Auge vio­lett. Ich dachte, das geht nicht, ich kann nicht mehr mit ihm spielen“, wird der Nie­der­länder sagen, als die Sache ver­jährt ist. Ribéry und Robben spre­chen, sie finden einen Nenner, der allen hilft, ihren emp­find­li­chen Egos, spe­ziell dem Verein. 

So funk­tio­niert es

Im Sommer 2012 holt der FC Bayern ein Vize-Triple, das in keiner Vitrine unter­kommt. Ribéry und Robben nähern sich der 30, haben keinen Cham­pions-League-Pokal in der Vita und erkennen, dass eine Kar­riere end­lich ist. Sie kre­ieren ein Leit­motiv, Ribéry for­mu­liert es: Es ist egal, wer das Tor macht. Hier ist nicht der FC Ribéry oder der FC Robben.“ 

Beide bewahren sich ihren Frei­geist, ihre Extra­va­ganz und die ein oder andere Zickig­keit (etwa, als Ribéry dem Bayern-Trainer Carlo Ance­lotti sein Trikot vor die Füße pfef­fert), begreifen aber, dass sie Stars in der Manege sind – und nicht Zir­kus­di­rek­toren. So funk­tio­niert es. Schade, dass wir am Anfang keine so guten Freunde waren. Heute sind wir rich­tige Kumpel“, sagt Ribéry.