Jos Luhukay, wie spricht man Ihren Vor­namen richtig aus: Jos“ oder Jooos“?
Jos“, aber ich sehe das nicht so eng.

Sie stammen aus der nie­der­län­di­schen Klein­stadt Venlo. Große Städte haben Sie lange gemieden, selbst Ams­terdam kennen Sie laut eigener Aus­sage kaum. Wie geht es Ihnen in Berlin?
Hier ist alles sehr groß, sehr hoch, sehr massig. Drei­ein­halb Mil­lionen Ein­wohner, dazu die Tou­risten. Da bin ich froh, wenn ich ein bis zwei Mal im Monat zu Hause bin und das Tempo dros­sele. In Venlo kann ich richtig durch­atmen.

Sie wohnen immer noch im Hotel.
Es ist eher ein Apart­ment, in dem ich mich häus­lich ein­ge­richtet habe. Dort schlafe und früh­stücke ich, dann fahre ich zur Arbeit. Des­halb kenne ich von Berlin kaum mehr als den Weg von dort zum Trai­nings­platz.

Das heißt, Sie sind der klas­si­sche Fuß­ball­nerd, der weder das Bran­den­burger Tor besucht hat, geschweige denn weiß, wo der Gör­litzer Park liegt.
Ich bin hier 2012 ange­treten, um den Wie­der­auf­stieg zu bewerk­stel­ligen. Da habe ich die ganze Energie rein­ge­steckt. Und nun ver­langen uns die Her­aus­for­de­rungen der Bun­des­liga wieder alles ab. Es soll nicht arro­gant klingen, aber da fehlt mir schlicht die Ruhe, um Sight­seeing zu machen.

Haben Sie keine Sehn­sucht, mehr über diese Stadt zu wissen?
Wissen Sie, ich lebe nahe der Hertha-Geschäfts­stelle. Ich ver­bringe hier jeden Tag min­des­tens zehn Stunden. Fuß­ball ist mein Leben, ich bin bereit, alles in ihn zu inves­tieren. Viel­leicht ändert sich diese Ein­stel­lung, wenn ich ein paar Jahre hier gear­beitet habe.

War das schon immer so?
In Augs­burg lag neben meinem Apart­ment ein netter Park, wo ich joggen gehen konnte. Der Park lag wie­derum nahe am Trai­nings­platz. In Augs­burg habe ich also immerhin einen Park ken­nen­ge­lernt. (Lacht)

Die typi­sche Ber­liner Men­ta­lität kennen Sie also auch noch nicht?
Egal, wo ich auf­tauche, ich werde ständig auf Hertha BSC ange­spro­chen. Da ist mir schon auf­ge­fallen, dass der Ber­liner ziem­lich direkt und auch mal hart sein kann. Aber ich mag das. Ich war als Spieler zwei Jahre in Rot­terdam, dort sind die Men­schen ähn­lich.

Schon mal von Senio­rinnen Schätz­chen“ genannt worden?
Hier kommt öfter eine ältere Dame vorbei, die Süßig­keiten dabei hat, von denen Sie mir immer anbietet. Und die spricht mich tat­säch­lich so an.

Auch Hertha-Prä­si­dent Werner Gegen­bauer besitzt den Charme des alten West­ber­lins.
Das stimmt, der Prä­si­dent hat eine gute Aus­strah­lung und ich finde, unsere Zusam­men­ar­beit klappt prima.

Ihr Ver­hältnis zum Augs­burger Prä­si­denten Walter Seinsch war irgend­wann so zer­rüttet, dass Sie von sich aus den Klub ver­ließen, obwohl Sie mit dem FC Augs­burg so viel erreicht hatten. Können Sie zu Funk­tio­nären noch Ver­trauen ent­wi­ckeln?
Natür­lich ist es schwer, Ver­trauen zu ent­wi­ckeln, aber je länger ich irgendwo arbeite, desto mehr zwi­schen­mensch­liche Kon­takte gibt es. Ich bemühe mich, kom­mu­ni­kativ und gera­deaus auf alle Leute zuzu­gehen. Und ich ver­suche, ehr­lich zu sein. Jeder Prä­si­dent nimmt Erfolge und Miss­erfolge anders wahr – das respek­tiere ich. Nur muss er mir auch meine Sicht auf die Dinge zuge­stehen.

Ein guter Freund von Ihnen soll, als er von Ihrem Berlin-Enga­ge­ment hörte, gesagt haben: Jos, du bist bekloppt!“
Das stimmt. Es bezog sich darauf, dass ich nach dem Rück­tritt in Augs­burg wieder in die zweite Liga wech­selte. Er hielt es für einen Rück­schritt, zumal Hertha zuvor drei Trainer in einer Saison gehabt hatte. Und die Außen­dar­stel­lung für diese Trainer war auch nicht beson­ders glück­lich.

Der Freund hatte also nicht ganz unrecht.
Wenn ich mich für etwas ent­scheide, kann ich sehr stur sein. Und ich kann nur sagen, dass ich beim Prä­si­denten und beim Manager von Anfang an ein sehr gutes Gefühl hatte. Und in diesem Gefühl bin ich bis jetzt nicht ent­täuscht worden.

Wie müssen wir uns Ihre Stur­heit vor­stellen? Han­deln Sie solche Bedenken in einem Tele­fonat kurz ab oder dis­ku­tieren Sie näch­te­lang mit den Freunden?
Sie können mir glauben, ich habe nach der Ent­schei­dung für Hertha einige Anrufe aus dem Freundes- und Fami­li­en­kreis bekommen, die meis­tens anfingen mit Wie kannst du nur ..?“ Aber meine Ent­schei­dung stand fest – und dann gibt es da nicht mehr viel zu reden.

Haben Sie vor der Zusage in Berlin mit Ihrem alten Freund und För­derer Fried­helm Funkel gespro­chen?
Ich habe mit Fried­helm gespro­chen und auch mit Huub Ste­vens – und beide waren voll des Lobes bezüg­lich Herrn Gegen­bauer und Michael. Beide haben mir zuge­raten, obwohl sie unab­hängig von­ein­ander auch die wohl pro­ble­ma­tischste Zeit ihrer Trai­ner­lauf­bahn in Berlin erlebt haben. Das hatte aller­dings nicht mit Prä­si­dent oder Manager zu tun.

Son­dern?
Mit der Medi­en­land­schaft. Sie meinten, die Tur­bu­lenzen, die in Berlin auf­treten können, wenn gewisse Erfolge aus­bleiben, machen es einem Trainer sehr schwer, sich auf die Arbeit zu kon­zen­trieren. Und wie Sie wissen, haben die beiden in ihrer Lauf­bahn schon viel erlebt.

Fürchten Sie sich vor diesem Medien-Tsu­nami? Schließ­lich wird es nach dem Auf­stieg deut­lich schwerer für Hertha BSC.
Das kann ich nur auf mich zukommen lassen. Ich denke jeden­falls nicht dar­über nach, was pas­siert, wenn wir drei Mal in Folge ver­lieren. In zwanzig Jahren im Trai­ner­ge­schäft habe ich gelernt, dass es schnell auch wieder in die ent­ge­gen­ge­setzte Rich­tung gehen kann. Um es kurz zu machen: Ich hoffe, dass wir die Tur­bu­lenzen, die Sie mit einem Wort beschreiben, das ich jetzt nicht wie­der­holen will, gar nicht bekommen.

Kaum ein Trainer ist öfter in die Bun­des­liga auf­ge­stiegen als Sie. Was müssen Sie tun, um nicht wieder abzu­steigen?
Der Verein hat viele rich­tige Schritte in Rich­tung Serio­sität und Kon­ti­nuität schon gemacht. Wir haben mit unserem Haupt­sponsor ver­län­gert, wich­tige neue Spieler ver­pflichtet, Leis­tungs­träger haben ver­län­gert und mein Trai­ner­team bleibt zumin­dest noch für drei wei­tere Jahre. Das gesamte Pro­jekt ist auf Nach­hal­tig­keit und Sta­bi­lität aus­ge­richtet. In dieser Hin­sicht spricht nichts dagegen, dass wir uns in der Bun­des­liga eta­blieren.

Ein nettes Kom­pli­ment an Ihren Manager, aber wir wollten wissen, was Sie mit den Spie­lern machen, damit denen im Ober­haus nicht die Muffe geht.
Die müssen den Schalter umlegen. Im letzten Jahr schafften es einige am Anfang nicht, sich auf die Gepflo­gen­heiten in der zweiten Liga ein­zu­lassen. Aber wir haben eine sehr gute Mischung im Kader, es gibt einige uner­fah­rene Spieler und in allen Mann­schafts­teilen auch Profis mit viel Erst­li­ga­er­fah­rung. Ich muss also nur dafür sorgen, dass wir wieder als Team auf­treten.

Sie hatten im letzten Jahr nach dem zweiten Sai­son­spiel beim FSV Frank­furt bei der Pres­se­kon­fe­renz einen Wut­aus­bruch. Sie sagten: Viele bei Hertha meinen, sie seien groß und haben einen großen Namen. Aber das sind sie nicht.“ Ein geplanter Weckruf?
So was plane ich nicht. Es resul­tierte aus dem, was ich gesehen hatte. Da hatten einige den Schalter eben noch nicht umge­legt. Mir passte die Ein­stel­lung nicht, denn wir waren die bes­sere Mann­schaft. An dem Tag schlug Men­ta­lität die Qua­lität. Nach dem Spiel hatte ich in der Kabine das­selbe schon zur Mann­schaft gesagt. Auf dem Weg zur Pres­se­kon­fe­renz aber merkte ich, dass der Frust noch nicht abge­baut war.

Sie fahren selten öffent­lich aus der Haut. Wie fühlten Sie sich nach Ihrer Wut­rede“?
Nach dem Aus­bruch war es sehr still. Wir mussten auf dem Flug­hafen in Frank­furt noch lange warten. In den Stunden war ich in mich gekehrt und musste alles erst mal sor­tieren. Ich war auch sauer auf mich selbst, dass ich so aus­ge­rastet war. Schließ­lich wusste ich, dass sich im Umfeld einige fragen würden, ob der Aus­bruch nicht viel zu früh in der Saison gekommen war. Ande­rer­seits stand ich emo­tional voll und ganz hinter der Geschichte. Und ich bin, wie ich bin. Eigent­lich sehr bedacht und ruhig, aber wenn es um die Sache geht, kann ich auch sehr klar und kon­se­quent sein.

Hat sich Ihr Freund, der Sie vor Berlin gewarnt hatte, an dem Abend gemeldet?
Da haben einige ange­rufen, weil sie diese Aus­brüche von mir so nicht kannten. Aber noch mal: Ich war in der Situa­tion voll und ganz ich selbst. Auch wenn diese Seite nur selten öffent­lich zutage tritt.

Auch ein Beweis für Ihre Fuß­ball­ver­rückt­heit. Sie sind so ehr­geizig, dass es in Extrem­si­tua­tionen zur Blo­ckade kommen kann.
Das war keine Blo­ckade. Aber Sie haben recht, mein Antrieb ist enorm, ich bin so fokus­siert, ich nehme jedes Trai­ning, jedes Spiel unglaub­lich ernst. Und wenn ich das Gefühl habe, andere legen diese Ernst­haftigkeit nicht an den Tag, kann ich so reagieren.

Im Herbst haben Sie gesagt: Jetzt wird es schwer, uns zu schlagen.“ Und die Mann­schaft blieb 21 Spiele in Folge ohne Nie­der­lage. Haben Sie sehe­ri­sche Kräfte?
Ich war über­zeugt von der Mann­schaft. Die Vor­be­rei­tung war nicht optimal gelaufen, das Team war erst andert­halb Wochen vor Sai­son­start kom­plett. Nor­ma­ler­weise braucht es dann zwei bis drei Monate, bis alles optimal läuft. Über­ra­schen­der­weise waren wir schon nach dem zweiten Spieltag soweit. Das hatte ich nicht vor­aus­ge­sehen, aber dass wir unter den Vor­aus­set­zungen schwer zu schlagen sein würden, das wusste ich.

Können Sie also vor­aus­sagen, ob Hertha BSC am Ende der Saison 2013/14 die Klasse halten wird?
Davon gehe ich aus.

Im Zwei­fels­fall schmeißen Sie auch hin. Ihre Enga­ge­ments in Pader­born und Augs­burg haben Sie vor­zeitig beendet. Ohn­machts­mo­mente?
Es waren unter­schied­liche Situa­tionen. In Pader­born waren wir der beste Auf­steiger, in Augs­burg haben wir über drei Jahre eine Erfolgs­ge­schichte geschrieben. Ich habe in meinen 20 Jahren als Trainer viele Ent­schei­dungen getroffen, die für Außen­ste­hende über­ra­schend gewesen sein mögen, aber sie waren stets gut über­legt.

Zwei­feln Sie nie?
Nein. Wenn ich eine Ent­schei­dung treffe, dann stehe ich dahinter.

In Augs­burg haben Sie drei Spieler vor einer sai­son­ent­schei­denden Partie aus dem Kader gestri­chen, weil diese zu spät zum Früh­stück kamen. Das hätte schief­gehen können.
Es gibt aber Regeln, an die sich jeder halten muss. Und da schaue ich nicht danach, ob er alt oder jung ist oder ob er zur ersten Elf gehört oder nicht.

Zu Ihrer Zeit als Co-Trainer beim 1. FC Köln sollen Sie nach Wut­aus­brü­chen von Huub Ste­vens die Wogen geglättet haben. Liegt Ihnen die Rolle des Good Cop besser?
Ich beherr­sche beide Rollen. Ich hoffe aber, dass ich in dieser Saison nicht hart durch­greifen muss. Doch das Trainerleben ist kein Wunsch­kon­zert. Viele Pro­bleme kann ich vorher anspre­chen, das heißt aber nicht immer, dass sie aus der Welt sind.

Michael Preetz taucht Tage vor jedem Pflicht­spiel in eine Art emo­tio­nalen Tunnel ab. Ist das bei Ihnen ähn­lich? Schweigen Sie sich dann gemeinsam in Ihrem Ehr­geiz an?
(Lacht) Nein, ich darf drei Tage vor dem Spiel gar nicht in den Tunnel abtau­chen, schließ­lich muss ich in der Phase die Spieler errei­chen. Ehr­lich gesagt ist mir aber noch gar nicht auf­ge­fallen, dass Michael vor Spielen abtaucht.

Ihr Vor­gänger Markus Babbel ließ sich als Trainer bei Hertha BSC das Klub­wappen als Tattoo ste­chen. Geht Ihnen der Klub auch irgendwie unter die Haut?
Ich liebe den Fuß­ball und Hertha ist mir sehr wichtig, aber dafür braucht es kein Bekenntnis auf meiner Haut. Ich werde mir jeden­falls nie ein Tattoo ste­chen lassen. Weder von Hertha noch von irgendwas anderem.

Sie sind ein eher sach­li­cher Typ, Hertha-Manager Preetz auch. Eint Sie das oder führt diese Gemein­sam­keit intern gerade zu hit­zigen Dis­kus­sionen?
Wir har­mo­nieren gut mit­ein­ander. Das letzte Jahr hat uns viel Freude gebracht. Und nach dem Auf­stieg stellte sich bei uns beiden auch Genug­tuung ein. Aber wir sind beide Profi genug, um zu wissen, dass nun alles wieder von vorne los­geht. Nach dem Auf­stieg haben wir uns also schnell wieder auf die neuen Auf­gaben kon­zen­triert.

Gibt es keine Momente, die Sie in vollen Zügen genießen können?
Eigent­lich nicht. Meine Frau sagt immer: Jos, du musst das mal genießen.“ Aber ich kann nicht, das muss ich offenbar noch lernen.

Woran liegt das?
Viel­leicht bin ich zu seriös, zu aske­tisch. Ich trinke keinen Alkohol, ich rauche nicht, ich tanze nicht. Es gibt stille Momente, in denen ich mich zwar freue, aber trotzdem an die nächste Auf­gabe denke. Genießen ist schwer – das werde ich wohl erst können, wenn meine Trai­ner­lauf­bahn vorbei ist. Dieses Geschäft ist so schnell, die ganze Energie geht für Fuß­ball drauf.

Beschreiben Sie mal Ihr Gefühl von Glück.
Das emp­finde ich an kleinen Dingen. Wenn ich im Trai­ning sehe, wie sich ein Spieler wei­ter­ent­wi­ckelt, dann blüht mein Herz auf. Wenn ich sehe, wie die Mann­schaft etwas umsetzt, ver­spüre ich Freude. Für mich ist es schön zu sehen, wie sich ein Kader von 18 Jungs in fünf Wochen Sai­son­vor­be­rei­tung ent­wi­ckelt.

1989 gehörten Sie der soge­nannten Kleurijk Elftal“ an, einer Aus­wahl von nie­der­län­di­schen Spie­lern mit suri­na­mi­schen Wur­zeln. Die Mann­schaft ging damals auf Welt­tournee, doch das Flug­zeug mit den Spie­lern stürzte ab. Sie konnten nicht mit, weil Sie noch ein Pflicht­spiel mit Venlo zu bestreiten hatten. Hat dieses Ereignis Ihre Ein­stel­lung zum Leben ver­än­dert?
Natür­lich hat mich das noch lange beschäf­tigt. Ich war damals 25, ein junger Mensch. Bei dem Absturz starb ein Mit­spieler, mit dem ich sehr engen Kon­takt hatte. Auch er war noch so jung. Was hätte er in seinem Leben noch alles errei­chen können?

Ein Bruch in Ihrer Bio­grafie?
Natür­lich war es ein Schick­sals­schlag, der mir bewusst­machte, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Aber hat es mich ver­än­dert? Im nor­malen Alltag mache ich mir das nicht klar. Da sind wir wieder beim Thema: Ich genieße das Leben zu wenig, weil der Fuß­ball immer im Vor­der­grund steht. Und ich hatte nicht nur damals, son­dern häu­figer in meinem Leben unglaub­li­ches Glück.

Was meinen Sie?
Ich hatte bereits zwei schwere Auto­un­fälle. Einmal war mein Wagen Total­schaden, beim anderen Mal bin ich gerade noch so raus­ge­kommen. Da fragt man sich schon, wer den Lauf der Dinge beein­flusst? Der Mensch ist in sol­chen Augen­bli­cken kom­plett machtlos.

Wie sind die Unfälle pas­siert?
Ich war Trainer in Pader­born und fuhr in der Nähe von Duis­burg auf der Auto­bahn. An einer Bau­stelle ver­engte sich die Fahr­bahn. Neben mir fuhr ein tsche­chi­scher Last­wagen, der plötz­lich auf meine Spur zog. Ich wich ihm aus und schleu­derte in die Leit­planke. Der zweite Unfall ereig­nete sich zu meiner Zeit in Köln, da habe ich mich mit dem Fahr­zeug kom­plett über­schlagen. Dieses Bild hat sich in meinem Kopf fest­ge­setzt.

Hatten Sie Schwie­rig­keiten, sich wieder hin­ters Steuer zu setzen?
Ich habe zumin­dest gezit­tert, als ich am dar­auf­fol­genden Tag wieder ins Auto stieg.

Sie sind also ohne Unter­bre­chung gleich wieder gefahren?
Das Leben geht nun mal weiter. Es gab auch in meiner Familie Schick­sals­schläge. So unge­wöhn­lich das klingen mag, aber durch nega­tive Erfah­rungen wird man auch stärker. Nie­mand wünscht sich Rück­schläge oder Unglücks­fälle zu erleben, aber auch daraus zieht man Kraft.

Neigen Sie dazu, rasant Auto zu fahren?
Im Gegen­teil. Ich fahre seit 32 Jahren so ruhig, dass manche Kol­legen spotten: Jos, du fährst, als hät­test du einen Wohn­wagen hinten dran.“

Was ins Kli­schee des Hol­län­ders passt. Dabei sollen Sie angeb­lich schon kurz davor gestanden haben, das deut­sche Natio­nal­trikot über­ziehen zu müssen …
(Lacht) Spielen Sie auf die Wette an, die wir im Augs­burger Trai­ner­team bei der WM 2010 hatten?

Stimmt. Was war da los?
Rob Ree­kers und ich setzten darauf, dass Hol­land im Tur­nier weiter als Deutsch­land kommt. Die Ver­lierer mussten eine Woche lang das Trikot der anderen Nation anziehen. Auch Manager Andreas Rettig hielt sich für schlau genug, mit­zu­ma­chen. Hol­land kam ins Finale, Deutsch­land nicht. Also haben die Kol­legen eine Woche rund um die Uhr das Oranje-Trikot getragen. Und Andreas Rettig musste zusätz­lich eine Wand in seinem Büro mit der hol­län­di­schen Flagge bemalen.

Jos Luhukay, haben Sie einen Kar­rie­re­plan? Träumen Sie eher davon, bei einem Klub eine Ära zu begründen oder wollen Sie mög­lichst viele Titel ein­heimsen?
Ich bin ein sehr rea­lis­ti­scher Mensch. Ich habe nie dar­über nach­ge­dacht, dass ich an einer bestimmten Stelle in meinem Leben einen Titel gewinnen oder in der Bun­des­liga als Trainer arbeiten muss. Statt­dessen habe ich mich zu 100 Pro­zent – egal, wo ich war, – in die Arbeit gestürzt. Gedanken daran, was danach kommt, habe ich nie ent­wi­ckelt. Dafür hat mir die Arbeit stets viel zu viel Spaß gemacht.

Das heißt, theo­re­tisch könnten Sie sich durchaus vor­stellen, so was wie der Thomas Schaaf von Hertha BSC zu werden?
Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Thomas, aber es ist im modernen Fuß­ball die Aus­nahme, dass ein Trainer so lange bei einem Klub bleibt. Ich habe meinen Ver­trag um drei Jahre ver­län­gert, dar­über hinaus schaue ich nicht. Alles andere hängt von der wirt­schaft­li­chen Situa­tion, vom Umfeld ab – und natür­lich vom Erfolg.