Seite 3: Keine Gespräche über Vereinsfußball

Trinken, vor­nehm­lich in rauen Mengen, ist bei der Tartan Army gern gesehen. Unter­wegs über Ver­eins­fuß­ball zu spre­chen ist jedoch uner­wünscht, das ist die unge­schrie­bene Regel. Aber was gäbe es da auch zu erzählen? Die meisten Mit­glieder der Tartan Army sind eher Fans klei­nerer Ver­eine, wie auch hier im Iron Horse Pub: Par­tick Thistle, Cly­de­bank oder East Stir­ling. Aber auch die grö­ßeren Klubs in Schott­land sind inter­na­tional nicht richtig kon­kur­renz­fähig. Klar, Celtic hat es in den letzten Jahren immer wieder mal in die Cham­pions League geschafft und einmal sogar den FC Bar­ce­lona geschlagen. Die Ran­gers hin­gegen sind nach ihrer Pleite immer noch auf dem Weg zurück in die Scot­tish Pre­mier League, gerade haben sie den Auf­stieg in die Liga dar­unter geschafft. Aber Brian Roy hat gerade zusehen müssen, wie sein FC Mother­well in der zweiten Qua­lirunde zur Europa League gegen einen Vor­ort­verein aus Islands Haupt­stadt Reykjavik aus­ge­schieden ist.

Gelächter über die Ära Vogts

Wir werden mit eng­li­schem Fuß­ball zwangs­er­nährt“, sagt John Daley. Es sei leichter, ein Spiel der zweit­klas­sigen eng­li­schen Cham­pionship im Fern­sehen zu sehen als eines der höchsten Spiel­klasse in Schott­land. Die Krise der Klubs schlägt sich lange schon bei der Natio­nal­mann­schaft nieder, denn zum letzten Mal war sie 1998 bei einem großen inter­na­tio­nalen Tur­nier dabei.

Jeder hier kann sich auch an jene Tage erin­nern, an denen der Ent­schluss eigent­lich fest­stand, dass es reicht mit dem schot­ti­schen Team. Ein Stöhnen geht durch den Raum, jeder hat da sein beson­deres Frus­t­er­lebnis. Die stän­digen Nie­der­lagen in Wales, der tor­lose Grot­ten­kick in Weiß­russ­land, ein 0:4 in Nor­wegen. Das 1:5 in Jacksonville/​Florida gegen die USA, auf das sich die schot­ti­schen Spieler haupt­säch­lich auf dem Golf­platz vor­be­rei­teten. Oder ein Freund­schafts­spiel gegen Japan in Yoko­hama, bei dem selbst ein­ge­fleischte Fans zwei Drittel der Spieler nicht kannten. Als ein Mit­ar­beiter des schot­ti­schen Fuß­ball­ver­bandes einen nach­no­mi­nierten Spieler am Flug­hafen abholte, musste er ein Foto mit­nehmen, um ihn zu er­kennen. Naja, und die ganze Ära Berti Vogts als Natio­nal­trainer, die von 2002 bis 2004 dau­erte, löst sowieso nur Gelächter aus.

Tartan army 11freunde LOW RES 5183

Auf Reisen immer mit der rich­tigen Kopf­be­de­ckung

Ormerod

Man kommt an einen Punkt, wo man trotzdem ein­fach weiter zu den Spielen fährt“, sagt Dougie Wotherspoon, den seine Schott­land-Begeis­te­rung schon zwei Ehen gekostet hat. Selbst bei Reisen in Länder wie Litauen ist die Tartan Army immer noch 3000 Mann stark. Früher hat man gesagt, dass man sich zur Armee melden muss, wenn man die Welt sehen will. Heute schließt man sich der Tartan Army an“, sagt Jim Brown.

Neben den legendär alko­hol­ge­schwän­gerten Feiern und der Kame­rad­schaft sind es vor allem die Reisen in Länder, in die man sonst nicht kommen würde. Früher waren diese Fahrten zudem hel­den­haft aus­ge­hal­tene Stra­pazen, wie 1993 der erste Trip nach Est­land per Bus, der hin und zurück eine Woche dau­erte. Heute geht es eher mit dem Flug­zeug los, trotzdem kommen genug ver­rückte Anek­doten aus selt­samen Orten zusammen. In der mol­da­wi­schen Haupt­stadt Chi­sinau etwa hatte Jim Brown eine Woh­nung für fünf Leute gemietet. Als er den Ver­mieter fragte, ob er irgendwo noch Platz für wei­tere fünf Leute hätte, ging der zum Nach­bar­haus, klopfte an, ver­teilte ein paar Dollar und sagte dann: Hier ist Ihr Apart­ment“.