Es gibt Momente im Leben, da wäre man gerne ein Fussel im Bauch­nabel eines anderen Mannes. Ein über­durch­schnitt­lich intel­li­genter Fussel natür­lich, einer, der hören und sehen und denken kann, aber eben trotzdem nur ein Fussel. Ein Fussel, dem nie­mand Beach­tung schenkt. Denn so bekäme man Dinge mit, die eigent­lich für nie­mand anderen bestimmt wären als für den Bauch­na­bel­be­sitzer. Was in man­chen Momenten groß­artig wäre. Zum Bei­spiel in dem Moment, in dem Dome­nico Tedesco Bene­dikt Höwedes mit­teilte, dass der nicht sein Kapitän auf Schalke sein würde.

Man hätte es sich grade so richtig schön gemüt­lich gemacht im Bauch­nabel des Natio­nal­spie­lers, ohne große Erwar­tungen an die nächsten Stunden, was will man als Fussel auch erwarten? Und dann, dann wäre man auf­ge­schreckt! Nicht mehr Kapitän? Bitte was? BITTE WAS???

Man hätte die genaue Wort­wahl des jungen Trai­ners ana­ly­sieren können und man würde jetzt wissen, ob Tedesco den dienst­äl­testen Spieler im Kader wirk­lich hat absägen wollen. Man würde nicht im Trüben fischen wie alle anderen, man könnte sich eine fun­dierte Mei­nung zutrauen. Nie­mand würde einem Glauben schenken, man wäre ja nur ein Fussel, doch man würde abends, in irgend­einem anderen Bauch­nabel, in Ruhe und ohne die quä­lenden Fragen an den Fuß­ball­gott ein­schlum­mern.

Knapp drei Wochen haben gereicht

Doch wir waren nie Fussel im Bauch­nabel von Bene­dikt Höwedes. Und so ver­kleben die quä­lenden Fragen an den Fuß­ball­gott langsam unser Hirn. Warum will Tedesco den Welt­meister nicht? Warum lässt der Verein die größte Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur des letzten Jahr­zehnts ziehen? Ist sich Höwedes wirk­lich zu eitel für den Kon­kur­renz­kampf? Und wie soll er dann bei einem viel stär­keren Klub bestehen?

Wir wissen es doch auch nicht. Wir wissen nur, dass dieser Transfer irgendwie falsch ist. In Zeiten, in denen Spieler öfter den Verein wech­seln als Uli Hoeneß auf Jah­res­haupt­ver­samm­lungen die Gesichts­farbe, war Höwedes der grät­schende Beweis dafür, dass es auch anders geht. Dass es noch Spieler gibt, die inter­es­siert, wel­cher Verein ihnen die Kohle über­weist. Und dass auch anno 2017 noch Sym­biosen zwi­schen Klubs, Fans und Spie­lern exis­tieren, die über das rein Pla­to­ni­sche hinaus gehen. Knapp drei Wochen haben gereicht, um diese Wunsch­vor­stel­lungen zu zer­brö­seln.