Herr Woelk, die dies­jäh­rige Meis­ter­feier auf dem Rasen des Gott­lieb-Daimler-Sta­dion war ein per­fekt insze­niertes Medi­en­er­eignis. Erkennen Sie ihre Bun­des­liga aus den 80er Jahren eigent­lich noch wieder?

Nein. Man schaue sich allein dieses rie­sige Kon­fetti-Meer und die vielen Fahnen und Schals drum herum an, das ist ein Auf­wand, der zu meiner Zeit gar nicht betrieben wurde. Der ganze Bereich des Mer­chan­di­sings hat in den letzten Jahren stark zuge­nommen. In gewisser Weise wollen die Fans diesen Kom­merz ja selbst sehen.



Welche Rolle spielen die Fans heute über­haupt?

Vor allem auf den Schieds­richter haben die Fans heute einen viel grö­ßeren Ein­fluss als zu meiner Zeit. Beim Spiel Bochum gegen Schalke, das ich live im Sta­dion ver­folgt habe, wurde der Schieds­richter einige Male von den Fans über­stimmt – in Situa­tionen, wo er zunächst gar nicht daran dachte, ein Foul zu pfeifen. Das hat die Spieler natür­lich zu Schwalben ani­miert. Die gingen so oft zu Boden, dass man gar nicht mehr zwi­schen thea­tra­lisch und gerecht­fer­tigt unter­scheiden konnte. Da ist mir klar geworden, dass der Fuß­ball in seiner frü­heren Form nicht mehr durch­führbar ist.

Fehlt dem Fuß­ball das Raue, Ehr­liche der 80er Jahre?
Im Hin­blick auf die Ath­letik der Spieler sicher­lich nicht. Der Sport ist viel dyna­mi­scher geworden. Auch die Härte der Zwei­kämpfe hat sich kaum ver­än­dert. Was sich geän­dert hat, ist die Reak­tion der Gefoulten. In den 80ern haben sich die Spieler nicht dreimal über den Rasen gewälzt, wenn man sie mal gefoult hat. Kevin Keegan vom HSV meinte bei­spiels­weise nur: »Hey, kein Pro­blem, mein Freund. Weiter geht’s.« Ich habe mich ent­schul­digt und die Sache war erle­digt.

Haben Sie eine Idee, wie man diese Men­ta­lität bekämpfen könnte?

Ich habe mal den scherz­haften Vor­schlag gemacht, alle deut­schen Schieds­richter nach Eng­land zu schi­cken und die eng­li­schen Kol­legen zu uns. Inner­halb von einer Saison wäre dann Schluss mit dieser ver­weich­lichten, pro­vo­ka­tiven Art von Spie­lern und Fans. Viel­leicht würden sich die Profis dann wieder auf das Wesent­liche kon­zen­trieren: Zwei­kämpfe gewinnen und den Ball behaupten. Der Fuß­ball in Eng­land ist in dieser Hin­sicht schon einen Schritt weiter. Ein Rooney steht sofort wieder auf, nachdem er gefoult wurde. Bei unseren Spie­lern erkenne ich das nicht.

Anderes Thema: Wel­chen Ein­fluss haben die Medien auf einen Spieler?

Der Ein­fluss ist enorm. Man muss sich nur anschauen, was mit Podolski und Schwein­s­teiger in den letzten Monaten gemacht wurde. Das sind beides Voll­blut­fuß­baller, deren Ent­wick­lung noch viel Zeit braucht. Statt­dessen werden sie von den Medien in den Himmel gehoben. Nicht, dass ich ihnen den großen Erfolg nicht gönnen würde, aber wir hatten damals einige gute Fuß­baller: Rum­me­nigge, Völler oder Mill zum Bei­spiel. Die wurden auch nicht inner­halb von kür­zester Zeit zu Helden gemacht.

Wel­chen Wunsch haben Sie für die Zukunft der Bun­des­liga?

Mich würde es freuen, wenn sich die Spieler ihren Kol­legen gegen­über wieder fairer ver­halten. Die stän­dige Schin­derei von Elf­me­tern und das andau­ernde Rekla­mieren beim Schieds­richter emp­finde ich als Mani­pu­la­tion am Zuschauer. Dem Ruf des deut­schen Fuß­balls täte ein biss­chen mehr Fair­ness auf dem Platz sicher gut.

— — — —

Das neue 11FREUNDE-Heft ist ab dem 31. Mai im Handel erhält­lich.