Herr Vogt, mit dem FC Play­Fair haben Sie eine große Studie zum deut­schen Fuß­ball durch­ge­führt. Vorab: Wer ist der FC Play­Fair?
Wir sind eine Ver­ei­ni­gung von Fans, die sich für den Fuß­ball ein­setzen. Der Verein ent­stand, nachdem ich das Aus­wärts­spiel meines VfB Stutt­garts in Bremen ver­passte, weil dieses erst­mals in der Bun­des­liga auf einen Montag ange­setzt wurde. Durch den Abstieg vom VfB kam es zu wei­teren Mon­tags­spielen. Es hat mich sehr geär­gert, weil wir Fans uns viel gefallen lassen. Ich habe mich gefragt, ob ich damit alleine bin. Ich wollte mit einer Peti­tion eine öffent­liche Ver­hand­lung im Sport­aus­schuss des deut­schen Bun­des­tages errei­chen. Das war jedoch nicht ziel­füh­rend, die Reso­nanz war zu gering. Des­halb haben wir dar­aufhin Inter­views mit 25 Fans geführt. Daraus sind Fragen ent­standen und aus diesen ist dann die groß ange­legte Online-Umfrage in Zusam­men­ar­beit mit kicker​.de“ ent­standen, an der über 17.000 Fans teil­nahmen.

Wel­ches Ergebnis hat Sie am meisten über­rascht?
Mich hat über­rascht, dass sich mehr als die Hälfte der Fans vom Pro­fi­fuß­ball abwenden würden, wenn es mit der Kom­mer­zia­li­sie­rung so wei­ter­geht.

Was sind laut der Studie die größten Pro­bleme im Pro­fi­fuß­ball?
Das größte Pro­blem ist, dass es kein Fair Play im finan­zi­ellen Rahmen gibt. Durch die Cham­pions-League-Gelder gibt es ein­fach zu viel Geld für die immer glei­chen Ver­eine. Von selbst wird sich das nicht refor­mieren, dafür ist das Geschäfts­mo­dell zu ein­ge­fahren. Besser wird es nur, wenn man die Fans auf Dauer ein­bindet.

Über 80% der Befragten sind außerdem nicht der Ansicht, dass der DFB für Trans­pa­renz steht.
Das ist doch Wahn­sinn. Gerade einmal fünf Pro­zent halten den DFB für trans­pa­rent. Da muss sich der DFB als größter Ver­band schon Gedanken machen.

Und auf der anderen Seite treibt die DFL weiter die Inter­na­tio­na­li­sie­rung voran und ent­fernt sich damit offenbar zuse­hend von den Fans.
Genau, 55% der Fans emp­finden die Bun­des­liga mitt­ler­weile zuneh­mend als lang­weilig. DFL-Boss Chris­tian Sei­fert ist ja nicht dumm, der weiß auch, was das für die Ver­mark­tung bedeuten kann.

Welche Lösungs­vor­schläge werden von den Fans befür­wortet?
Wich­tige Punkte betreffen den finan­zi­ellen Rahmen. Das man mal dis­ku­tiert, was es für Mög­lich­keiten gibt, um Spie­ler­ge­hälter oder Trans­fers zu regle­men­tieren.

Aber wie könnte das kon­kret geschehen?

Wir würden gerne anstoßen, dass über den Tel­ler­rand hinaus geschaut wird. Wie machen es andere Sport­arten? Wir haben bei uns einen Schatz­meister dabei, der aus dem Ame­rican Foot­ball kommt. Da gibt es soge­nannte Salary Caps“, also Gehalts­ober­grenzen, für die sich 70 Pro­zent der Fans aus­spre­chen. Ein Patent­re­zept haben wir zwar nicht in der Tasche, aber wir wollen eine Platt­form bieten, damit dis­ku­tiert wird, um eine bes­sere Lösung zu finden.

Und wie könnten sich die Fans Gehör ver­schaffen?
Wir wün­schen uns, dass die Fans im Pro­fi­fuß­ball mehr Mit­sprache bekommen. Bei­spiels­weise mit demo­kra­tisch gewählten Fan­ver­tre­tern in den obersten Ent­schei­dungs- und Kon­troll­gre­mien.

Sind die Fans gespalten?

Es gibt Themen, bei denen ein signi­fi­kant unter­schied­li­ches Ant­wort­ver­halten von Fans von inves­to­ren­ge­lenkten Ver­einen und Fans von klei­neren, ein­ge­tra­genen Ver­einen fest­ge­stellt wurde. Bei der Ver­tei­lung der TV-Gelder zeigen sich die Bayern-Fans gelassen. Geht es um die auf­kom­mende Lan­ge­weile in der Bun­des­liga, stimmten Bayern‑, Leipzig- und Hof­fen­heim-Fans weniger zu, was aber sicher damit zu tun hat, dass deren Clubs zum Zeit­punkt der Abstim­mung um die vor­deren Plätze kämpften. Leipzig‑, Hof­fen­heim- und Wolfs­burg-Fans emp­finden auch die Kom­mer­zia­li­sie­rung als nicht so dras­tisch.