Seite 3: „Lothar hat mir die Stadt gezeigt“

Sie kamen als 19-Jäh­riger zum FC Bayern…

…nachdem ich gerade mal bei Dynamo Dresden ein halbes Jahr in der Bun­des­liga gespielt hatte – ein Wahn­sinn. Natür­lich war ich anfangs zwi­schen all den Stars sehr nervös. Ich habe ver­sucht, viele Dinge auf­zu­nehmen und von den Besten zu lernen. Vor allem Lothar Mat­thäus, Thomas Helmer und Rai­mond Aumann haben sich in der Anfangs­zeit um mich geküm­mert. Lothar hat mir nach dem Trai­ning die Stadt gezeigt oder ist mit mir zum Essen gegangen. Bei Thomas war ich zum Früh­stück ein­ge­laden, damit ich in der Früh nicht alleine dasaß. Und Rai­mond hat sich in der Kabine und auf dem Platz um mich geküm­mert. Es war keine Rund-um-Betreuung – schlafen musste ich schon allein. Aber man hat sich wirk­lich um mich und die anderen Nach­wuchs­spieler wie Didi Hamann und Chris­tian Ner­linger bemüht.

Sie gewannen mit dem FC Bayern Mün­chen unter anderem sieben deut­sche Meis­ter­titel und 2001 die Cham­pions League…

Es war wirk­lich eine sehr coole Zeit – bis auf die beiden letzten Jahre.

Ihnen musste ein gut­ar­tiger Tumor am Unter­schenkel ent­fernt. Danach folgten gleich meh­rere Schien­bein­brüche.

Zuerst ein Ermü­dungs­bruch, dann ein glatter Schien­bein­bruch und am Ende noch ein Rota­ti­ons­bruch. Ich konnte zwei Jahre lang mehr oder weniger nicht spielen. Und trotzdem habe ich die volle Unter­stüt­zung vom Verein bekommen.

Ins­be­son­dere Uli Hoeneß sind Sie sehr dankbar.

Als damals mein Ver­trag beim FC Bayern aus­lief, hat mich Uli ange­rufen und meinte ich soll bei ihm vor­bei­schauen. Also bin ich auf Krü­cken in sein Büro gehum­pelt. Viele hatten gesagt, dass das bei mir nichts mehr wird. Aber Uli fragte mich, ob ich es nochmal pro­bieren will. Ich sagte ja. Und dann hat er einen Ver­trag aus der Schub­lade gezogen. Uli hat mir die Zeit gegeben, mir die not­wen­dige medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung ermög­licht, und so konnte ich später dann nochmal bei RB Salz­burg spielen. Es war eine Art Gegen­leis­tung dafür, dass ich dem FC Bayern jah­re­lang die Treue gehalten hatte. Der Uli ist natür­lich jemand, der pola­ri­siert, aber ich schätze ihn sehr als Mensch.

Zurück zur Gegen­wart: Sollte der FC Bayern das Spiel gegen Ihr Team ver­lieren, läge der Rekord­meister sieben Punkte hinter Glad­bach. Was würde das für den Rekord­meister und was für Borussia Mön­chen­glad­bach bedeuten?

Für uns ist es wichtig, an die Leis­tungen der letzten Spiele anzu­knüpfen und mutig zu sein. Unsere Fans sollen nach dem Spiel mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass die Jungs auf dem Platz alles gegeben haben. Dass wir der­zeit ganz oben stehen, dahinter steckt harte Arbeit. Da müssen wir wei­ter­ma­chen. Es darf keine Zufrie­den­heit auf­kommen. So ein Lauf kann auch schnell mal vorbei sein.