Das Meckern ist dem Kölner ein Wohl­klang, jeden­falls dann, wenn er FC-Fan ist. Wenn in der Liga irgendwo ein Tor fällt, erklingt in den meisten Sta­dien ein Glöck­chen oder eine Fan­fare. In Köln wird zweimal kurz geme­ckert – eine Ver­beu­gung vor dem hei­mi­schen Mas­kott­chen, dem Geiß­bock Hennes.



Dies ist auch der Ton, den die meisten Anhänger auf ihren Handys als Klin­gelton gespei­chert haben, und so meckert es unent­wegt in den Bussen und Bahnen, die tau­sende Kölner zum Einzug ins Halb­fi­nale des DFB-Pokals zum Zweit­li­gisten FC Augs­burg chauf­fierten. Unter­wegs wurden die besten Adressen zum Über­nachten in Berlin gehan­delt, denn nach dem Halb­fi­nale kommt bekannt­lich das Finale und dann der Euro­pa­pokal, des­wegen wurden natür­lich auch Wetten dar­über abge­schlossen, wie das Spiel gegen Chelsea aus­geht.

Nun, bis dahin ist noch viel Zeit; im Vier­tel­fi­nale hatten einige Kölner Spieler zu viel geme­ckert, jeden­falls für den Geschmack von Schieds­richter Thorsten Kin­höfer.

Kin­höfer kommt aus Herne, da mag man das Meckern nicht so gerne. Aber auch Bei­fall klat­schen oder ein nach oben zei­gender Daumen kommen dort nicht so gut an, und ein erho­bener Arm schon gar nicht. Des­halb mussten Podolski und Petit vom Platz; sie hätten es ahnen können. Für Adil Chihi kam das frühe Aus dagegen über­ra­schend. Zweimal hatte ihn sein Augs­burger Gegen­spieler Youssef El-Akchaoui bei seinem Dribb­ling in der 30. Minute schon getreten, doch Chihi rannte ein­fach weiter. Also ver­suchte es El-Akchaoui mit einem Klam­mer­griff, auch das ver­geb­lich; dann sank er erschöpft zu Boden. Klarer Fall für Kin­höfer: Rot für Chihi. 

Am nächsten Tag wollte kein Kölner ernst­haft behaupten, es habe alles nur am Schieds­richter gelegen. Hätte der Bun­des­li­gist irgend­wann weniger als sieben Spieler auf dem Platz gehabt, hätte Kin­höfer früher abpfeifen können. Es wäre für alle Betei­ligten besser gewesen. Aber dafür haben die Kölner dann eben doch noch zu wenig geme­ckert.