Pablo Gil, natür­lich die erste Frage in diesen Zeiten: Wie geht es Ihnen momentan?
Meine Frau und ich sind dankbar, dass wir hier in Deutsch­land sein können, wo wir uns sehr sicher fühlen, die Aus­gangs­sperren nicht so strikt sind wie in Spa­nien und das Virus nicht ganz so extrem zuge­schlagen hat. Mich hat die ganze Geschichte leider voll erwischt: Meine Groß­mutter ist an COVID-19 gestorben und mein Groß­vater wurde gerade positiv getestet. Das Unmensch­lichste ist aller­dings, dass in Spa­nien maximal drei Leute zu Beer­di­gungen kommen dürfen. Mein Vater hat drei Brüder, also durfte einer sich nicht von seiner Mutter ver­ab­schieden. Das alles 2.000 Kilo­meter von Zuhause ent­fernt erleben zu müssen, ist schon heftig.

Und beruf­lich?
Seit dem 11. März bin ich in Kurz­ar­beit, wie so viele andere Men­schen auch. Wie – und ob – die Saison wei­ter­gehen soll, hängt von den Ent­schei­dungen der Regio­nal­ver­bände ab. Seit letzter Woche dürfen wir wieder indi­vi­duell trai­nieren. Meine Frau arbeitet hier in Balingen im Kran­ken­haus und hat momentan natür­lich ordent­lich zu tun. Sie war als Vor­sichts­maß­nahme einen Monat krank­ge­schrieben, aber der Test fiel glück­li­cher­weise negativ aus.

Lang­weilen Sie sich?
Lan­ge­weile kommt bei mir in der Kurz­ar­beit nicht auf. Letz­tens wurden im Kran­ken­haus, in dem meine Frau arbeitet, Helfer in der Apo­theke gesucht. Also habe ich mich als Frei­wil­liger gemeldet und bei der Medi­ka­men­ten­aus­gabe mit­ge­holfen.

Sie sind fuß­bal­le­risch in Alba­cete groß geworden, dem Hei­mat­verein von Andrés Iniesta. Wie waren Ihre Anfänge und wann haben Sie gemerkt, dass es mit dem Pro­fi­sport klappen könnte?
Wir sind nach Alba­cete gezogen, als ich acht Jahre alt war. Damals habe ich nur in der Schule Hal­len­fuß­ball gespielt. Ich bin dann ein­fach mal zu einem Pro­be­trai­ning bei Alba“ gegangen und wurde ange­nommen. Bis zur A‑Jugend habe ich alle Jugend­mann­schaften beim Verein durch­laufen.

Ich habe sehr gern Kon­takt mit Men­schen, aber nicht so gerne in ihrer Rolle als Fuß­baller“

Mit der A‑Jugend gewannen Sie die Copa del Rey und steu­erten beim 2:1‑Sieg im Finale gegen Valencia sogar ein Tor bei – als Innen­ver­tei­diger.
Das war natür­lich ein toller Erfolg und damit fing dann alles an: Kurz darauf wurde ich zur U19-Natio­nal­mann­schaft berufen, obwohl ich davor noch in keiner Aus­wahl gespielt hatte und gehörte zum Kader der U19-EM in Öster­reich.

Wie haben Sie das Tur­nier in Erin­ne­rung?
Ein abso­luter Traum! Ich stand in allen fünf Spielen der End­runde von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Feld und wurde von der Marca zum Ver­tei­diger mit den besten Zukunfts­aus­sichten meines Jahr­gangs gewählt. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass ich noch nie in meinem Leben in der Außen­ver­tei­di­gung gespielt hatte, son­dern immer Innen­ver­tei­diger war. Vor dem ersten EM-Spiel hieß es plötz­lich: Du spielst jetzt rechter Ver­tei­diger. Von daher lief es also nicht wirk­lich schlecht.

Mit Ihnen auf dem Feld standen damals Javi Mar­tínez und Juan Mata. Haben Sie noch Kon­takt zu den Team­kol­legen von damals?
Ich bin da viel­leicht etwas anders als andere in der Branche. Ich habe sehr gern Kon­takt mit Men­schen, aber nicht so gerne in ihrer Rolle als Fuß­baller. Zu Javi Mar­tínez zum Bei­spiel hatte ich keinen Kon­takt mehr, dann gehe ich jetzt nicht ein­fach hin und sage: Javi, was geht denn so? Ich wohne jetzt 200 Kilo­meter von dir ent­fernt, kann ich ein paar Ein­tritts­karten kriegen?“ So etwas habe ich noch nie gemacht. Und dabei muss ich sagen, dass ich beson­ders zu Javi Mar­tínez einen rich­tigen guten Draht hatte wäh­rend des Monats, den wir zusammen ver­bracht haben. Unsere Eltern sind gemeinsam nach Öster­reich gereist und haben den ganzen Monat mit­ein­ander ver­bracht. Trotzdem habe ich jetzt mehr mit den Leuten von damals zu tun, die es im Fuß­ball nicht so weit gebracht haben. Wenn ich Javi noch mal wie­der­sehen würde, würde ich mich aber riesig freuen.