Borussia Dort­mund »schenkte« seinen Fans letztes Jahr eine Fahne. Der 1000qm große Stoff­riese trug das über­di­men­sio­nale Logo des Haupt­spon­sors auf der Brust und wurde aus­ge­rechnet bei »You‚ll never walk alone« vom Sta­di­on­dach fallen gelassen – genau vor der Süd­tri­büne. Drei dont‚s des Ver­eins, die sich die BVB-Fans nicht lange bieten lassen konnten.



Vor der Namens­än­de­rung des West­fa­len­sta­dions betonte die Ver­eins­füh­rung immer wieder aufs Neue, die Süd­tri­büne wer­be­frei bleiben zu lassen. Und dann das! Als Geschenk ver­packt! Der Pro­test wan­derte aus diversen Inter­net­foren zügig ins Sta­dion. Ent­rollte sich das rie­sige »Geschenk« von der Decke, bedankten sich die Fans immer wieder mit einem Pfeif­kon­zert und laut­starken »Die Fahne muss weg«-Rufen bei ihrem Klub. Die Ver­eins­füh­rung reagierte – und ließ die Fahne zumin­dest zu einem anderen Zeit­punkt des Vor­pro­gramms her­unter. Ein Teil­erfolg. Denn der Pro­test rich­tete sich gene­rell gegen das Wer­be­ob­jekt – die Fahne musste weg. Ein von hoch­ran­gigen Mit­glie­dern der Fan­szene ver­fasster Brief an Dr. Müller blieb bis heute unbe­ant­wortet.

Zur neuen Saison ver­län­gerte der BVB vor­zeitig die Ver­träge mit dem Namens­geber des West­fa­len­sta­dions und dem Haupt­sponsor. Der Tor­wart von Borussia Dort­mund läuft mitller­weile sogar schon in den Farben von Evonik auf. Auf einer Pres­se­kon­fe­renz ver­kün­dete der Bun­des­liga-Beauf­tragte des Spon­sors, Lutz Drees­bach, dass es zur neuen Saison auch eine neue Fahne gäbe – schließ­lich sei eine Fahne mit dem alten Trikot nicht rea­li­täts­ge­treu. Hört, hört! War die Fahne nicht eigent­lich ein Geschenk des Ver­eins? Oder war die Fahne tat­säch­lich ein Geschenk eines Geschenk des Haupt­spon­sors?

In den ersten zwei Heim­spielen der lau­fenden Bun­des­li­ga­saison ver­zich­tete der Verein im Vor­pro­gramm nun auf die Fahne, obwohl, klar erkennbar, bereits eine neue instal­liert ist. In meh­reren Gesprächs­runde mit Fan­club-Ver­tre­tern wurde Jürgen Klopp das Miss­fallen des Wer­be­ban­ners vor­ge­tragen. Der neue Trainer machte seinen Ein­fluss auf den noch-Vor­sit­zenden von Evonik gel­tend. Dr. Müller sagte zu dem Thema, dass sich Evonik nicht quer­stellen wolle, wenn es zur Stei­ge­rung der Sym­pa­thie bei­trägt. Aber wieso hat man das nicht bereits in der abge­lau­fenen Saison gemerkt, als bei jedem Heim­spiel eine Viel­zahl von Anhän­gern laut­stark pro­tes­tierten?

Auf der einen Seite ist es äußerst schade, dass unser Haupt­sponsor beim Thema Fahne derart bera­tungs­re­sis­tent scheint, dass erst der Chef­trainer ein­schreiten muss, bevor man sich den Wün­schen der Fans stellt – obwohl diese mehr­fach vor­ge­tragen wurden. Auf der anderen Seite über­wiegt jedoch die Freude, dass die Fahne offenbar end­lich besei­tigt ist, und wir mit Jürgen Klopp einen Trainer gefunden haben, für den wir Fans nicht nur schmü­ckendes Bei­werk auf der Tri­büne, son­dern erheb­li­cher Teil des Ver­eins sind.

Schließen wir das Kapitel mit dem Wunsch auf eine trans­pa­ren­tere Zusam­men­ar­beit mit Evonik in der Zukunft , immerhin erfreut uns das Unter­nehmen mit amü­santen oder selbst­iro­ni­schen Wer­be­an­zeigen und enga­giert sich bei­spiels­weise für das Borus­seum oder die Initia­tive Roter Keil. Es ist also nicht alles schlecht… und die Fahne ist weg.


Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von www​.schwatz​gelb​.de