Seite 3: Berlusconi am Krankenbett

Einmal, als Sonia Lustri ihm in der Garage begeg­nete, lieh sie ihm ihr Auto, einen kleinen Nissan, damit Totti den Mäd­chen­horden vor seiner Haustür uner­kannt ent­kommen konnte. Nach dem Gewinn der Meis­ter­schaft 2001 zog er weg. Heute lebt er in einem dop­pel­stö­ckigen Loft am Stadt­rand, zusammen mit seiner Frau Ilary Blasi und den zwei Kin­dern. Die Hoch­zeit im Jahr 2005 wurde live im Fern­sehen über­tragen, den Erlös spen­deten die Ehe­leute dem lokalen Tier­heim. Keine ganz unpo­pu­läre Ent­schei­dung.

Nähe zum Volk

Tottis Nähe zum Volk hatte auch zur Folge, dass die römi­sche Klinik Villa Stuart im Februar 2006 zu einem Wall­fahrtsort wurde. Vier Monate vor der WM in Deutsch­land hatte sich der Roma-Kapitän nach einem Foul das Waden­bein gebro­chen, sein Ein­satz bei der WM war frag­lich. Der Übel­täter, sein Gegen­spieler Richard Vanigli vom FC Empoli, der den Natio­nal­helden umge­senst hatte, heulte anschlie­ßend hem­mungslos im Pres­se­saal des Olym­pia­sta­dions, gebeugt an einer Säule. Natio­nal­trainer Mar­cello Lippi besuchte Totti anschlie­ßend im Kran­ken­haus und ver­si­cherte ihm, dass er bis zuletzt auf ihn warten werde. Auch Roms Bür­ger­meister Walter Vel­troni und Minis­ter­prä­si­dent Silvio Ber­lus­coni pil­gerten an sein Kran­ken­bett.

Spa­zier­gang auf der Via del Corso

Tottis Popu­la­rität hat seinen Alltag umge­krem­pelt. Geht er ins Kino, betritt er erst dann den Saal, wenn der Film schon ange­fangen hat und er im Dunkel uner­kannt bleiben kann. Seine Freunde berichten, dass er sehn­süchtig hinter seinen ver­dun­kelten Auto­scheiben her­vor­blicke, wenn er durch das Zen­trum der Stadt fährt. Weil er Men­schen­auf­läufe und ein Ver­kehrs­chaos aus­löst, kann er sich einen nor­malen Stadt­bummel nicht mehr erlauben. Einer seiner größten Wün­sche sei es, auf der Via del Corso spa­zieren zu gehen. In die Kirche geht er auch nicht mehr. Es ist ihm pein­lich, wenn die Leute ihn wäh­rend der Messe um Auto­gramme bitten.

In der Bar Lustri gehen die Lot­to­scheine wie warme Sem­meln über den Laden­tisch. Andrea kommt auch schon seit Jahr­zehnten her. Er hat sich fünf Scheine gekauft und nichts gewonnen. Mit Totti hat der Lazio-Fan nicht sehr viel gemein, außer dass der ihn früher einmal in die Kühl­truhe des Lokals geworfen hat. Weil ich ihn wegen eines ver­schos­senen Elf­me­ters ver­arscht habe“, sagt Andrea. Wenn die Roma ver­liert, sei er nun mal glück­lich. Aber dann ent­fährt ihm mit leicht resi­gnierter Stimme ein viel­sa­gender Satz: Er hätte der Kapitän von Lazio sein können“, seufzt Andrea. Es ist das größte denk­bare Kom­pli­ment für Totti in Rom.