Seite 2: Elfmeter, Schotter, Rekord-Rot

Der Rekord­mann
2004: FC Schön­berg 95 – 1. FC Kai­sers­lau­tern 0:15
Eisernes Gesetz der 1. Haupt­runde des DFB-Pokals: Wo Carsten Jancker auf­lief, pur­zelten die Rekorde wie einst Andi Möller bei einer Schutz­schwalbe. Zum Bei­spiel der tor­reichste Erst­run­den­sieg: 16:1 mit dem FC Bayern gegen die DJK Wald­berg. Oder der geringste Zuschau­er­zu­spruch bei einem Erst­run­den­duell zwi­schen Ama­teuren und Profis: 1300 Besu­cher beim Match des 1. FC Kai­sers­lau­tern gegen den Ober­li­gisten FC Schön­berg 95. Die Zuschauer müssen sei­ner­zeit geahnt haben, dass er für den Außen­seiter gegen die Pfälzer nichts zu holen gab. Jancker hin­gegen erwischte gegen Schön­berg einen wei­teren Rekordtag und erzielte mit sechs Toren, die meisten Treffer, die je ein Spieler in einem Pokal­spiel erzielen konnte.

End­lich Fei­er­abend
1995: SV Sand­hausen – VfB Stutt­gart 15:14 i. E.
Her­kömm­liche Elf­me­ter­schießen sind in der Regel nach aller­höchs­tens fünf­zehn Schützen durch. Beim mun­teren Schei­ben­schießen im Sand­hau­sener Hardt­wald­sta­dion lüm­melten beide Keeper aller­dings wohl nur lustlos am Tor­pfosten, wäh­rend auf der anderen Seite aus­nahmslos alle Feld­spieler mal an den Punkt durften. Am Ende traten sogar die Tor­hüter selbst zum Duell aus elf Metern an den Ball. Fehl­schüsse: Fehl­an­zeige. Erst beim Stand von 15:14 hatte dann der schon zum zweiten Mal ange­tre­tene VfB-Recke Hen­drik Herzog ein Ein­sehen mit den gedul­digen Zuschauern, die schließ­lich seit über 120 Minuten aus­harrten, und nagelte den Ball an den Pfosten. Ganz Sand­hausen lag sich in den Armen. End­lich Fei­er­abend.

Reich­lich Schotter
1980: SG Lehmen-Kat­tenes – Kickers Offen­bach 1:15
Es sollte das größte Sport­er­eignis in der Geschichte der 1500-Seelen-Gemeinde Lehmen werden. Vor dem Duell mit Zweit­li­gist Kickers Offen­bach ver­suchte der Siebt­li­gist von der Unter­mosel, die Profis mit allen Mit­teln auf die hei­mi­sche Sport­an­lage zu lotsen. Diese Anlage jedoch war ein han­dels­üb­li­cher Schot­ter­platz, der DFB war ent­spre­chend ent­setzt und ver­fügte eine Ver­le­gung in die benach­barte Gemeinde Plaidt. Die ver­fügte zwar nur über unwe­sent­lich mehr Ein­wohner, besaß aber immerhin einen Rasen­platz, der den Ansprü­chen der grauen Herren genügte. Mit dem unge­wohnt wei­chen Unter­grund kamen die Kicker der SG gar nicht zurecht, die Gäste aus Offen­bach hin­gegen umso besser. End­stand: 1:15.

Kurz und knapp
2008: Rot-Weiss Essen – Borussia Dort­mund 1:3
Im Grunde war das ungleiche Ruhr­ge­biets­derby zwi­schen Erst­li­gist Borussia Dort­mund und Viert­klässler Rot-Weiss Essen schon ent­schieden. In der 70. Minute hatte Nelson Valdez zum 3:1‑Endstand ein­ge­köpft, als BVB-Trainer Jürgen Klopp dem Jung­ta­lent Bajram Sadrijaj zu seinem Pro­fi­debüt ver­helfen wollte. Geh richtig auf den Ball“, gab Klopp dem Jung­spund mit, Sadrijaj jedoch ver­wech­selte Ball mit Bein. Zwölf Sekunden nach der Ein­wechs­lung senste er Essens Daniel Bührer der­maßen brutal um, dass Essens Betreuer in einer Wolke aus Eis­spray ver­schwanden und der Referee Sadrijaj gleich wieder vom Platz schmiss. Der Lohn des unge­wöhn­li­chen Auf­tritts: Sein Blitzrot wurde im Gui­ness-Buch der Rekorde ver­ewigt.

Da war was faul
2004: SC Pader­born – HSV 4:2
Bis zur 35. Minute lief der Pokal­auf­takt des Ham­burger SV gegen den SC Pader­born voll nach Plan. Mit 2:0 führte der Bun­des­li­gist locker und lässig gegen den Außen­seiter aus Ost­west­falen, als plötz­lich alles aus den Fugen geriet. Der Schieds­richter pfiff bizarre Elf­meter, bei Fouls der Gast­geber drückte er mehr als beide Augen zu, schmiss dafür aber den völlig per­plexen HSV-Stürmer Emile Mpenza
wegen Meckerns vom Platz. Am Ende stand es 4:2 für Pader­born, und keiner der Anwe­senden wusste so recht, wie das hatte geschehen können. Ledig­lich HSV-Coach Klaus Topp­möller ahnte etwas und kra­keelte an der Sei­ten­linie laut­hals: Hier ist doch was faul.“ Topp­möller wäre höchst­wahr­schein­lich noch ein wenig mehr in Rage geraten, hätte er geahnt, dass sich Referee Robert Hoyzer die fal­schen Pfiffe tat­säch­lich mit meh­reren tau­send Euro und einem groß­for­ma­tigen Plas­ma­fern­seher bezahlen ließ. Auf der Tri­büne des Her­mann-Löns-Sta­dions saß Wett­pate Ante S. (Name ist der Redak­tion bekannt) und beäugte das Meis­ter­werk des Fast-Unpar­tei­ischen aus nächster Nähe.