Seite 3: Tee, Träume, Eppingen

Danke, Bitte, Tee
1994: TSV Ves­ten­bergs­greuth – Bayern Mün­chen 1:0
Gio­vanni Tra­pat­toni hat bisher drei Worte Deutsch gelernt: Danke, Bitte – und Ves­ten­bergs­greuth.“ Ein Schen­kel­klopfer aus dem Jahre 1994, als Traps FC Bayern gegen die Dorf­ki­cker des TSV Ves­ten­bergs­greuth aus­schied. Fortan erfuhr das ganze Land intime Details aus dem berühm­testen Dorf Deutsch­lands“ („Bild“). Hier gab es noch bil­liges Bau­land (55 Mark pro Qua­drat­meter) und ent­spre­chend güns­tiges Essen (Schnitzel mit Pommes und Salat im Dorf­gast­haus für 10 Mark). Auch der Haupt­sponsor der Sen­sa­ti­ons­sieger, ein lan­des­weit bekannter Tee­fa­bri­kant, brachte flugs den 1:0‑Tee“ (mit 10 Vit­aminen) auf den Markt. Kos­ten­punkt: eine Jubel­mark. Rest­be­stände sind bis heute im Fan­shop der SpVgg Greu­ther Fürth ver­fügbar.

Vor die Tür gesetzt
1978: FC St. Pauli – Bayern Hof 3:0
Bayern Hofs Trainer Sieg­fried Stock wit­terte vor dem Erst­run­den­match gegen den FC St. Pauli Wett­be­werbs­ver­zer­rung im ganz großen Stil. Bereits um neun Uhr mor­gens baten die Ange­stellten des Ham­burger Hotels seine Gäste aus Hof zum gemein­samen Aus­che­cken. Fortan standen die Kicker mit Sack und Pack auf der Straße. An eine anstän­dige Vor­be­rei­tung mit Mit­tags­ruhe war gar nicht zu denken. Wir mussten die Zeit bis zum Spiel regel­recht tot­schlagen“, moserte der Trainer des Zweit­liga-Abstei­gers, nachdem er mit seinen Spie­lern lange acht Stunden auf dem Kiez rum­ge­gam­melt hatte. Dabei sollte man meinen, dass sich gerade dort aus­rei­chend Mög­lich­keiten zur kurz­wei­ligen Frei­zeit­ge­stal­tung finden ließen.

Adieu, Groß­an­griff
1994: Sport­freunde Oesede – Karls­ruher SC 1:6
Mit viel Ehr­geiz und krea­tiven Geschäfts­ideen plante Fuß­ball­ob­mann Helmut B. einst mit seinen Sport­freunden Oesede den großen Angriff auf den Pro­fi­fuß­ball. Er wollte gar den VfL Osna­brück als erste Kraft in Süd­nie­der­sachsen ablösen. Vor dem DFB-Pokal-Erst­run­den­match gegen den Karls­ruher SC ver­pflich­tete er spontan Erwin Kostedde als Chef­coach für seine Mann­schaft, flir­tete nebenbei noch mit den Ost­stars Thomas Doll und Uwe Wei­de­mann. Doch gegen die Euro­pa­po­kal­helden Häßler, Kir­jakow, Nowotny und Co. half das alles nicht, Oesede verlor sein Spiel stan­des­gemäß mit 1:6. Auch die Ein­nahmen aus dem Pokal­match ver­san­deten irgendwo im Nir­gendwo. Der Groß­an­griff wurde abge­blasen

Oh, Mamma Mia
1974: VfB Eppingen – Ham­burger SV 2:1
Wir spielen auf Unent­schieden, damit es ein Wie­der­ho­lungs­spiel gibt. In Ham­burg waren wir näm­lich noch nie“, unkte Harald Mei­chel­beck, Trainer des VfB Eppingen aus der 1. Ama­teur­liga Nord­baden, unmit­telbar vor dem Spiel gegen den haus­hohen Favo­riten. Der HSV fand den Aus­flug in die Pro­vinz weniger spaßig und fletschte die Zähne: Das sind doch blu­tige Ama­teure. Die Zuschauer werden in Zukunft schön zu Hause bleiben, wenn sie sehen, mit wel­cher Packung ihre Truppe in die Kabine mar­schiert“, tönte HSV-Stürmer Georg Vol­kert groß­mäulig. Nach 90 Minuten schlich Vol­kert geknickt von dannen, soeben hatten die Rot­hosen mit 1:2 gegen die Ama­teur­truppe ver­loren. Später auch bekannt als: Die Mutter aller Pokal­sen­sa­tionen“.

Acht­sitzer für alle
2010: Ger­mania Windeck – Bayern Mün­chen 0:4
Der Teufel und der größte Haufen. Gleich zweimal hin­ter­ein­ander zog Ger­mania Windeck das große Los. Im Jahr 2009 hieß der Erst­run­den­gegner Schalke 04, nur eine Saison später gar Bayern Mün­chen. Um nicht am hei­mi­schen Sport­platz Tickets per Kar­tof­fel­druck aus­geben zu müssen, zog der Klub ins Mün­gers­dorfer Sta­dion um und emp­fing gegen die Bayern mit 41 000 Zuschauern eine Rekord­ku­lisse für ein Spiel zwi­schen Ama­teuren und Profis. Der Acht­sitzer für unsere Jugend­ab­tei­lung ist schon bestellt“, jubelte Wind­ecks Vor­sit­zender Heinz-Georg Will­meroth über den sinn­vollen Ein­satz der dort gemachten Ein­nahmen. Komisch aller­dings, dass der FC Bayern später seinen Teil des Geldes bei der Ger­mania ein­klagen musste.