Craig und Adam Malamut, Ihre Serie The Cham­pions“ ist eine Art Car­toon-Rea­lity-TV-Show: Die größten Fuß­ball­stars der Welt ziehen zusammen in eine gigan­ti­sche Villa, werden überall von Kameras begleitet, streiten sich und gehen zusammen saufen. Warum haben Sie sich für dieses Set­ting ent­schieden?

Adam: Es war für uns logisch. Fuß­ball hat ein­fach diesen Vibe. Der Sport ist so fancy…

Craig: …es gibt so viele große Per­sön­lich­keiten…

Adam: .…und es gibt so unglaub­lich viele Eitel­keiten. Es fühlt sich ein­fach wie eine Rea­lity-TV-Show an und wir fanden die Vor­stel­lung sehr lustig, diese Egos alle in ein Haus zu packen. Also haben wir ein großes Cha­teau an einem mys­te­riösen Ort in Europa ent­worfen. Nie­mand weiß genau wo es ist – und da haben wir ein­fach 800 Spieler rein­ge­steckt. Und ihre Trainer.

In den Pro­fi­ligen Ihrer Heimat, bei­spiels­weise in der NBA, gibt es eben­falls viele große Per­sön­lich­keiten. Heben sich Fuß­baller-Egos stark von den Egos in den USA ab?

Adam: Das Inter­es­san­teste ist, dass der Fuß­ball so inter­na­tional ist. Es gibt so viele unter­schied­liche Per­sön­lich­keiten und Kul­turen. Jeder kommt aus einem anderen Teil der Welt. Und diese Eitel­keit, die Fuß­ball­spieler haben, ist schon etwas kom­plett Ein­zig­ar­tiges. Alleine, wie Fuß­baller sich anziehen.

Craig: Und die Fri­suren sind so viel besser.

Adam: Ja, es gibt echt viele bescheu­erte Fri­suren.

Und wenn jemand halb­wegs normal aus­sieht, so wie bei­spiels­weise Luka Modric, dann bekommt er von Ihnen ein­fach ein kom­plettes Make-Over ver­passt.

Adam: Modric haben wir kom­plett umge­stylt – wie bei der Serie Queer-Eye. Das ist das Schöne an Car­toons. Wir können jeden so aus­sehen lassen, wie wir Lust haben.

Sie sind in den USA mit Ihren Zei­chen­trick­se­rien über die NBA (Game of Zones) und die NFL (Gri­diron Heights) bekannt geworden. Warum machen Sie jetzt eine Fuß­ball-Show?

Adam: Turner (ame­ri­ka­ni­sches Medi­en­un­ter­nehmen, d. Red.) hat die Rechte für die Cham­pions League bekommen und es hat sich wie das Rich­tige ange­fühlt, um Fuß­ball in den USA beliebter zu machen. Wir sind jetzt Teil dieses unend­li­chen Ver­suchs, das zu schaffen.

Schauen Sie selbst auch Fuß­ball?

Adam: Bei mir war es die typi­sche ame­ri­ka­ni­sche Geschichte: Ich habe als Kind Fuß­ball gespielt, war ziem­lich schlecht und habe das Inter­esse ver­loren. Später habe ich mit einem fran­zö­si­schen Kumpel viel FIFA gespielt. Wäh­rend wir gespielt haben, hat er mir alles über die Teams und die Spieler erzählt. Seitdem ver­folgte ich Fuß­ball wieder, aber eher spo­ra­disch – aber seitdem wir die Cham­pions-League-Rechte haben, sind wir All-In gegangen, haben geschaut, dass wir auch wirk­lich nichts ver­passen.

Man merkt dem Car­toon nicht an, dass Sie nicht unbe­dingt die größten Fuß­ball-Nerds sind.

Adam: Wir wollten unbe­dingt eine Show kre­ieren, die die Sprache des Fuß­balls flie­ßend spricht. Wir wollten eine Show für die schlausten Fans. Wir wollten, dass The Cham­pions“ ein Ort für Men­schen wird, die sich wirk­lich mit Fuß­ball aus­kennen. Wir wollten es nicht run­ter­dummen, son­dern sicher­gehen, dass nie­mand sagt: Ich glaube, die Jungs haben keine Ahnung. 

Wie haben Sie das hin­be­kommen? Fuß­ball­fans merken eigent­lich sehr schnell, wenn sich jemand nicht wirk­lich aus­kennt.

Adam: Ich werde nie­mals faken können, dass ich so viel Ahnung habe wie jemand, der mit Fuß­ball auf­ge­wachsen ist. Wir haben bei Bleacher Report“ viele Fuß­ball­ex­perten. Alles, was wir machen, bespre­chen wir mit ihnen. Du kannst es bei den Mee­tings richtig fühlen, wenn wir das rich­tige Thema haben – zum Bei­spiel José Mour­inho. Jeder will über Mour­inho spre­chen.

Craig: Dann sitzen wir in einem Raum voller Fuß­ball­fans und alle fangen plötz­lich an zu strahlen und zu lachen. Unser Job ist es, diese Momente zu finden. Die gelbe Wand im Zimmer von Marco Reus war so ein Moment. Das kam sofort in unsere Bun­des­liga-Epi­sode.

Die Bun­des­liga-Epi­sode musste natür­lich auf dem Okto­ber­fest spielen.

Craig: Wir wollten es so kli­schee­haft deutsch wie mög­lich machen. Außerdem haben wir dieses Video von Thomas Müller gesehen, wie er in Leder­hosen tanzt.

Adam: Und es war der ideale Rahmen, um alle Bun­des­liga Teams zusam­men­kommen zu lassen.

Und der ideale Rahmen, damit Thomas Müller Chris­tian Pulisic abfüllen kann.

Adam: Ja, wir haben ihn zum Gesicht des FC Bayern gemacht, der bei anderen Ver­einen wil­dert. Er will unbe­dingt den naiven ame­ri­ka­ni­schen Jungen Pulisic beein­dru­cken.

Thomas Müller ist in Ihrer Serie ein arro­ganter Typ, der überall mit seinem Spitz­namen Raum­deuter“ hau­sieren geht. Wie sehen Sie ihn?

Adam: Als wir gehört haben, dass er der Räum­deuter“ ist – ich ent­schul­dige mich für meine Aus­sprache, aber es ist ein­fach das deut­scheste Wort über­haupt -

Craig: Rrräum­deuter.

Adam: Räum­deuda. Egal. Jeden­falls ist es nicht nur unmög­lich es aus­zu­spre­chen, son­dern auch unmög­lich zu ver­stehen. Am nähesten kommt als Erklä­rung viel­leicht so etwas wie Raumin­ter­pre­tierer“ oder Raum­er­mittler“. Klar, wissen wir, dass es eigent­lich heißt, dass er auf dem Platz alle mög­li­chen Räumen findet, aber wir fanden die Vor­stel­lung lustig, dass er ein echter Ermittler ist, also ein Detektiv…

Craig: Wir haben ein­fach den Namen mög­lichst schlecht über­setzt und den Gag dann kom­plett aus­ge­schlachtet.

Gab es wütende Anrufe vom FC Bayern?

Adam: Müller ist ziem­lich cool damit umge­gangen, er hat uns auf Twitter ret­weetet. Der FC Bayern an sich war ziem­lich cool.

Craig: Ich glaube, sie sind Fans von der Serie. Sie ver­stehen auf jeden Fall Spaß.

Wie schlimm war für Sie die Nach­richt, dass Man­chester United José Mour­inho ent­lassen hat?

Craig: Das war kein schöner Tag. Zum Glück ist es nach der ersten Staffel pas­siert. Aber wir haben ja ein paar dieser Schurken, die immer wieder ver­su­chen, sich in das Haus ein­zu­schlei­chen.

Adam: Es ist echt ätzend, dass er weg ist. Wir haben sein Ver­hältnis zu Pogba geliebt. Er ist ein­fach so ein Typ, auf den wir nicht ver­zichten können. Er wird zurück­kommen. Sicher.

Wie sind Sie dazu gekommen, Sport-Car­toons zu kre­ieren?

Adam: Ich wusste, dass ich zeichnen und Stimmen nach­ma­chen kann. Ich habe dann durch Online-Tuto­rials gelernt, wie man Car­toons macht. Die ersten waren richtig schlecht. Nie­mand konnte sich bewegen, nur spre­chen. Ich wurde Stück für Stück besser und irgend­wann bekam ich den Auf­trag, sechs Epi­soden zu ent­wi­ckeln. Dann brauchte ich Craigs Hilfe.

Craig: Ich war habe damals Astro­physik stu­diert – und Adam stand alles bis zum Kopf. Er sagte zu mir: Craig, kannst du irgendwie die Hin­ter­gründe zeichnen?“ Weil Astro­nomen nachts arbeiten, habe ich tags­über Tuto­rials ange­schaut und Car­toons gezeichnet.

Adam Malamut, haben Sie kein schlechtes Gewissen, dass Sie Ihren kleinen Bruder aus einer anstän­digen Kar­riere raus­ge­holt haben, damit er mit Gags über Sportler sein Geld ver­dient?

Adam: Ich fühle mich tat­säch­lich bis heute schlecht. Denn ich wollte damals eigent­lich schon, dass Craig weiß, wo die Sterne sind und so. Außerdem hätte ich gerne gesehen, wie er hart arbeiten und seine Seele ver­kaufen muss, um zu über­leben.

Craig: Es gibt bis heute so viele unent­deckte Pla­neten, weil Adam meine Kar­riere ver­hin­dert hat. Ande­rer­seits habe ich ja eine ganze Zeit den Staub zwi­schen den Sternen erforscht, und es war nicht unbe­dingt auf­re­gend. Man könnte sagen, dass ich tat­säch­lich ein Space­in­ves­ti­gator war – wie Thomas Müller.

In frü­heren Serien haben Sie alles selber ani­miert. Ist das heut­zu­tage noch immer so?

Craig: Die Ani­ma­tionen machen wir nicht mehr, das ist vorbei. Wir haben 15 Zeichner, die deut­lich bes­sere Künstler sind als wir. Dadurch können wir ein biss­chen krea­tiver werden. Davor haben unsere Cha­rak­tere nur in Stühlen gesessen und sich nicht bewegt. Jetzt können sie rum­laufen, Ver­bre­chen auf­de­cken und mit ihrem Hund spielen.

Adam: Oder Piqué kann zu Sha­kira-Songs tanzen. Wir lieben es, die Stimmen zu machen. Wir können zwar nicht alle Akzente gut nach­ma­chen, aber ich glaube, das macht den Charme der Serie auch ein biss­chen aus. So wie bei South­park.

Es gibt ein Video, wie Sie, Adam Malamut, Harry Kane ein­spre­chen. Sie hatten den Mund voller Wasser, um seine Stimme nach­zu­ahmen.

Adam: (Lacht.) Also vorweg: Ich liebe Harry Kane. Ich finde, er ist einer der net­testen Men­schen, die es gibt. Er hat das, was wir ihm antun, wirk­lich nicht ver­dient. Aber wir mussten ein­fach etwas an ihm finden, was wir ver­ar­schen können. Und da kamen nur zwei Punkte in Frage: Er schafft es ein­fach nicht, Eng­land ans Ziel zu bringen und er hat diese kom­plett unver­ständ­liche Stimme. Wir mussten das ein­fach aus­schlachten. Tot­tenham-Fans haben es nicht unbe­dingt geliebt.

Craig: (Lacht.) Es gab schon ein biss­chen Ärger. Aber ich glaube, die meisten fanden es lustig.

Haben Sie einen Lieb­lings­cha­rakter in der Show?

Adam: Mour­inho. Ich liebe es, ihn zu syn­chro­ni­sieren, er schreibt sich fast von alleine. Man schmeißt ihn in eine Szene und weiß genau, was er sagen würde.

Craig: Ich mag Mo Salah. Er ist so etwas wie die Stimme der Ver­nunft in unserer Show. Er ist so subtil und unauf­dring­lich, ein netter Kerl. Wir haben es ein­fach nicht geschafft, ihn schlecht dar­zu­stellen. Ein schöner Kon­trast zu den ganzen über­trie­benen Egos.

Und dafür bestrafen Sie ihn, indem Sie ihn mit Sergio Ramos zusam­men­mor­phen?

Craig: Selbst­ver­ständ­lich. So geht man mit netten Men­schen um. Er muss sich die ganze Serie mit Sergio Ramos rum­schlagen. Es hat richtig Spaß gemacht, sich das aus­zu­denken.

Im Früh­ling kommt eine neue Staffel. Worum wird es gehen? Das Cham­pions-League-Finale?

Adam: Wir sind noch in der ganz frühen Pla­nungs­phase und dem­entspre­chend noch dabei, das alles her­aus­zu­finden – aber ja: Höchst­wahr­schein­lich wird es um die K.O.-Phase der Cham­pions League gehen. Aber mehr Details habe ich noch nicht.