Wäh­rend des Stu­diums ging ich zum Fuß­ball gucken ab und an in eine Kneipe in der Nähe meiner WG. Die Nord­schänke“ hatte alles, was eine ordent­liche Fuß­ball­kneipe so lie­bens­wert macht: Die­sige Luft, güns­tiges Bier, an der Theke dämm­rige Men­schen, die sich zumeist mit Grunz­lauten ver­stän­digten. Der Himmel. 

Um neuen Gästen, die es prak­tisch nicht gab, schon beim Betreten klar­zu­ma­chen, dass sie in einer Fuß­ball­kneipe gelandet waren, waren rund um den selbst­ver­ständ­lich holz­ver­tä­felten Tresen Wimpel aller Bun­des­li­gisten ange­bracht. Dem Gelb­stich nach mussten sie etwa aus den frühen Neun­zi­gern stammen, wie alles andere in der Kneipe eigent­lich auch, wahr­schein­lich selbst die Topf­schwämme. Und wäh­rend die Wimpel der übrigen Bun­des­li­gisten – Bayern, Dort­mund, selbst Kai­sers­lau­tern – vor lauter Titeln nur so strotzten, stand auf jenem der Ein­tracht ledig­lich: Fuji-Cup-Sieger 1992. Juhu. 

Der Fuji-Cup als ein­ziger Titel des Fan-Daseins

Immer wenn die Ein­tracht seither im Pokal mal über­ra­schend weit kommt oder ich mit einer schweren Grippe und Fie­ber­träumen im Bett liege, wäh­rend die SGE zufällig auf dem dritten Tabel­len­platz steht, muss ich an diesen Wimpel denken. 1992, das Jahr, des (übri­gens ein­zi­gens) Fuji-Cup-Tri­um­phes der Ein­tracht, ist schließ­lich auch jenes Jahr, in dem sie hätte Meister werden sollen, wäre da nicht dieses blöde Spiel in Ros­tock gewesen. Das macht den Fuji-Cup zum ein­zigen Titel, den ich in meiner Fan-Kar­riere je erlebt habe, auch wenn ich mich beim besten Willen nicht an irgend­welche Fuji-Cup-Fei­er­lich­keiten am Frank­furter Römer erin­neren kann. Was aber natür­lich eher an der abso­luten Nicht-Rele­vanz liegt, die der Cup damals schon hatte.

Und selbst­ver­ständ­lich ist das alles eine große Schwei­nerei. 1988, beim letzten DFB-Pokal­sieg, war ich erst vier und damit zu jung. 2006, bei der letzten Final­teil­nahme, kamen mir Claudio Pizarro und Oli Kahn in die Quere, was bei­nahe zu einer Schlä­gerei mit meinem dama­ligen Bay­ernfan-Mit­be­wohner geführt hätte. Klar: Man guckt ja nicht wegen der Titel Fuß­ball. Und sicher gibt es Klubs, die schlechter dran sind als die Ein­tracht, und die auch länger nichts gewonnen haben. Aber für SGE-Fans, die wie ich in den frühen Neun­zi­gern ihr Herz an die Ein­tracht ver­loren, fühlt es sich so an: Mit Fuß­ball 2000, Tony Yeboah, Uwe Bein, Jay-Jay Okocha usw. hat einem der Klub ein Ver­spre­chen gegeben, auf dessen Ein­lö­sung man noch immer wartet.