Wenn man von echten Typen“ spricht, denkt man eigent­lich zunächst mal an eher kan­tige Gestalten, bei Thomas Hitzl­sperger würde ich aber viel­mehr von einer echten Per­sön­lich­keit“ spre­chen. Er hat sein Coming-out nicht nur so pro­fes­sio­nell vor­be­reitet, als würde er in ein großes Spiel gehen. Er hat sein Anliegen dabei über­zeu­gend, sehr per­sön­lich und zugleich sach­lich rüber­ge­bracht. Damit hat er vielen anderen einen klaren Weg auf­ge­zeigt, die in einer ähn­li­chen Situa­tion sind und sagen: Ich will mich nicht mehr ver­ste­cken.“

Eine ganz per­sön­liche Ent­schei­dung

Ich halte nach wie vor die Welle der Bericht­erstat­tung, die es in den Tagen nach seinem Coming-out gab, für total über­trieben. Denn ich per­sön­lich kämpfe für einen nor­malen Umgang damit. Ich habe in meinem Freundes- und Bekann­ten­kreis sowie auch unter den Kol­legen beim DFB Frauen und Männer, die gleich­ge­schlecht­lich ori­en­tiert sind, und ich finde das ganz normal. Ich hatte mir des­halb auch kein Coming-out explizit gewünscht oder hätte gar jemanden dazu auf­ge­for­dert. Schließ­lich ist das eine ganz per­sön­liche Ent­schei­dung. Nur: Wenn sich jemand outen möchte, ob in der Kreis­liga oder in der Bun­des­liga, hat er oder sie unsere totale Unter­stüt­zung. Des­halb haben wir beim DFB für diesen Fall auch zusammen mit Fach­leuten einen Leit­faden mit sehr vielen sach­li­chen Rat­schlägen und Hilfs­an­ge­boten ent­wi­ckelt.

Ich fühlte mich in meiner Ein­schät­zung, dass viel mehr nor­maler Umgang in dieser Frage ange­bracht ist, auch bestä­tigt, als Thomas im März unser Län­der­spiel gegen Chile in Stutt­gart besucht hat. Es gab damals näm­lich weder auf­ge­regte Foto­grafen noch irgend­einen anderen Trubel um ihn. Und als WM-Experten hat ihn das ZDF sicher nicht wegen seiner sexu­ellen Ori­en­tie­rung ver­pflichtet, son­dern weil er Ahnung von Fuß­ball hat und sich erst­klassig arti­ku­lieren kann.

Auf dem Weg zur Nor­ma­lität

Thomas Hitzl­sperger hat sich geoutet, weil ihm das per­sön­lich wichtig gewesen ist. Damit hat er auf dem Weg zu der Nor­ma­lität, auf die ich so sehr hoffe, enorm wei­ter­ge­holfen. Des­halb kann ich ihm zu dieser Aus­zeich­nung nur ganz herz­lich gra­tu­lieren!