Von unten betrachtet sehen die Dinge ja immer größer aus, als sie wirk­lich sind. Das ist ein Natur­ge­setz und ver­mut­lich auch der Grund dafür, warum Männer es so schön finden, wenn Frauen vor ihnen nie­der­knien. Ins­be­son­dere im letzten Zipfel des Wes­tens ist man es gewohnt, von unten nach oben zu gucken. Dass die Aachener in der letzten Saison aus­nahms­weise einmal ganz oben mit­spielen durften, bestä­tigt diese Regel nur.


Ein beson­ders schönes und ein­drucks­volles Bei­spiel für die tra­di­tio­nelle Blick­rich­tung der Ale­mannia findet man denn auch in aller­nächster Nähe zum Spiel­ge­schehen. Unter­halb der so gerne Humba“-tänzelnden Masse ver­steckt sich in den Kata­komben des Wür­se­lener Walls das Damenklo. Dieses schert sich ganz offen­sicht­lich einen feuchten Keh­richt um die ästhe­ti­schen Bedürf­nisse der zivi­li­sierten Welt. Käme die frü­here RAF-Ter­ro­ristin Bri­gitte Mohn­haupt jemals auf die Idee, ein Ale­mannia-Spiel zu besu­chen, sie fühlte sich womög­lich an die alten Zeiten erin­nert, die sie in Iso­la­ti­ons­haft zubrachte. Dun­kel­grau melierte Kacheln und hell­grau gemus­terte Wände, die nie­mals einen pro­fes­sio­nellen Ver­putzer gesehen haben dürften. Das Klo als sol­ches macht ein­fach nur Angst. Schlot des Grauens“ wäre eine ange­mes­sene Beschrei­bung, reicht das Auge beim Hoch­klappen des Klo­de­ckels doch ohne Umwege so weit, wie es eigent­lich nie­mals rei­chen wollte: bis auf den Urgrund der Aachener Kana­li­sa­tion!

Ein Unter­fangen der fünften Dimen­sion

Ins­be­son­dere im Winter mutiert der Akt der weib­li­chen Bla­sen­ent­lee­rung man­gels Heiz­kör­pern zu einem Unter­fangen der fünften Dimen­sion. Den maus­grauen Boden besagten Damen­klos kennen übri­gens auch all die­je­nigen unter uns, die Anfang der 70er Jahre noch zu jung waren, um sich einer ter­ro­ris­ti­schen Unter­gruppe anzu­schließen. Statt­dessen ver­brachten wir einen nicht uner­heb­li­chen Teil unserer herbst­li­chen Frei­zeit in städ­ti­schen Turn­hallen, wo es etwas gab, das dem oben beschrie­benen Damenklo erschre­ckend ähn­lich sah und die Beschrei­bung Nass­zelle“ dem­zu­folge mehr als ver­diente. In der Nass­zelle duschte man kol­lektiv und das ein­zige, über das man sich Gedanken machte, war, ob der im mor­gend­li­chen Kom­mu­ni­ons­un­ter­reicht erwähnte Teufel even­tuell in Gestalt see­len­loser Archi­tekten sein irdi­sches Unwesen trieb.
Ein ähn­lich gehörnter Herr muss auch zu Werke gegangen sein, als es sei­ner­zeit das stille Ört­chen unter dem Wür­se­lener Wall zu kon­stru­ieren galt. Das an Schlicht­heit nicht zu unter­bie­tende Kleinod gehört zwei­fels­ohne nicht zur Kate­gorie jener Damen­toi­letten, auf die beste Freun­dinnen immer gemeinsam gehen, um dort in allen Ein­zel­heiten über Dinge zu spre­chen, von denen Männer nie­mals erfahren werden, dass Frauen sich derart detail­liert dar­über aus­tau­schen. Auch die Sorte Toi­lette, die gele­gent­lich von Frau und Mann gemeinsam auf­ge­sucht wird, um dort Dinge zu tun, über die Frau anschlie­ßend in allen Ein­zel­heiten mit ihrer besten Freundin spricht, dürften ein ganz anderes Design auf­weisen. Derlei Ört­lich­keiten ver­langen näm­lich ein Ambi­ente, das ein Min­destmaß an intimer Ent­fal­tungs­mög­lich­keit sicher­stellt.

Folg­lich liegt es auf der Hand, dass sich das ale­man­ni­sche Damenklo nicht für große Geschäfte eignet. Aber diese werden ohnehin am Son­nenweg, dem Sitz der Geschäfts­stelle, gemacht. Was das angeht, darf sich der getreue Tivo­li­be­su­cher zukünftig auf eine ganze Schüssel voll kun­ter­bunter Ide­en­häuf­chen freuen. Da wurde zunächst erfolg­reich das Team Tivoli“ rekru­tiert, eine Art Fähn­lein Fie­sel­schweif von Fans für Fans“. Die Frei­wil­ligen sollen dem­nächst ehren­amt­lich als Abseits­regel-Erklärer, Zum-Platz-Hin­bringer, Würst­chen­buden-Zeiger, Cola­li­mo­was­ser­bier-Holer, Popo-Abputzer und – so der gran­diose Vor­schlag eines Fans im Fan-Forum – Fres­seh­in­halter“ für geg­ne­ri­sche Fans fun­gieren. Zudem haben sich jüngst wei­tere Frei­wil­lige gefunden, die sich in einen schwarz-gelb gestreiften Ganz­kör­per­plü­schoverall ein­mum­meln werden, um sich in den Halb­zeit­pausen beim put­zigen Win­ke­winke von der Fan­schar wüst beschimpfen und mit Plas­tik­be­chern bewerfen zu lassen. Die krea­tive Potenz aller Betei­ligten macht den Salto Mor­tale momentan derart galant aus dem Stand, und das auch noch mit Augen zu, dass einem bei­nahe das Blut in den Adern gefriert! Aber das wird erst wieder im Winter pas­sieren. Zum Bei­spiel, wenn man wäh­rend des Spiels mal muss und des­wegen in die nie­deren Gefilde absteigt, wo man sich zumin­dest des über­flüs­sigen Klein­krams pro­blemlos ent­le­digen kann. Die wirk­lich fetten Geschäfte werden wei­terhin woan­ders gemacht, wo so vieles größer aus­sieht, als es wirk­lich ist.
Natur­ge­setz.