Was ist neu? Keiner geht. Sämt­liche Juwelen aus der Schatz­kammer von Simon Rolfes sind erhalten geblieben, allen voran Moussa Diaby und Patrik Schick. Diese wurden mit Adam Hlozek noch hoch­wertig ergänzt und nebenbei hat man mit Mykhaylo Mudryk aus Donezk den nächsten Roh­dia­manten an der Angel. Mit­samt dem wie­der­ge­nesen Gold­jungen Flo­rian Wirtz ist es also nicht nur für Freunde der schmuck­vollen Stil­mittel der wohl beste Kader seit über 20 Jahren. Sogar den Tor­re­kord aus der famosen Saison 2001/02 über­trafen die Lever­ku­sener in der ver­gan­genen Spiel­zeit und stellten in der Rück­runde mit Leipzig punk­te­mäßig das beste Team. Polyg(l)ott und Trainer Gerado Seoane hat direkt in seiner ersten Saison die Hoff­nung erweckt, dass man am Bay­er­kreuz end­lich wieder mal einen wasch­echten Erfolgs­trainer ange­stellt haben könnte.

Was ist so geblieben (ver­dammt nochmal)? Die Kom­fort­zone. 2009 erst­malig vom schönen Bruno öffent­lich beklagt, hält sie sich bis heute stärker als Kalk an Ber­liner Bade­wan­nen­rän­dern. Aber mal im Ernst: Wer als Königs­klas­sen­teil­nehmer von Elvers­berg vier (!) Tore ein­ge­schenkt bekommt, sollte dazu ver­pflichtet sein, seinen Fans jeg­liche Ticket- und Anfahrts­kosten zu erstatten und sich nicht nach Abpfiff in der Kabine zu ver­krie­chen. Das ruhige und fami­liäre Umfeld, in dem die Talente unge­stört zu Profis her­an­reifen können, es ist und bleibt ein zwei­schnei­diges Schwert.

Was fehlt? Ein Leader. Oder im besten Falle gleich ein ganzer Fracht­con­tainer voller van Bom­mels, die pro Anschwitz­ein­heit fünf Schwer­ver­letzte pro­du­zieren und in der Halb­zeit­pause regel­mäßig einen Pep Talk in bester Ted-Lasso-Manier ablie­fern. Beim Bayer ist das so eine Sache. Da gibt es zum einen den sprach­lich eher schüch­ternen Charles Arán­guiz, der von Laza­rett-Stamm­gast Lars Bender das Kapi­tänsamt über­nommen hatte, nur um es dann ein Jahr später wieder an Lukas Hra­decky abzu­treten. Der Finne ist aller­dings bei weitem kein abso­luter Leis­tungs­träger und als Tor­wart ohnehin in seinem Ein­fluss auf das Spiel­ge­schehen begrenzt. Am ehesten ist da noch Robert And­rich anzu­sie­deln, der aber erst letzten Sommer von Union Berlin dazu­ge­stoßen ist. Es braucht also wei­tere mei­nungs­starke Per­sön­lich­keiten in der Mann­schaft, die gerne mal auch hier und da anecken. Was treibt Carsten Ramelow eigent­lich dieser Tage?

Wenn dieser Klub ein Getränk wäre: Tequila. Gehört irgendwie immer dazu, kommt nicht bei allen wirk­lich gut an, aber steht tra­di­tio­nell für quick­le­ben­dige Unter­hal­tung. Treue Fans sollte aber lieber auf­passen, denn zu große Euphorie endet meist in quä­lenden Kopf­schmerzen. Die Über­lei­tung auf einen abge­nutzten Witz auf Kosten des Mut­ter­kon­zerns sparen wir uns an dieser Stelle.

Das 11FREUNDE-Orakel: Platz eins beim Geheim­fa­vo­ri­ten­ran­king der Bun­des­li­ga­trainer. Platz zwei in der End­ta­belle. Weil? Siehe oben und – siehe oben. Ein zusätz­li­cher Faktor dieses Jahr wird sicher­lich die WM in Katar. Aus der Startelf gegen Elvers­berg werden vor­aus­sicht­lich nur zwei Spieler abge­stellt, wäh­rend der Rest sich nach kräf­te­zeh­render Hin­runde 200 See­meilen ent­fernt vom WM-Zirkus im idyl­li­schen Dubai rege­ne­rieren kann. Die euro­päi­sche Reise hin­gegen endet dann ent­weder mit einem de Bruy­ne­schen Traum­volley aus 25 Metern gegen die Ball­zir­ku­lanten aus Man­chester – oder nach dem Abstieg in die Europa League beim FC Shkupi 1927 aus Nord­ma­ze­do­nien. Letzt­lich wahr­schein­lich tri­vial, denn es wird nur zu einem Titel rei­chen: Patrik Schick schießt trotz drei­fa­chem Mus­kel­fa­ser­riss in nur 20 Spielen stolze 26 Tore und holt sich damit dank aus­blei­bender Kon­kur­renz aus Mün­chen die Tor­jä­ger­ka­none. Na zdraví!

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