Seite 2: Der Geist ist willig, aber das Material ist schwach

Und tat­säch­lich hatte Monaco ansonsten oft in schnellen Umschalt­mo­menten ver­sucht, vor Nizzas Tor zu gelangen. Doch OGC, die die schlech­teste Offen­sive und zugleich eine der besten Defen­siven der Liga stellt, hielt im Sinne Vieiras dicht­ge­staf­felt dagegen. Der Jour­na­list Tom Wil­liams schrieb im Vor­feld: Offen­sicht­lich spielte Vieira unter Wenger. Er würde in Nizza diesen Offen­siv­geist spielen lassen. Aber er ist prag­ma­tisch genug, um zu rea­li­sieren, dass er dafür nicht die Spieler hat.“

Liga der Talente

Die beiden Fran­zosen haben sich in den ver­gan­genen Jahren akri­bisch vor­be­reitet. Waren in Jugend­aka­de­mien, hos­pi­tierten in den USA, trugen Bälle für die bel­gi­sche Natio­nal­mann­schaft. Nun sind sie Trainer in der Ligue 1, deren Leit­spruch lautet: Ligue de talents“. Liga der Talente. Und viel­leicht war das das Pro­blem an diesem Abend. Eines, das nicht erst besteht, seitdem Henry und Vieira an der Sei­ten­linie stehen. Denn seit jeher wird von großen Spie­lern auch erwartet, dass sie große Trainer werden. Deren Spieler oft­mals aber nicht an die eigene Klasse her­an­rei­chen. Und so machte sich in einem schwa­chen Moment die Hoff­nung breit, Henry und Vieira mögen in der Halb­zeit­pause ihre feinen Mäntel aus­ziehen und sich doch bitte ein­fach selbst ein­wech­seln.

Thomas Tuchel, der genau diese Liga zur­zeit mit Paris Saint-Ger­main anführt, es also von allen in Frank­reich am besten wissen müsste, hatte zu Beginn seiner Trai­ner­kar­riere gesagt: Auf dem Niveau, auf dem wir jetzt Fuß­ball­spielen, ist es ein ganz klares Players Game.“ Er meinte, dass Trainer die Spiele nur im Junio­ren­be­reich gewinnen könnten. Bei den Profis sei die Dichte an indi­vi­du­eller Klasse so groß, dass der Trainer nicht mehr ver­gleichbar ent­schei­dend sei. Die Rolle von mir ist die eines Dienst­leis­ters“, sagte Tuchel, wir unter­stützen und helfen.“

Tur­bu­lent oder planlos?

Die Welt- und Euro­pa­meister von einst, die Dienst­leister von heute, konnten nur zusehen, wie Monaco nach einem Eck­ball aus­glich, weil der Ball für einen kurzen Augen­blick hinter der Tor­linie lag. Und sie sahen, wie Nizzas Stürmer in der Schluss­phase einen Elf­meter vergab. Tur­bu­lent war das Spiel, sagen manche. Etwas planlos, sagen andere.

Henry hatte auf alle fünf Neu­zu­gänge ver­zichten müssen, dar­unter den Ex-Schalker Naldo und den Ex-Welt­meister Cesc Fab­regas, weil das Cote‑D’Azur-Derby ein Nach­hol­spiel war und somit kein Win­ter­pau­sen­transfer spiel­be­rich­tigt war. Ab dem Wochen­ende dürfen sie mit­spielen. Viel­leicht wird es dann besser. Viel­leicht können sie mit seiner Hilfe etwas anfangen. Ande­rer­seits: Auch Thomas Tuchel fing in Mainz an, hatte keine Welt­meister im Kader, und trotzdem Erfolg. Das ist genau zehn Jahre her.