Die deutschen Frauen vor dem WM-Achtelfinale

Wie gut sind die Deutschen wirklich?

Kurz: Schweden ist eine Mannschaft »auf Augenhöhe«, um diesen abgenudelten Begriff aus der Mottenkiste zu holen. Ein »50:50-Spiel« erwartet auch Team-Veteranin Saskia Bartusiak – mit dem kleinen Vorteil für die Deutschen, dass sie als ausgewiesener Angstgegner der Schwedinnen bei großen Turnieren gelten. Egal, ob WM, EM oder Olympische Spiele: Bisher zogen die Skandinavierinnen in den direkten Duellen noch immer den Kürzeren.

4:0 gegen Thailand gewonnen. Durch vier Kopfbälle

Gleichwohl ist Schweden der mit Abstand schwerste der möglichen Achtelfinalgegner, zumal die deutsche Mannschaft bisher auch keine Bäume ausgerissen hat. Insbesondere das letzte Gruppenspiel gegen Thailand war eine ziemlich maue Veranstaltung, bei der die deutschen Spielerinnen, als sie dem eigentlich hoffnungslos unterlegenen Gegner mit Kombinationsspiel nicht beikamen, schamlos ihre überlegene Körpergröße ausnutzten. Fortan wurde vor allem hoch und weit gespielt, drei der vier Tore beim 4:0 fielen durch Kopfbälle. Das hatte etwas von Eltern, die Süßigkeiten auf dem Schrank verstecken, damit die Kinder nicht drankommen.

Über den Gruppensieg konnte sich danach im deutschen Tross erst mal niemand freuen, die Stimmung changierte zwischen gedämpft und ranzig. Torfrau Nadine Angerer, für ihre freie Rede bekannt, wollte das Spiel gar »in die Tonne kloppen«. Anschließend trafen sich die Spielerinnen (ohne Bundestrainerin Silvia Neid) in einem Restaurant in Ottawa zum Krisengespräch.

Eine Ära könnte enden

Die Nervosität ist verständlich, denn das Spiel gegen Schweden hat Bedeutung über das Turnier hinaus. Gerade mal drei europäische Teams qualifizieren sich bei der WM für die Olympischen Spiele im nächsten Sommer, gleich deren sieben stehen im Achtelfinale. Sollten die Deutschen jetzt ausscheiden, hätte sich das Thema so gut wie erledigt. Dabei soll Rio de Janeiro doch Höhepunkt und Abschluss der Nationalmannschaftskarrieren von Trainerin Neid und der von ihr protegierten Spielerinnengeneration um Annike Krahn, Simone Laudehr und Anja Mittag werden. Sollte das heute in die Hose gehen, könnte also ganz plötzlich eine Ära zu Ende gehen.