Der Trainer, so heißt ein Bonmot aus der Welt des Fuß­balls, ist immer das schwächste Glied der Kette. Der Satz ist so oft wie­der­holt worden, dass nie­mand mehr seinen Wahr­heits­ge­halt anzwei­felt. Wenn man das Ket­ten­glied Trainer aber mal einer inten­siven Mate­ri­al­prü­fung unter­zieht, könnte man auch zum gegen­tei­ligen Ergebnis kommen. Wer als Ver­bin­dungs­stück zwi­schen Mann­schaft und Ver­eins­füh­rung fun­giert, muss schon eine gewisse Traglast aus­halten. 

Die Bun­des­liga erlebt gerade wieder aus­ge­prägte Wochen der schwa­chen Glieder: Steve McClaren – ent­lassen nach sieben Monaten im Amt. Michael Front­zeck – ent­lassen nach Treue­schwüren in der End­los­schleife. Louis van Gaal – ent­lassen, mit Wir­kung zum Sai­son­ende. Armin Veh – ätsch, doch ent­lassen, nachdem er geglaubt hatte, er könnte selbst über seinen Abschied ent­scheiden. Felix Magath – ent­lassen, zu einem noch näher zu bestim­menden Zeit­punkt. Pierre Litt­barski – ent­lassen, wenn Dieter Hoeneß seine Sprache wie­der­ge­funden haben wird. 

Es sind, so viel lässt sich schon sagen, keine guten Zeiten für die Trainer der Fuß­ball-Bun­des­liga. Sieben Trainer haben in dieser Saison bereits ihren Job ver­loren, Magath, van Gaal und Litt­barski noch gar nicht mit­ge­zählt. Das ist eine sta­tis­tisch durchaus auf­fäl­lige Häu­fung; die Frage ist nur, ob immer die Trainer den ganzen Miss­erfolg zu ver­ant­worten haben. Oder ob das Pro­blem nicht tiefer oder besser: weiter oben liegt. 

Hoeneß: 14 Monate im Amt, kurz vorm vierten Trai­ner­wechsel

Nehmen wir, aus aktu­ellem Anlass, den HSV, Schalke und Wolfs­burg. Bernd Hoff­mann hat in acht Jahren als Vor­stands­chef der Ham­burger gerade zum achten Mal den Trainer gewech­selt. Auf einen ähn­li­chen Schnitt bringt es auch Schalke mit elf Trai­nern in den ver­gan­genen zehn Jahren, locker über­troffen werden beide aller­dings von Dieter Hoeneß. Der ist beim VfL Wolfs­burg seit 14 Monaten im Amt – und denkt gerade wohl über seinen vierten Trai­ner­wechsel nach, um, zwei Jahre nach der Meis­ter­schaft, den Sturz in die Zweit­klas­sig­keit zu ver­hin­dern. Unter Litt­barski hat der VfL vier von fünf Spielen ver­loren. Ein Fehler wäre es daher wohl nicht, ihn zu ent­lassen. Der Fehler war es, Litt­barski über­haupt als Trainer ein­zu­stellen. Man hätte das wissen können, wenn man sich ein biss­chen mit dessen Trai­ner­bio­grafie beschäf­tigt hätte. 

Das alles wirft die Frage nach der Ver­ant­wor­tung der Manager auf. Immerhin sieht es so aus, als kämen sie diesmal nicht ohne Narben davon. In Wolfs­burg rufen die Fans seit Wochen: Hoeneß raus!“, in Ham­burg wurde der Ver­trag mit Bernd Hoff­mann nicht ver­län­gert, und in Schalke wird wohl nicht nur Trainer Magath gehen müssen, son­dern auch der Spre­cher der Geschäfts­füh­rung. 

Er heißt: Felix Magath.