Mit knapp 20-jäh­riger Ver­spä­tung müssen wir es zugeben: Berti Vogts hatte recht! Dabei ist der ehe­ma­lige deut­sche Natio­nal­trainer über diese zwei Dekaden gerne mal scha­den­froh belä­chelt worden für seine Weis­heit: Es gibt keine Kleinen mehr im Welt­fuß­ball.“ 

Das mag einer­seits daran liegen, dass Vogts selbst nur über die Kör­per­maße eines kleinen Kühl­schranks ver­fügt, ande­rer­seits lässt sich aus diesem Spott aber auch eine gewisse Arro­ganz großer Fuß­ball­na­tionen ablesen, die es bisher als Fuß­ball­gott gegeben ansahen, sich mit geringst­mög­li­chem Auf­wand für Tur­niere zu qua­li­fi­zieren. 

Die Zwerge sind groß geworden

Diese Zeiten sind defi­nitiv vorbei, denn ein Flug durch die Qua­li­fi­ka­ti­ons­gruppen zur EM in Frank­reich zeigt, dass viele Zwerge von einst mitt­ler­weile die ver­meint­lich grö­ßeren Nationen mehr als nur ein biss­chen ärgern. Ob es die Nie­der­lande sind, die der­zeit mit fas­sungs­losem Blick gen Island bli­cken. Oder Spa­nien, das vor dem Duell gegen den Tabel­len­führer Slo­wakei ernst­haft um die direkte Qua­li­fi­ka­tion bangen muss. Der kom­mende WM-Gast­geber Russ­land etwa spürt den kalten Atem Mon­te­ne­gros im Kampf um Platz drei im Nacken. Ein Gefühl, vom dem Grie­chen­land, Euro­pa­meister 2004, nur träumen kann. Die Grie­chen liegen in ihrer Gruppe abge­schlagen auf dem letzten Platz. Hinter Finn­land und den Färöer-Inseln, die ganz nebenbei schon sagen­hafte sechs Punkte gesam­melt haben.

Auch die deut­sche Elf ist alles andere als sicher qua­li­fi­ziert. Die Duelle gegen Polen und Schott­land werden ein hartes Stück Arbeit. Ende offen. 

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Jetzt kann man natür­lich meckern über den hane­bü­chenen Modus der Qua­li­fi­ka­tion, der auch vielen Dritt­plat­zierten die Reise nach Frank­reich garan­tiert. Man kann erbre­chen über die gna­den­lose Auf­blä­hung des Wett­be­werbs von 16 auf 24 Mann­schaften.

Oder man kann sich dar­über freuen, dass mal wieder ein biss­chen mehr Bewe­gung in die olig­ar­chi­sche Grund­ord­nung des euro­päi­schen Fuß­balls kommt. Dass plötz­lich Mann­schaften am größten Erfolg der Ver­bands­his­torie schnup­pern und jeden Punkt in der Qua­li­fi­ka­tion feiern wie den Gewinn des WM-Titels. Dass end­lich mal wieder Span­nung in vielen Gruppen herrscht. Und das Selbst­ver­ständnis der Fuß­ball­mächte mehr und mehr ins Wanken gerät. 

Es wird dre­ckig

Län­der­spiele waren in den letzten Jahren doch nicht mehr als viel Party und lautes Dröhnen aus den Sta­di­on­boxen. Mar­ke­ting­ver­an­stal­tungen in halb­leeren Sta­dien, bei denen sich der gemeine Zuschauer schon sehr geschickt anstellen musste, um nicht von einer Klatsch­pappe erschlagen zu werden. 

Nur für ein Wochen­ende ist das nun ein biss­chen anders, denn es geht wieder um was. Die Spiele gegen Polen und Schott­land könnten dre­ckig werden, weh tun und am Ende steht immer die Mög­lich­keit des Schei­terns. Es darf wieder gezit­tert werden.

Genießen wir es. Wer weiß, wann das so schnell wie­der­kommt. 


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