Johannes B. Kerner (debiles Grinsen): Guten Tag, meine Damen und Herren, zur Bun­des­li­gaele­fan­ten­runde. Ich begrüße vom Deut­schen Meister VfB Stutt­gart Manager Horst Heldt. Außerdem noch Cle­mens Tön­nies vom Zweiten Sch****04, Uli Hoeneß von Bayern Mün­chen, Klaus Allofs, Manager von Werder Bremen, und Hans-Joa­chim Watzke vom Meis­ter­ma­cher“ Borussia Dort­mund.

Rein­hold Beck­mann (setzt sein süßestes Lächeln auf):
Herr Heldt, sie müssen der zufrie­denste Mensch der Welt sein. Ihr VfB Stutt­gart ist über­ra­schend, fast sen­sa­tio­nell Meister geworden, sie sind der Bau­herr dieses Wun­ders. Wie fühlen Sie sich heute, haben Sie den Titel schon rea­li­siert, haben Sie es schon begreifen können, dass Sie Deut­scher Meister, der beste Fuß­ball­verein Deutsch­lands sind, dass sie Deutsch­land in der Cham­pions League ver­treten……………

Cle­mens Tön­nies (grum­melt):
Wir spielen auch Cham­pions League.

Beck­mann:
Ja, Herr Tön­nies, S**** ist sen­sa­tio­nell auch in der Cham­pions League…..

Tön­nies (nuschelt belei­digt): Nicht sen­sa­tio­nell, son­dern zu Recht.

Beck­mann: Also, Herr Heldt, um auf meine Frage zurück­zu­kommen: Wie geht es Ihnen heute?

Horst Heldt:
Gut.

Beck­mann (vor­sichtig nach­fra­gend):
Nur gut? Oder gar sen­sa­tio­nell gut?

Heldt:
Gut eben. Ich bin gesund, meine Familie ist gesund. Alles bes­tens.

Beck­mann: Kein Wort über die Meis­ter­schaft?

Heldt: Dass ich des­wegen nicht in Depres­sionen ver­falle, dürfte doch wohl klar sein, oder?

Beck­mann (nickt heftig und ver­ste­hend):
Natür­lich, Herr Heldt, das ver­stehen wir doch alle.

Kerner (beugt sich zu Uli Hoeneß, setzt ein betrof­fenes Gesicht auf): Uli, die Saison der Bayern ver­lief nicht so optimal. Wie sah es bei euch in der Kabine aus? Da hat Ottmar Hitz­feld doch bestimmt des öfteren richtig Party gemacht?

Uli Hoeneß: Wieso soll da eine Party statt­ge­funden haben? Wir haben eine Mist-Saison gespielt.

Kerner: Party machen meinte ich im Sinne von Radau machen oder die Spieler zurecht­stutzen.

Hoeneß: Was hat das alles mit Party machen zu tun?

Beck­mann:
Richtig, Uli. Das hat damit gar nichts zu tun. (betroffen) Ganz Fuß­ball­deutsch­land fühlte mit euch. Wir jubelten bei eurem Sieg gegen Real Madrid und….

Kerner (noch betrof­fener): Wir waren bestürzt, als die Meis­ter­schaft ver­spielt war, Uli. Deutsch­land braucht ein starkes Bayern Mün­chen. (wech­selt von betrof­fener zu fröh­li­cher Miene) Wer aber so richtig in Par­ty­stim­mung war, das war der FC S***** 04. (plötz­lich wieder betroffen) Bis zum vor­letzten Spieltag. Was war da los, Herr Tön­nies?

Tön­nies:
Wir wurden beschissen, ganz klar. Die ganze Welt hat sich zusam­men­ge­schlossen, um gegen den FC S***** zu kämpfen. Wir haben uns dem Kampf gestellt. Das ist die wirk­lich große Leis­tung der Mann­schaft. Ruhr­pott­so­li­da­rität? Davon war nichts zu spüren. Wir haben den Dort­mun­dern damals geholfen, 95, als wir Bremen schlugen. Ein Jahr später schlugen wir die Bayern kurz vor Sai­son­ende und machten euch zum Meister. Wir sind wahre Helden.

Beck­mann:
Hans-Joa­chim Watzke, was sagen Sie zu den Worten von Cle­mens Tön­nies?

Hans-Joa­chim Watzke: Die Schalker haben sich damals sport­lich fair ver­halten und keine Wett­be­werbs­ver­zer­rung betrieben. Nichts anderes haben wir jetzt am 33. Spieltag gemacht.

Tön­nies: Keine Wett­be­werbs­ver­zer­rung? Das, das ist ja eine boden­lose Frech­heit. Ihr habt eine Sieg­prämie gegen uns aus­ge­lobt. Was seid ihr denn für Men­schen dort in Dort­mund?

Watzke (grin­send):
Wir sind Men­schen, die wissen, wie sich die Meis­ter­schale anfühlt! Wir hatten sie schon in der Hand. Genau wie der Uli, der Klaus und der Horst. Oder, Leute?

(alle außer Tön­nies lachen laut)

Kerner: Dieses Jahr hatte sie aber Horst Heldt alleine in der Hand. Horsti, erklär uns doch mal bitte……

Tön­nies (haut auf den Tisch): Eigent­lich hätten wir sie ver­dient gehabt. Skandal……

Kerner (betroffen):
Cle­mens, das müssen schreck­liche Tage, Wochen für Sie gewesen sein.

Beck­mann (noch betrof­fener):
Das können wir Unwis­sende über­haupt nicht nach­voll­ziehen. Kriege, Hun­ger­ka­ta­stro­phen auf der Welt, aber wahre Tragik kennt nur der Fuß­ballfan.

Kerner (sofort wieder fröh­lich): Aber jetzt wieder zu Ihnen, Horst. Erklären Sie uns mal bitte, wie es der VfB Stutt­gart am Ende geschafft, die Meis­ter­schale zu erringen.

Heldt: Ja, also…..

Tön­nies (wütend): Weil die gesamte Bun­des­liga für die ach so armen Stutt­garter gespielt hat. Die blöden Dort­munder, die doofen Bochumer und alle anderen auch. Selbst die Bie­le­felder hätten ja am letzten Spieltag fast bei uns noch das 2:2 gemacht. Die wollten alle gegen uns gewinnen.

Klaus Allofs: Wie das im Sport halt so ist. Beide Mann­schaften wollen gewinnen.

Tön­nies:
Ach, jetzt meldet sich auch noch der Fisch­kopp zu Wort. Eure Gur­ken­truppe ist doch hinter uns gelandet. HAHA­HA­HAHA (gequältes, unwirk­li­ches Stak­kato-Lachen).

Beck­mann:
Der FC S***** 04 ist amtie­render Vize­meister. Am letzten Spieltag kreiste ein Flug­zeug über der Vel­tins-Arena, mit einem spöt­telnden Spruch­band. (beugt sich zu Cle­mens Tön­nies, legt seine Hand auf Tön­nies’ Hand) Hand aufs Herz, Cle­mens. Unter uns: Wie sehr berührte das die geschun­dene S***** Fan­seele? Was fühlten Sie in dem Moment? Das war doch sicher­lich ein Stich ins blau-weiße Herz. Wie sind Sie mit dieser schwie­rigen Situa­tion umge­gangen? Wer bot Ihnen Halt in diesen schweren Zeiten?

Tön­nies:
Das war unterstes Niveau. Das war ein uner­laubtes Ein­dringen in den S***** Luft­raum. Unser Fan­be­auf­tragter Rolf Rojek sagte deut­lich, wie wir in Zukunft mit sol­chen Situa­tionen umgehen werden.

Kerner: Ihr Fan­be­au­tragter beklagte sich dar­über, dass er das Flug­zeug nicht vom Himmel schießen konnte. Heißt das, in Zukunft wird die Arena mit Flak­ge­schützen aus­ge­stattet?

Tön­nies (schreit):
Ach, hören Sie doch auf, uns solche Dinge zu unter­stellen. Und Sie, Beck­mann, nehmen jetzt end­lich mal Ihre Flosse von meiner Hand.

Beck­mann (erschro­cken und betroffen zugleich): Natür­lich, Cle­mens.

Tön­nies: Fakt ist, dass der Angriff aus der Luft von Dort­munder Seite aus­ging. Das war die nie­der­träch­tigste Aktion, die ich in meinem Fuß­bal­ler­leben mit­ge­kriegt habe. Noch nie­der­träch­tiger, als die Unver­schämt­heit, am 33. Spieltag mit Vollgas gegen uns zu spielen und zu gewinnen.

Watzke (schmun­zelt): Ja, der 33. Spieltag hat großen Spaß gemacht. In jeder Hin­sicht.

Kerner:
Herr Watzke, in zwei Jahren gibt es etwas zu feiern beim BVB. Der Verein wird 100 Jahre alt. Was darf der Fan da erwarten?

Watzke: Herr Kerner, die viel wich­ti­gere Feier steht uns im Jahr 2008 bevor. Da wollen wir gemeinsam fei­er­lich das 50. Jubi­läum der scha­len­losen Gel­sen­kir­chener begehen. Und ganz Deutsch­land ist ein­ge­laden, mit uns zu feiern.

Tön­nies (schreit): Das wird nie­mals geschehen.

Kerner: Dafür müsste S***** 2008 die Schale in den Pott holen. Ist das eine Ansage an die Bun­des­liga, Herr Tön­nies? Obwohl Sie Ihren Spiel­ma­cher Lin­coln per No-Look-Pass an den Bos­porus kickten? (lacht tri­um­phie­rend auf­grund seines ver­meint­lich tollen Spruchs)

Tön­nies: Ja, das ist es. Wir werden Meister, auf jeden Fall.

(Hoe­ness, Allofs, Heldt und Watzke lachen laut­hals los)

Kerner: Sie lachen, meine Herren. Wer wird Ihrer Mei­nung nach Meister?

Hoeneß: Wir natür­lich.

Tön­nies (etwas lauter): Wir natür­lich.

Allofs: Wir natür­lich.

Tön­nies (noch lauter):
Quatsch. Wir natür­lich.

Heldt: Wir natür­lich.

Tön­nies (schreit jetzt):
NEIN. WIR NATÜR­LICH.

Watzke: Gel­sen­kir­chen natür­lich nicht.

Tön­nies (trotzig):
Ihr doofen Dort­munder aber bestimmt auch nicht.

Watzke (lächelt): Na und?

Beckmann: Herr Tön­nies, Sie haben ange­kün­digt, dass Sie beim nächsten Lokal­derby zu den Fans auf die Tri­büne wollen. (nickend, mit ver­ste­hender Miene) Ist das ein Zei­chen ihrer­seits an die Fans: Ja, ich respek­tiere euch, ich bin einer von auch. Wir sind alle Schalker. Wir ziehen an einem Strang. Sind Sie der Oberfan, Herr Tön­nies?

Tön­nies: Oh, jaaaaa, das bin ich. Da können sich Watzke und Co. warm anziehen, da schreien wir sie nieder. Ich kenne ganz viele Schlacht­ge­sänge der krea­tiven Sch***** Köpfe.

Beck­mann (beugt sich inter­es­siert nach vorne):
Ach, wirk­lich? Geben Sie uns doch mal eine Kost­probe, was sie schon gelernt haben.

Tön­nies: Ja, zum Bei­spiel SCH*****, SCH*****, SCH*****, SCH*****

Kerner: Ganz toll, enorm kreativ, Herr Tön­nies. Schön, dass wir drüber gespro­chen haben. Aber…….

Tön­nies: Oder das hier, mein Lieb­lings­ge­sang: EIN LEBEN LANG, BLAU UND W…

Watzke: …KEINE SCHALE IN DER HAND, KEINE SCHALE IN DER HAND, EIN LEBEN LAAAAAANG…

Tön­nies (ringt sichtbar um Fas­sung):
Aber das ist doch der fal­sche Text.…..

Watzke: KEINE SCHALE IN DER…..LOS, SINGT MIT JUNGS.

Watzke, Hoeneß, Allofs, Heldt: EIN LEBEN LAAAAAAAAANG, KEINE SCHALE IN DER HAND, KEINE SCHALE IN DER HAND.

Tön­nies: Rein­hold, Johannes Bap­tist, sorgen Sie doch mal für Ruhe hier!

Watzke, Hoeneß, Allofs, Heldt (Arm in Arm):
EIN LEBEN LAAAAAAAAANG, KEINE SCHALE IN DER HAND, KEINE SCHALE IN DER HAND.

Kerner (schaut Tön­nies mit­füh­lend an): Tut mir leid, Herr Tön­nies. Die aus­ge­las­sene Stim­mung möchte ich nicht stören.

Watzke, Hoeneß, Allofs, Heldt (Arm in Arm ver­lassen sie das Studio): EIN LEBEN LAAAAAAAAANG, KEINE SCHALE IN DER HAND, KEINE SCHALE IN DER HAND, KEINE SCHALE IN DER HAND. EIN LEBEN LAAAAAANG…

(Beck­mann und Kerner gehen eben­falls)

Cle­mens Tön­nies (sitzt etwas ver­loren im Studio, blickt unsi­cher umher und ruft): Deut­scher Meister wird nur der S04“.

(dar­aufhin schal­lendes Gelächter aus der Auf­nah­me­lei­tung)