Seite 2: „Es braucht Transparenz"

Ist die Corona-Infek­tion der neue Mus­kel­fa­ser­riss?
Klingt lustig, aber man kann es nicht ver­glei­chen, weil es keine Sport­ver­let­zung ist. Es ist eine Krank­heit, und man ver­liert für zwei Wochen seine Spiel­be­rech­ti­gung, wenn man sie hat.

Nach den ersten Gesprä­chen mit der DFL im Früh­jahr, wollte das Spie­ler­bündnis fortan mit am Tisch sitzen?
Ja, denn uns war klar, dass Spieler Teil eines Dia­logs sein müssen. DFL-Geschäfts- führer Chris­tian Sei­fert hat sich zuletzt auch regel­mäßig Zeit für uns genommen. Er erkennt den Bedarf an, die­je­nigen ein­zu­binden, die Woche für Woche über den Rasen pflügen. Wobei da noch Luft nach oben ist!

Das Bündnis hat sich die Begriffe Soli­da­rität, Trans­pa­renz und Mit­be­stim­mung auf die Fahnen geschrieben. Aber ist Soli­da­rität unter Fuß­ball­profis nicht eher schwach aus­ge­prägt?
Das würde ich nicht gene­rell so sagen, sonst würde es das Spie­ler­bündnis nicht geben. Mit­be­stim­mung ist der Aus­gangs­punkt, weil wir zunächst nicht in Pro­zesse ein­ge­bunden waren. Und es soll trans­pa­rent sein, warum etwas wie ent­schieden wird, dann gibt es auch grö­ßere Akzep­tanz für die Ent­schei­dungen.

Das neue Spie­ler­bündnis ist keine Orga­ni­sa­tion. Es gibt keine Mit­glied­schaft, keine Wahlen, keinen Vor­sit­zenden, kein Mandat. Es gibt nicht einmal eine Web­site.
Das braucht es alles nicht. Das ist ein lockerer Zusam­men­schluss von Spie­le­rinnen und Spie­lern, ein Netz­werk, in dem man sich gele­gent­lich unter­ein­ander aus­tauscht.

Schade, dass wir den Aus­tausch mit den Spie­le­rinnen nicht schon in den letzten Jahren hatten“

Wird es denn mehr werden?
Das kann ich jetzt noch nicht abschätzen. Aber ich glaube schon, dass das Netz­werk und die VdV ihre Kräfte bün­deln müssen. Aber das ist meine ganz per­sön­liche Mei­nung.

Wo war die Spie­ler­ge­werk­schaft VdV eigent­lich die ganze Zeit?
Sie saß von Beginn an mit am Tisch.

Ver­treten durch Sie?
Nicht nur durch mich. Die VdV hatte dafür gesorgt, dass es besagtes erstes Gespräch von DFL und DFB mit den Spie­lern über­haupt gab.

Sie hat es in Deutsch­land nicht geschafft, nam­hafte Spieler an sich zu binden, wäh­rend
etwa in Ita­lien mit Giorgio Chiel­lini der Kapitän der Natio­nal­mann­schaft vor­an­geht. Wo sind die deut­schen Natio­nal­spieler?
Ich kenne die Mit­glie­der­liste der VdV nicht, viel­leicht sind sie ja dabei.

Aber man hört sie nicht.
Warum das so ist, dürfen Sie mich nicht fragen. Ich stelle gerade aber fest, dass ein Bedarf vor allem am Aus­tausch der Aktiven unter­ein­ander besteht. Übri­gens nicht zuletzt zwi­schen Spie­le­rinnen und Spie­lern, den es vorher über­haupt nicht gegeben hat. Ich habe in der letzten Zeit häufig nach Video­mee­tings mit Natio­nal­spie­le­rinnen gedacht: Schade, dass wir das in den letzten Jahren nicht schon hatten. Dieser Aus­tausch steht für mich im Moment sogar über allem.

Für mich ist die Task Force ein Test­ballon“

Was finden Sie daran so wichtig?
Es ist teil­weise erschre­ckend, wie wenig deut­lich wird, dass die Frauen auf abso­lutem Welt­ni­veau spielen. Es gab zum Bei­spiel Spie­le­rinnen, die als Poli­zis­tinnen beschäf­tigt sind und sich auf­grund von Corona ent­scheiden mussten, ob sie Fuß­ball spielen oder ihren Beruf aus­üben wollten. Wenn du als Beamtin im Dienst bist, kannst du dich näm­lich nicht gleich­zeitig von deiner Umwelt abschließen, um Infek­tionen zu ver­hin­dern. Und noch einmal: Wir reden hier von Sport­le­rinnen auf Welt­ni­veau. In sol­chen Situa­tionen merkt man schon, dass die Bun­des­liga der Männer ihre eigene Blase ist.

Sie sind Mit­glied der DFL-Task Force zur Zukunft des Fuß­balls, die sich im Oktober, November und Dezember traf bzw. trifft. Was wollen Sie da errei­chen?
Um mich per­sön­lich und meine Ansichten geht es nicht. Robin Him­mel­mann vom FC St. Pauli und ich sind dort als Reprä­sen­tanten der Spieler, um das Gesamt­bild der Ansichten der Aktiven in die Dis­kus­sion ein­zu­bringen. Für mich ist die Task Force auch ein Test­ballon, inwie­fern die Inte­gra­tion von Spie­le­rinnen und Spie­lern in solche Gre­mien sinn­voll und ziel­füh­rend ist. Aber wir haben beim ersten Treffen aus­ge­macht, dass wir uns bis zum Ende nicht dazu äußern werden.

Die Bun­des­liga erlöst durch die Ein­nahmen im Sta­dion eine halbe Mil­li­arde Euro, die in dieser Saison ver­mut­lich zu großen Teilen fehlen wird. Die Bezah­lung der Spieler macht unge­fähr 1,5 Mil­li­arden aus, das sind ein Drittel der Kosten. Wird es auch ange­sichts erneuter Geis­ter­spiele um einen mög­li­chen Gehalts­ver­zicht gehen?
Ich kann nicht ein­schätzen, ob es Thema der Dis­kus­sion sein wird. Im Prinzip ent­scheidet das eigent­lich jeder Verein für sich, alle suchen eigene Lösungen.

Aber ist es auf der anderen Seite nicht ein liga­weites Pro­blem, das liga­weit gelöst werden könnte?
Wenn die DFL das mit ihren Mit­glie­der­ver­einen dis­ku­tiert, würde ich es begrüßen. Man müsste natür­lich erst einmal sehen, ob das sinn­voll ist, aber dar­über zu spre­chen, wäre es sicher­lich.

Gibt es eigent­lich am Ver­hältnis zwi­schen Fans und Pro­fi­fuß­bal­lern etwas zu ver­bes­sern?
Da sind wir wieder beim Thema Dialog. Den gibt es fast überall in der Bun­des­liga, wenn Mit­glieder des Mann­schafts­rats sich etwa mit Ver­tre­tern von Fan-Orga­ni­sa­tionen treffen. Das ist gut so. Es lohnt sich aber auch sonst immer, mit­ein­ander zu reden, gerade wenn nach einem schlechten Spiel die Emo­tionen hoch­ko­chen. Geht man dann zum Zaun …

… müssen Sie sich anhören, was für ein Depp Sie sind?
Nein, eben nicht. Da stehen dann zwei erwach­sene Men­schen, die Fuß­ball lieben, und sind sich kom­plett darin einig, wie kacke gerade alles ist. Auch von so etwas lebt der Fuß­ball.