Seite 2: Radikale Krawalle

Vor allem aber spricht er mit den Anhän­gern, mit den hart­ge­sot­tenen und in ganz Europa wegen ihrer Bru­ta­lität und Ent­schlos­sen­heit gefürch­teten Hoo­li­gans. Viele von ihnen stammen aus den trost­losen Hoch­haus­sied­lungen am Stadt­rand von Bel­grad, sind schlecht aus­ge­bildet und halten sich mit Gau­ne­reien und Gele­gen­heits­jobs über Wasser. Schon seit Monaten schwenken sie neben den Fahnen des Klubs auch ser­bi­sche Flaggen. Arkans natio­na­lis­ti­sche Tiraden finden großen Anklang bei den Schlä­gern der Delije“, der Tap­feren“, die nicht nur für ihren Klub kämpfen wollen, son­dern auch für ein starkes, großes und mäch­tiges Ser­bien. Viele von ihnen sind Par­tei­gänger der SPS von Milo­sevic, viele tum­meln sich aber auch im ultra­na­tio­na­lis­ti­schen Umfeld.

Den immer radi­ka­leren und feind­se­li­geren Natio­na­lismus haben sie mit ihren Kon­tra­henten der anderen großen jugo­sla­wi­schen Klubs gemein. Die Bad Boys Blue“ aus der Kurve von Dinamo Zagreb etwa radi­ka­li­sieren sich eben­falls, hier ist es Franjo Tud­mans Partei HDZ, die das Volk mit natio­na­lis­ti­schen Parolen vor allem gegen die ser­bi­sche Bevöl­ke­rung in der Kra­jina-Region auf­hetzt. Die Pro­pa­ganda trifft auf offene Ohren. In der Dinamo-Fan­kurve wehen seither zahl­reiche Fahnen der Usta­scha, des faschis­ti­schen kroa­ti­schen Regimes im Zweiten Welt­krieg. Viele Zagreber Hoo­li­gans werden später die vierte Bri­gade der kroa­ti­schen Armee bilden, nicht wenige tragen ihre Fan­schals zur Uni­form.

Gegen die Bad Boys“ und gegen die Tor­cida“ aus Split sollen die Bel­grader Hoo­li­gans ihren Mann stehen, so will es Arkan, der die Fans zu Sol­daten aus­bildet und sie in ein­fa­chen mili­tä­ri­schen Tak­tiken schult. Noch haben sie keine Gewehre, dafür sollen sie mit ihren Fäusten, mit Steinen und Eisen­stangen kämpfen. Ich sorgte dafür, dass sie sich die Haare kurz schnitten und jeden Tag rasierten, außerdem hörten sie auf zu trinken“, prahlt Arkan später selbst­zu­frieden. Und dann nahm alles seinen Lauf.“

Radi­kale Kra­walle

Den nimmt es tat­säch­lich. Am 13. Mai 1990 fahren tau­sende Anhänger aus Bel­grad nach Zagreb, zum Spiel gegen den Kon­kur­renten Dinamo. Die Stim­mung ist auf­ge­heizt. Die ersten freien Wahlen in Kroa­tien sind erst ein paar Wochen her. Zagreb ist ser­bisch“, grölen die Fans aus den geöff­neten Zug­fens­tern, und: Slo­bodan, schick uns Salat! Es wird Fleisch geben, wenn wir die Kroaten schlachten.“ Bereits vor dem Spiel kommt es in der Stadt zu wilden Schlä­ge­reien, die im Mak­simir-Sta­dion nahtlos fort­ge­setzt werden. Die Polizei greift nur zöger­lich ein, was ihr in den kroa­ti­schen Tage­zei­tungen den Vor­wurf ein­tragen wird, die Kra­walle noch beför­dert zu haben. Ein dichter Stein­hagel geht auf die ser­bi­schen Anhänger nieder, die dar­aufhin Sitz­schalen aus der Ver­an­ke­rung reißen und mit Mes­sern auf die Dinamo-Fans los­gehen. Arkan, der Mit­or­ga­ni­sator der Kra­walle, betritt erst mit der Mann­schaft das Sta­dion. Videos zeigen ihn, wie er zufrieden hinauf zu den Kra­wallen auf die Tri­bünen blickt. Wie der Diri­gent eines Orches­ters, der sein Werk betrachtet“, schreibt sein Bio­graf Chris­to­pher Ste­wart. Die Aus­schrei­tungen wollen nicht abebben, die Bel­grader Spieler ziehen sich schließ­lich in den Umklei­de­raum zurück, die Dinamo-Spieler lie­fern sich auf dem Rasen Schar­mützel mit der Polizei. Dinamo-Kapitän Zvonimir Boban tritt nach dem Poli­zei­of­fi­zier Refik Ahme­tovic und wird anschlie­ßend von Zagreber Hoo­li­gans vom Platz geleitet – eine Attacke, die Boban zu einer Ikone kroa­ti­scher Natio­na­listen macht und das Ende des gesamt­ju­go­sla­wi­schen Liga­fuß­balls ein­läutet.

Erst nach Stunden bekommt die Polizei die Lage unter Kon­trolle. Die Spieler von Roter Stern Bel­grad werden mit einem Heli­ko­pter aus­ge­flogen. Dem Bel­grader Coach prü­gelt Arkan höchst­per­sön­lich den Weg durch eine Gruppe von Dinamo-Hoo­li­gans frei. Mit stolz­ge­schwellter Brust fahren die Bel­grader Hoo­li­gans heim. Die Kra­walle im Mak­simir sind nur der Auf­takt.

Die Auf­tritte von Roter Stern im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister werden von Aus­schrei­tungen über­schattet. Als der DDR-Meister Dynamo Dresden im Vier­tel­fi­nale in Bel­grad gas­tiert, machen die ein­hei­mi­schen Anhänger in den Straßen Jagd auf die Dynamo-Anhänger, die sich im Rück­spiel mit Leucht­ra­keten und Stein­würfen revan­chieren.