Manuel Neuer
Kein anderer Tor­wart wird so häufig als welt­bester Keeper“ bezeichnet, obwohl er noch nie zum Welt­tor­hüter gekürt wurde. Gegen Por­tugal recht­fer­tigte Manuel Neuer die ton­nen­schweren Lor­beer­kränze auf seinem Haupt. In der Luft so domi­nant wie Tarzan, auch sonst feh­ler­frei. Einen Flat­ter­ball von Ronaldo lenkte er mit dem Hand­rü­cken um den Pfosten und ver­hin­derte damit ein Tor, das ihm im schlimmsten Fehler anschlie­ßend ange­kreidet worden wäre. Ganz stark sein Ein­satz gegen Varela: Mit der Fami­li­en­pla­nung wehrte Neuer den Schuss aus kurzer Distanz ab. Dürfte damit nun die viel­leicht welt­besten Eier“ besitzen.

Jerome Boateng
Was wurde nicht geschrieben, geredet, get­wit­tert und (Vor­sicht, Fuß­ball­sprache!) geflachst über den nächt­li­chen Aus­flug von Jerome und Gina-Lisa. Gina-Lisa hat sich inzwi­schen ent­schul­digt, Jerome wurde von Joa­chim in die Pflicht genommen und nahm sich das gegen Por­tugal und vor allem Cris­tiano Ronaldo zu Herzen. Sen­sa­tio­nell seine Jürgen-Kohler-Gedächtnis-Grät­sche gegen den in den Straf­raum schwe­benden Super­star, Mitte der zweiten Halb­zeit. Da lachte selbst die größte Tra­di­tio­na­lis­ten­seele laut auf. 11FREUNDE for­dert: Holt Gina-Lisa ins Mann­schafts­quar­tier! Bes­sere Moti­va­tion geht scheinbar nicht.

Mats Hum­mels
Sah schon vor dem Spiel aus wie jemand, der weiß, was er vorhat: Kühl, kon­zen­triert, kil­ler­kal­le­mäßig. Das Beste: Hum­mels spielte dann auch tat­säch­lich so. Nach anfäng­li­chen Abstim­mungs­pro­blem­chen mit Innen­ver­tei­di­ger­kol­lege Bad­stuber räumte Dort­munds Hüne gewis­sen­haft ab, was in seine Nähe kam, spielte sau­bere Pässe nach vorne, ver­brei­tete Ruhe und Ent­span­nung wie sonst nur die asia­ti­schen Mus­kel­kne­te­rinnen im nahen Mas­sa­ge­salon und wenn mal gar nichts ging in der deut­schen Offen­sive, dann sprin­tete Hum­mels eben nach vorne wie anno dazu mal der Kaiser, mit dem er ja schon so häufig ver­gli­chen wurde. Ges­tern zu Recht.

Holger Bad­stuber
Erstaun­lich, wie lässig und zugleich kon­zen­triert Holger Bad­stuber seinen Job ver­richtet. Gegen den quir­ligen Nani schien er zunächst Pro­bleme zu haben, dann hatte sich der Bayer ein­ge­groovt. Seine Pässe in die Spitze macht ihm keiner nach: Mes­ser­scharf, irre genau, ver­dammt schnell. Gleich­zeitig wird er immer robuster. Wenn es die Auf­gabe ver­langt, tritt er seinem Gegen­spieler eben auch mal gelb­würdig in die Hacken. Gut so!

Philipp Lahm
Das Per­pe­tuum mobile der Natio­nal­mann­schaft, wahl­weise der VW Käfer. Lahm läuft und läuft und läuft. Immer auf einem hohen Niveau. Gegen Por­tugal aller­dings nicht, wie so häufig gesehen, auf Welt­klasse-Niveau, das machte sich gleich in der Offen­sive bemerkbar: Ein Lahm in Spit­zen­ver­fas­sung hätte selbst den müden Lukas Podolski mit­ge­rissen. So immerhin noch ein gutes Spiel.

Sami Khe­dira
Liegt es an seiner Freundin, der GNT (für Unwis­sende: Ger­manys Next Topmodel)-Lady Lena Gercke? Die wurde ges­tern samt den anderen Spie­leran­häng­seln ein­ge­flogen, trug kurze Hosen zu langen Beinen und wurde gleich mal von der ver­sam­melten Foto­gra­fen­meute riemig abge­knipst. All eyes on Lena, ihr Freund Sami Khe­dira pro­fi­tierte davon offenbar: Gegen Por­tugal war er der Boss auf dem Platz, der noch sichtbar müde Schwein­s­teiger ver­blasste etwas neben dem for­schen Auf­tritt des Madri­lenen.

Bas­tian Schwein­s­teiger
Eher eine Dar­bie­tung für Fuß­ball­fach­leute. Die werden gesehen haben, wie Schwein­s­teiger orga­ni­sierte, Löcher stopfte, Mit­spieler ver­teilte. Für uns Nor­mal­sterb­liche war der Bayer häufig nicht sichtbar und blass in der Offen­sive. Trotzdem schön, dass er wieder spielen darf.

Thomas Müller
ARD-Experte Mehmet Scholl wird immer dann richtig gut, wenn er Natio­nal­spieler vom FC Bayern ana­ly­siert. Die kennt er näm­lich aus dem Effeff. Müller, so Scholl, habe zwar keinen Sahnetag gegen Por­tugal erwischt, aber statt­dessen geackert und gekämpft, um wenigs­tens den Rasen umzu­pflügen. Dem ist nichts mehr hin­zu­zu­fügen.

Mesut Özil
Bei Özil weiß man ja nie. Auch gegen Por­tugal wollte man ihn wäh­rend des Spiel mehr­mals abschreiben, zu schluffig, zu müde, zu wenig inspi­riert wirkte der deut­sche Spiel­ma­cher. Doch jedes Mal schüt­telt Özil dann wieder einen Welt­klasse-Pass aus dem Gelenk. Gegen Por­tugal aller­dings ohne anschlie­ßenden Tor­er­folg. Trotz des eher blassen Auf­tritts bleibt fest­zu­halten: Gut, so einen Spieler in der eigenen Mann­schaft zu haben. Vor zehn Jahren hätte Mesut Özil noch Luis Figo geheißen und wäre für Por­tugal auf­ge­laufen.

Lukas Podolski
Wirkte noch etwas konfus in seinen Aktionen, es machte trotzdem Spaß ihm zuzu­sehen. Wenn Podolski los­sprintet, dann wackelt die Heide. Eine tolle Vor­lage von Özil hätte er bei­nahe ins Tor gewuchtet, weil das Spiel­gerät kurz vor der Fuß­be­rüh­rung noch einmal hop­pelte, wurde statt­dessen ein miss­glückter Ver­such aus dem eigent­li­chen Traumtor. Wird seine Hütten ganz sicher noch machen.

Mario Gomez
Hin­terher ist man immer schlauer: 72 Minuten lang wollte man sich am liebsten Natio­nal­trainer Löw packen und ihm eine Erklä­rung abringen, warum in Gottes Namen er denn bitte Mario Gomez statt Miro Klose auf den Platz geschickt hatte, da schmet­terte besagter Gomez eine abge­fälschte Flanke von Khe­dira mit der Stirn ins Netz. Ein sagen­hafter Kopf­ball, der das Spiel ent­schied. Gomez, zuvor nur Mit­läufer, hatte seinen Job gemacht. Noch Fragen?

Miroslav Klose
Wurde ges­tern 34, und bekam die Geburts­tags­torte quasi vor der Nase weg­ge­zogen, als Gomez kurz vor seiner Aus­wechs­lung doch noch das Tor machte. Da musste Klose das Reser­ve­spieler-Leib­chen wieder anziehen. Er wird sich trotzdem gefreut haben. Kam dann doch noch, sprin­tete ein paar Mal wüst über den Platz und erlebte den Abpfiff live mit. Happy Bir­thday nach­träg­lich!

Toni Kroos
War nur drei Minuten auf dem Platz, zu wenig für eine schnelle Ein­schät­zung seiner Leis­tung gegen die Por­tu­giesen. Was richtig Laune macht: Dass die deut­sche Natio­nal­mann­schaft einen Toni Kroos kurz vor Schluss von der Bank bringen kann. Ein­fach so.

Lars Bender
Ein Super­sprint von Lars Bender!“, rief ARD-Mann Gerd Gottlob noch ins Mikro, dann war das Spiel aus. Ben­ders Bilanz: Ein Sprint, einen kurzen Pfosten gedeckt (erfolg­reich), eine Ecke über­standen, Spiel gewonnen.