Lesen Sie hier die ersten WM-Kolumnen: Teil eins, Teil zwei, Teil drei.

Das Spiel von Russ­land gegen Kroa­tien war ein echter Krimi. Wir hatten mit Fener­bahce gerade ein Test­spiel absol­viert, also habe ich das Spiel auf der Heim­fahrt auf dem Handy geschaut. Ich war so nervös, dass mir das Handy ein paar Mal her­un­ter­ge­fallen ist. Russ­land war tak­tisch sehr gut ein­ge­stellt und hat es vor allem gegen Luka Modric gut gemacht: Er kam nicht oft in die gefähr­li­chen Zonen.

So einen Spieler kann man aber nicht über die gesamte Spiel­dauer kom­plett aus­schalten. An sich spielten wir sehr dis­zi­pli­niert, haben nicht viel falsch gemacht. Was man als Ein­ziges bemän­geln kann: Nach dem Traumtor von Denis Che­ryshev haben wir viel­leicht zu schnell und zu ein­fach den Aus­gleich kas­siert. Auf diesem Niveau werden solche Klei­nig­keiten direkt bestraft. Umso stärker ist die Mann­schaft nach dem 1:2 zurück­ge­kommen, da halfen die Fans im Rücken! Ins­ge­samt war es meiner Mei­nung nach ein aus­ge­gli­chenes Spiel mit den bes­seren Chancen für Kroa­tien.

Wow! Der hat Eier!“

Unser Trainer Sta­nislaw Tschertsch­essow hat wie ein Ani­ma­teur an der Sei­ten­linie die Fans auf­ge­putscht. Genau so kenne ich ihn. Er ist ein sehr emo­tio­naler Typ. Tschertsch­essow hat gemerkt, wie sehr die Spieler die Unter­stüt­zung von den Rängen brau­chen. Die Fans haben bei dieser WM eine große Rolle gespielt. Ich sage: Ohne sie wäre Russ­land nicht so weit gekommen und nicht so selbst­be­wusst auf­ge­treten.

Dann kam es ins Elf­me­ter­schießen – und das war auch nicht gut für meine Nerven und mein Handy. Fedor Smolov ver­schoss den ersten Elfer direkt mit einem Lupfer. Ganz ehr­lich, ich weiß nicht, was er da vor­hatte. Viel­leicht wollte er den Ball in die Mitte schießen und hat sich dann durch die Bewe­gungen des kroa­ti­schen Tor­hü­ters irri­tieren lassen. Aber ich mache ihm keinen Vor­wurf; wenn der Tor­wart in die andere Ecke springt, sagt jeder: Wow! Der hat Eier!“