Neymar, wenn man in Deutsch­land von Bra­si­lien spricht, fallen auto­ma­tisch die Begriffe: Samba, Kar­neval und Pelé. Was erin­nert Sie an Deutsch­land?
Mir fallen natür­lich sofort die klasse Fuß­baller ein: Miroslav Klose, Thomas Müller und Bas­tian Schwein­s­teiger gehören für mich zu den besten der Welt.

Woher kennen Sie diese Spieler?
Natür­lich von der Play­sta­tion. (lacht) Aber ich beob­achte auch ihr echtes Spiel. Ich bin jung und kann von jedem Spieler etwas lernen. Zum Bei­spiel von Bas­tian Schwein­s­teiger. Er ist für mich einer der besten Spieler, die ich über­haupt jemals gesehen habe. Seine Über­sicht, sein Pass­spiel, seine Prä­senz auf dem Platz – daran kann ich mich ori­en­tieren.

Und welche deut­sche Mann­schaft wählen Sie auf der Kon­sole?
Den FC Bayern Mün­chen.

Bisher hat man gehört, dass Sie bei einem Wechsel nach Europa vor allem auf die spa­ni­schen Top­klubs Real Madrid und den FC Bar­ce­lona schielen. Nun kehrt mit Pep Guar­diola ein biss­chen Barca in die Bun­des­liga. Bleibt Spa­nien die ein­zige Option für Sie?
Natür­lich sind der FC Bar­ce­lona und Real Madrid sehr attrak­tive Klubs. Aber meine Ent­schei­dung fällt defi­nitiv nicht nur zwi­schen diesen beiden Mann­schaften. Mir ist wichtig, dass ich zu meiner neuen Mann­schaft passe, mich wei­ter­ent­wi­ckeln kann und mich vor allem wohl fühle. Da gibt es einige Klubs in Europa, die dafür in Frage kommen.

Ist auch der FC Bayern eine Option?
Bayern Mün­chen ist ein großer Verein mit her­aus­ra­genden Spie­lern. Jetzt bekommen sie einen der besten Trainer der Welt. Ich kann mir das durchaus vor­stellen.

Hat Ihr neuer Natio­nal­mann­schafts­kol­lege Dante Ihnen schon von Mün­chen vor­ge­schwärmt?
Dante ist ein ver­dammt guter Innen­ver­tei­diger und ein feiner Kerl. Ich kannte ihn vorher nur von Videos, jetzt bringt er eine große Qua­lität in unsere Mann­schaft. Über Mün­chen haben wir uns aber nicht unter­halten.

Welche Dinge fallen Ihnen außer­halb des Fuß­balls zu Deutsch­land ein.
An erster Stelle natür­lich die her­vor­ra­gende Orga­ni­sa­tion und die Zuver­läs­sig­keit. Nicht umsonst baut zum Bei­spiel Volks­wagen so beliebte Autos. Aber ich erin­nere mich auch an die tollen Sta­dien und die her­vor­ra­genden Fans, die mich bei meinem letzten Besuch einen beein­dru­ckende Emp­fang bereitet haben.

Die bra­si­lia­ni­sche Liga findet in Europa keine allzu große Auf­merk­sam­keit. Viele sagen, dass Sie des­wegen bei der Wahl zum Welt­fuß­baller auch nicht in den Fokus rücken können. Sehen Sie sich schon auf einer Stufe mit Messi, Ronaldo, Iniesta und Xavi?
Nein! Messi, Ronaldo und Iniesta spielen in einer ganz anderen Liga. Sie sind ein­zig­artig, nicht nur als Fuß­baller, son­dern eben auch als Men­schen. Jeder arbeitet daran, um viel­leicht eines Tages auf dem Niveau dieser Spieler zu sein.

In der Natio­nal­mann­schaft spielten Sie zuletzt mit Ronald­inho zusammen. Ist er für Sie ein war­nendes Bei­spiel im Bezug auf eine nach­hal­tige Kar­rie­re­pla­nung?
Man kann die Situa­tionen nicht mit­ein­ander ver­glei­chen. Ronald­inho war viel jünger, als er nach Europa gegangen ist. Er ist dort zum besten Spieler der Welt gereift. Ich nehme mir die Zeit, um in Bra­si­lien zu wachsen. Aber es ist ein Kind­heits­traum von mir, eines Tages in Europa zu spielen.

Im Spiel gegen Eng­land hat er Ihnen einen Elf­meter weg­ge­schnappt und ver­schossen. Ärgert Sie das?
Sicher hätte ich auch gerne geschossen. Aber dann hat es eben Ronald­inho ver­sucht. Das er nicht getroffen hat, ist kein Pro­blem. So etwas gehört zum Fuß­ball dazu.

Der WM-Titel 2014 ist das große Ziel für den bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball. Wann ist für Sie der rich­tige Zeit­punkt gekommen, um etwas Neues aus­zu­pro­bieren?
Der Zeit­punkt rückt defi­nitiv näher. Ich werde mich in Ruhe mit meiner Familie abstimmen, wann der rich­tige Zeit­punkt gekommen ist. Ob das in einem halben Jahr oder nach der WM ist, kann ich zum jet­zigen Zeit­punkt nicht sagen.

Man kennt Ihre fan­tas­ti­schen Solo­läufe, bei You­tube werden Ihre Videos mil­lio­nen­fach geklickt. Im Spiel gegen Eng­land standen Sie mal wieder euro­päi­schen Ver­tei­di­gern gegen­über. Bemerken Sie da Unter­schiede?
Natür­lich. In Europa hat man ein­fach viel weniger Raum, um sich zu ent­falten. Es ist geht härter zur Sache und alles ist etwas schneller. Daran muss ich mich gewöhnen.

Sie sind das Gesicht der aktu­ellen Selecao. Das ganze Land setzt alle Hoff­nungen in Sie. Spüren Sie den Druck?
Von Druck kann keine Rede sein. Ich tue ein­fach nur das, was ich liebe. Ich spiele in der Selecao, da ver­sucht jeder immer sein Bestes zu geben. Aber eine Belas­tung ist das für mich nicht.

Aber Sie rea­li­sieren schon, dass die Fans bei­nahe in Ohn­macht fallen, wenn Sie in Ball­nähe kommen?
Wenn ich am Ball bin, nehme ich gar nichts mehr wahr. Dann gibt es nur mich und den Ball. Aber wenn er mal etwas weiter weg ist, höre ich doch mal die ein oder andere krei­schende Stimme.

Momentan steht Bra­si­liens auf Platz 18 der Welt­rang­liste und kann nicht zum Favo­ri­ten­kreis bei der WM gezählt werden. Was muss sich kon­kret ver­bes­sern in den nächsten Monaten?
Es gibt einige Sachen, an denen wir arbeiten müssen. An erster Stelle steht das Zusam­men­spiel. Ich glaube aber, dass dieses Ver­ständnis unter­ein­ander immer besser wird, je öfter wir in Zukunft zusam­men­spielen. Wenn sich das ver­bes­sert, ver­traue ich darauf, dass wir auch bei der WM 2014 unser Ziel errei­chen.

Wie bewerten die hei­mi­schen Fans die Aus­gangs­lage für die Selecao?
Natür­lich erwarten die Fans den Titel von uns. Da ist auch ein gewisser Druck da. Aber ganz unab­hängig davon, dass wir für sie laufen und kämpfen wollen, können die Fans uns auch helfen. Durch ihre Unter­stüt­zung tragen Sie dazu bei, dass wir sicherer werden. Als Ein­heit können wir auch unser großes Ziel errei­chen.

Der­zeit gilt die deut­sche Mann­schaft als Mit­fa­vorit auf den WM-Titel. Hat sie das Zeug zum Welt­meister?
Die deut­sche Mann­schaft ist sehr, sehr gut. Sie gehören mit Spa­nien und Bra­si­lien immer zu den Titel-Anwär­tern bei einem großen Tur­nier. Aber bis zum Tur­nier sind es noch viele Monate hin. Des­wegen kann man jetzt sicher noch keinen Favo­riten aus­ma­chen.

Vor der WM 2014 steht in Bra­si­lien aber noch ein anderes High­light auf dem Plan: der Kar­neval. Bei einer Tri­kot­prä­sen­ta­tion sah man zuletzt hun­derte Men­schen mit Neymar-Masken auf­laufen. Ist so eine Maske für Sie viel­leicht eine Mög­lich­keit, auch mal in Ruhe zu feiern?
(lacht) An diese Mög­lich­keit habe ich bisher noch gar nicht gedacht. Aber danke für den Tipp. Ich werde es ein­fach mal aus­pro­bieren.