Seite 3: „Wer im Leben nicht verliert, der weiß nicht, wie schön Gewinnen ist.“

Es hat sich gelohnt: Der MSV Duis­burg nahm Sie unter Ver­trag. 

Mein erstes Spiel machte ich am 3. Spieltag als Links­außen in Bremen. Mein Gegen­spieler: Horst-Dieter Höttges. Das weiß ja heute keiner mehr, was das bedeutet! Nach 20 Minuten hat der mich so umge­hauen, dass ich geblutet habe. Später kommt eine Flanke von rechts, und der Ber­nard Dietz haut das Ding in den Giebel. 1:0. Erstes Spiel, erstes Tor. Gewonnen haben wir 2:0. Zum nächsten Heim­spiel kamen aus Bockum-Hövel ein paar hun­dert Leute nach Duis­burg, Ennatz, Ennatz“, brüllte der halbe Steh­platz­block. Und so kam ich auf 30 Spiele als Links­außen.

Wie wurden Sie Ver­tei­diger? 

Vor meiner dritten Saison haben wir ein paar Test­spiele in Eng­land gemacht. Rudi Fass­nacht kam als Trainer und stellte mich als linker Ver­tei­diger auf. Der wusste, der Ber­nard fliegt in alles rein, der hat vor nichts Angst. Die Eng­länder mit ihrem Kick and Rush preschten mir ent­gegen, aber ich habe alles weg­ge­hauen. Von da an war ich Abwehr­spieler. 

Kein Spieler in der Bun­des­liga hat so oft ver­loren wie Sie: 495 Spiele, davon 221 Nie­der­lagen! 

Ich kenne die Zahl. Erst habe ich gedacht: Das kann nicht sein. Aber in zwölf Jahren MSV haben wir viel­leicht neun Mal gegen den Abstieg gespielt. Ich war jede Saison über 30 Spiele dabei. Da ver­lierst du eben oft. Und in den drei Bun­des­li­ga­jahren auf Schalke kamen auch noch Nie­der­lagen dazu. Ich sag immer: Wer im Leben nicht ver­liert, der weiß nicht, wie schön Gewinnen ist.

Und es gab schließ­lich auch Erfolge. 

Klar, vor allem die Heim­spiele gegen die großen Bayern in den Sieb­zi­gern. Ich habe mal gesagt, wenn wir nur zu Hause gegen die Bayern spielen würden, wäre der MSV Deut­scher Meister. Es gab Sieg auf Sieg: 1971 am letzten Spieltag 2:0, tau­sende Zuschauer auf der Lauf­bahn. Nach dem zweiten Tor hat sich Sepp Maier ver­letzt raus­tragen lassen, weil ihn angeb­lich Zuschauer ange­rem­pelt hätten. Es half nichts. Glad­bach wurde durch unser 2:0 Meister. Gegen Mün­chen habe ich die meisten Tore gemacht, auch später auf Schalke noch. Mein abso­luter Lieb­lings­gegner. In Duis­burg habe ich 1977 einmal vier Stück beim 6:3 gemacht. Als Ver­tei­diger! Das hat es nie mehr gegeben.

Als Trainer haben Sie später, wie soll man sagen, ver­sagt?! 

In Bochum war ich sieben Jahre Jugend- und Ama­teur­trainer, das war sen­sa­tio­nell. 14 meiner Spieler wurden später Profis, einige sogar Natio­nal­spieler: Leute wie Yil­d­iray Bastürk, Paul Freier, Frank Fah­ren­horst, Delron Buckley. Die hatte ich, seit sie 16 waren. Denen habe ich gesagt: Andere sagen dir, wie toll du bist und was du kannst. Ich sage dir, was du alles noch nicht kannst. Dann sollte ich nicht mehr Talente aus­bilden, son­dern 1999 die Profis in der 2. Liga betreuen. Ich bin drauf ein­ge­gangen und wollte den Job nur sieben Spiele bis zur Win­ter­pause machen. Wir haben fast alles gewonnen, die VfL-Fans haben gesungen Wir wollen keinen andern …“. Aber nee, ich bin wieder zu meinen Ama­teuren, die brauchten mich. Andert­halb Jahre später wieder das Gleiche. Ich habe es also noch mal bei den Profis ver­sucht. Erst wurde der Sohn von Klaus Topp­möller ver­pflichtet. Da wusste ich nix von. Dann kam Dariusz Wosz zurück aus Berlin. Ich fragte nur, warum? Da sagte der Prä­si­dent Werner Alte­goer: Musste sein. Der Alte­goer war immer da. Als ich in die Kabine kam, saß er schon da. Ständig hielt er Reden. Da wirste madig. Einmal nach dem Abschluss­trai­ning kam er zu mir: Der Wosz muss Kapitän werden, der Schröder aus der Mann­schaft …“ Da habe ich gesagt, kein Pro­blem, und bin auf­ge­standen. Sagt der: Was machen Sie jetzt?“ Sage ich: Ich gehe nach Hause. Wenn Sie das alleine machen können, brau­chen Sie mich ja nicht und können das Gehalt sparen. Abfin­dung können Sie auch behalten. Wenn ich nicht arbeite, will ich kein Geld.“ Ich habe immer gesagt, wenn ein Spieler sich irgendwo oben aus­weint und Gehör kriegt, ist es vorbei. Dann bist du als Trainer angreifbar. Und wenn du mit Herz dabei bist, gehste kaputt.