Meine Lieb­lings­frisur“ ist gar keine. Sie ist das Gegen­teil davon: eine Glatze. Und ich liebe sie auch nicht. Wie könnte ich? Ende der Durch­sage.

Ent­schul­di­gung. Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber beim Thema Haare werde ich patzig. Ich bin ja nicht Alain Sutter, der wahr­schein­lich auch im vor­ge­rückten Alter noch seine blonden Zöpfe aus der Keme­nate eines schwei­ze­ri­schen Mär­chen­schlosses her­ab­lässt, damit Adrian Knup sich daran empor­han­geln kann. Alain Sutter liebe ich übri­gens auch nicht. Eben­so­wenig wie den Kol­legen, der sich die Rubrik Meine Lieb­lings­figur“ aus­ge­dacht hat. Quo vadis, Fuß­ball­jour­na­lismus?

Dein Reich komme, mein Haar wachse

Ich habe Angst. Angst vor Haar­aus­fall – und das seit ich meinen Vater kenne, also natür­gemäß schon immer. Sonn­tags am Bade­zim­mer­spiegel seinen Haar­kranz strie­gelnd, kurz vor dem Kirch­gang, pro­phe­zeite er mir, ich würde eines Tages genauso aus­sehen, Junge. Mit spä­tes­tens Mitte 20!“ Ich betete dann immer beson­ders dolle. Dein Reich komme, mein Haar wachse.

Es half nichts. Diese Angst sitzt so tief, ja, sie ist so sehr zur Meta­pher für alle Ängste geworden, irgend­etwas zu ver­lieren (das Pokal­spiel in der ersten Runde gegen den FSV Salm­rohr, mein Porte­mon­naie, meine Freunde, den Ver­stand), dass Glat­zen­bil­dung mitt­ler­weile mein geringstes Pro­blem ist – und ich es fast schon wieder gelassen hin­nehme, bald tat­säch­lich keine Haare mehr auf dem Kopf zu haben. Immerhin: Irgend­wann kann man ein­fach keine noch schlech­tere Laune mehr bekommen. Ich lasse mir übri­gens seit geraumer Zeit einen Mie­se­peter-Voll­bart stehen.

Es ist viel zu spät für vieles. Vor allem ist es zu spät, die Idee noch umzu­setzen, auf die Gian­luca Vialli, der Stürmer von Juventus Turin, vor vielen Jahren kam: Er ließ sich die Haare abra­sieren – um dem Haar­aus­fall vor­zu­beugen“, wie ich sei­ner­zeit der Sport Bild“ ent­nahm. Das war ent­weder genial oder total behäm­mert, jeden­falls ver­stand ich es nicht auf Anhieb. Das klang wie: Ich zünde meine Haus an, damit es nicht abbrennt. Ich kannte nie­manden, der so was macht. Und ich bin inmitten von Scheunen auf­ge­wachsen, in die andau­ernd der Blitz ein­schlug.

Ein beinah phi­lo­so­phi­sches Pro­blem

Natür­lich kann man Feuer mit Feuer bekämpfen, aber nur wenn schon ein Feuer da ist, bevor man selbst eines legt. Ich kam ins Grü­beln: Sah Vialli bereits die ersten Anzei­chen für Haar­aus­fall? Oder wollte er sie gar nicht erst sehen? Ein beinah phi­lo­so­phi­sches Pro­blem. Keine Mel­dung aus der Sport Bild“ beschäf­tigte mich je wieder so intensiv. Außer viel­leicht Oliver Kreu­zers Aus­sage nach seinem Wechsel vom KSC zum FC Bayern: Ich bin so teuer wie ne Ten­nis­halle.“

Dieser Kreuzer ist übri­gens noch im Voll­be­sitz seiner Haare. Und hat mal mit Alain Sutter beim FC Bayern zusam­men­ge­spielt. Sehr ver­dächtig. Und Vialli? Der ver­folgt sein irre Vor­beu­gungs­stra­tegie noch immer. Trägt eine Glatze, um keine zu kriegen. Ob er als Tatter­greis dann noch mal ordent­lich wachsen lässt? Den Tag möchte ich nicht erleben. Denn ich hasse Haare.