I get kno­cked down, but I get up again. You are never gonna keep me down“ schallt es durchs weite Rund. Nor­ma­ler­weise würden sich jetzt tau­sende Fans in schwarz-grünen Tri­kots glück­lich in den Armen liegen. Immerhin hat ihr US Sas­suolo Calcio gerade einen 0:2‑Rückstand gedreht und führt. Gegen Juventus Turin, den Rekord­meister. Fran­cesco 
Caputo streckt seine Zunge über­schwäng­lich heraus und voll­führt einen Jubel, den sie in dieser Saison schon einige Male gesehen haben: Mit seiner typi­schen Trink-ein-Bier-Geste rennt er grin­send zur Eck­fahne und lässt sich dort von seinen Kol­legen feiern.

Vor 14 Jahren hätte wohl nie­mand und auch Fran­cesco Caputo selbst nicht daran geglaubt, dass der Stürmer mal ein Tor in der Serie A schießen würde. Geschweige denn gegen das über­mäch­tige Juve. Mit 19 Jahren spielte Caputo näm­lich noch in der neunten ita­lie­ni­schen Liga bei Real Alma­tura. Wenige Kilo­meter weiter ent­fernt wurde schließ­lich der A.S. Noi­cattaro Calcio auf den Stürmer auf­merksam und holte ihn in die vierte Liga. Obwohl Caputo, den alle wegen seines Vor­na­mens nur Ciccio rufen, damit ganze vier Ligen über­sprang, sollte auch Noi­cattaro nur eine Durch­gangs­sta­tion sein.

Ent­de­cker Antonio Conte

Denn nur 40 Auto­mi­nuten von seinem Hei­matort Alma­tura ent­fernt nahm ein gewisser Antonio Conte, der zu diesem Zeit­punkt selbst noch am Anfang seiner Trai­ner­kar­riere stand, von Caputo Notiz. Conte gab ihm die Chance, für den AS Bari in der Serie B auf Tore­jagd zu gehen. Ich werde ihm mein Leben lang dankbar sein“, drückt Ciccio die Ver­bun­den­heit zu Conte aus, unter dem er in 27 Spielen zehn Tore erzielte und Bari damit zum Auf­stieg in die höchste ita­lie­ni­sche Spiel­klasse ver­half. Die wilde Fahrt des Fran­cesco Caputo ging trotz des großen Erfolgs jedoch weiter. Er wurde ein Jahr nach Saler­ni­tana ver­liehen und musste sich daher wei­terhin mit der zweiten Liga begnügen. Einer der Gründe, warum er zunächst keine Zukunft in Bari hatte, war auch der Abschied seines För­de­rers Conte.

In der Saison 2010/11 war es dann so weit: Fran­cesco Caputo kehrte nach Bari zurück und durfte Erst­li­g­aluft schnup­pern. Aller­dings ent­puppte sich das Enga­ge­ment wirk­lich nur als Schnup­per­kurs. Caputo kam auf 13 Ein­sätze, in denen er einmal traf. Nach der Hin­runde wurde er aber­mals ver­liehen. Zum AC Siena in die zweite Liga. Bevor es richtig begonnen hatte, schien das Serie-A-Aben­teuer schon wieder vorbei zu sein.

Unschuldig gesperrt

Ein wei­teres Mal zurück bei Bari fühlte sich Caputo in der Serie B so wohl, dass sie sein natür­li­cher Lebens­raum wurde. Eine Umge­bung, in der er immer kon­stant seine Tore machte, zum Kapitän auf­stieg und den­noch die gesamte Saison 2013/14 zuschauen musste. Schuld daran war jedoch keine Ver­let­zung son­dern Caputos angeb­lich pas­sive Betei­li­gung an einem lan­des­weiten Wett-Skandal, für die er ein Jahr gesperrt wurde. Als sich die Vor­würfe im Jahr 2016 als unge­recht­fer­tigt her­aus­stellten und der Mit­tel­stürmer von allen Ankla­ge­punkten frei gespro­chen wurde, hatten seine Kar­riere und vor allem sein Selbst­ver­trauen enormen Schaden genommen.

Wäh­rend der ein­jäh­rigen Sperre dachte Caputo ver­mehrt daran, seine Kar­riere zu beenden. Seine Frau Anna Maria und der dama­lige Sport­di­rektor von Bari, Guido Ange­lozzi, glaubten jedoch nicht nur an seine Unschuld, son­dern schafften es auch, ihn zum Wei­ter­spielen zu über­reden. So richtig glück­lich wurde er bei der Rück­kehr ins Trikot der Hafen­städter aber nicht mehr. Viele Fans glaubten dem Stürmer nicht und tauften ihn ange­lehnt an seinen Spitz­namen Ciuccio“, Dumm­kopf.

Ein spen­da­bler Bier­brauer in der Serie A

Nachdem ihn seine Exit-Stra­tegie zunächst in Rich­tung Norden führte und er bei Virtus Ent­ella lan­dete, schaffte Caputo beim FC Empoli schließ­lich den x‑ten aber auch nach­hal­tigsten Durch­bruch. In der ersten Saison stellte Caputo sein Visier extrem scharf und erzielte 26 Treffer in 41 Spielen. Der Lohn für diese Aus­beute war nicht nur die Tor­jä­ger­ka­none, son­dern auch der sou­ve­räne Auf­stieg mit dem tos­ka­ni­schen Verein.

Vor dem Come­back nach acht­jäh­riger Absti­nenz in der Serie A glaubten viele nicht mehr daran, dass sich Caputo in der höchsten ita­lie­ni­schen Spiel­klasse durch­setzen könnte. Auch er selbst schien vor der Rück­kehr nicht voll­ends von sich über­zeugt, vor allem da seine wenigen Ein­sätze solange zurück­lagen: Mein erstes und ein­ziges Tor in der Serie A ist eine schöne Erin­ne­rung, aber auch eine ferne.“