Seite 2: Atléticos nächster Abwehrchef

Lucas Her­nandez, 20 Jahre

Es war keine große Auf­gabe, nur ein Pokal­spiel gegen einen Dritt­li­gisten, doch Lucas Her­nandez meis­terte diese mit Bra­vour. Für sein junges Alter hat er ein sehr gutes Spiel absol­viert“, staunte auch Diego Simeone, seines Zei­chens Trainer von Atlé­tico Madrid, nach dem Profi-Debüt seines fran­zö­si­schen Abwehr-Talents. Mit abge­klärtem und ele­gantem, zugleich aber auch kör­per­be­tontem Spiel wusste sich der damals 18-Jäh­rige derart gut in Szene zu setzen, dass er nur einen Monat später auch in der fol­genden Pokal­runde in der Startelf stand – nur, dass der Gegner beim 2:0‑Heimsieg diesmal Real Madrid hieß. 

Schon die Anfänge der Pro­fi­lauf­bahn des inzwi­schen 20 Jahre alten Sohns von Ex-Atlé­tico-Profi Jean-Fran­çois Her­nandez deu­teten an, dass das Prunk­stück der Roji­blancos, der Abwehr­ver­bund, auf lange Sicht ein viel­ver­spre­chendes Ele­ment hin­zu­ge­wonnen hat. Zumal Her­nandez sowohl innen als auch auf der linken Abwehr­seite eine Option ist. 30 Pflicht­spiele hat er seit seinem Debüt vor zwei Jahren inzwi­schen absol­viert. Noch fehlt es ange­sichts der großen Kon­kur­renz an Kon­ti­nuität, doch sobald der Linksfuß auf dem Platz steht, lie­fert er kon­stant gute Leis­tungen ab, ganz egal wie der Gegner heißt.

Die reifen Ein­drücke des Abwehr­ta­lents haben auch schon ernst­hafte Inter­es­senten auf den Plan gerufen: Pep Guar­diolas Man­chester City blitzte bereits einmal bei Her­nandez ab und will dem Ver­nehmen nach im Sommer einen erneuten Anlauf wagen. Ange­sichts der­ar­tiger Mel­dungen blickt Lucas Her­nandez berech­tig­ter­weise opti­mis­tisch in die Zukunft. 2016 war ein unglaub­li­ches Jahr, aber hof­fent­lich wird 2017 noch etwas besser.“

Dav­inson Sán­chez, 20 Jahre 

Ajax Ams­terdam weiß ein­fach, wie man Spieler scoutet und ent­spre­chend ent­wi­ckelt. Sán­chez gehört seit seinem Wechsel im Sommer vom kolum­bia­ni­schen Klub Atlé­tico Nacional zu Ajax zu den Senk­recht­star­tern der Ere­di­visie. Unter Peter Bosz war er in dieser Saison größ­ten­teils gesetzt, bestritt 18 Liga­spiele und stand vier Mal in der Europa-League auf dem Feld. Sán­chez gehört zu jener Art Innen­ver­tei­diger, die häufig unter­schätzt wird.

Ähn­lich wie Virgil van Dijk oder Ömer Toprak ist der Kolum­bianer äußerst kom­plett, ohne, dass eine Eigen­schaft beson­ders signi­fi­kant wäre. Sán­chez macht die ein­fa­chen Dinge richtig stark und han­delt immer rational. 
Von seinen fast 70 Pässen pro Partie kommen im Schnitt 89 Pro­zent an. Er behält auch unter Druck die Ruhe und spielt in der Regel den rich­tigen Pass, ohne dabei Bäume aus­reißen zu wollen. Mit­tel­lange gechippte Pässe auf den ball­fernen Außen­ver­tei­diger beherrscht er eben­falls sehr gut, wodurch er im Auf­bau­spiel für seine Kol­legen eine sichere Option dar­stellt.

Seine eigent­liche Stärke ist in meinen Augen aber das indi­rekte Zwei­kampf­ver­halten. Er ver­steht es sehr gut, das Sicht­feld des Geg­ners für sich zu nutzen. Erhält ein Gegen­spieler den Ball nahe der Mit­tel­linie mit dem Rücken zum Ajax-Tor, wartet Sán­chez nicht bis der Gegner den Ball ange­nommen hat, son­dern ver­sucht ihm vor oder bei dessen Dre­hung den Ball abzu­nehmen. 

Dass er dabei ein sehr gutes Timing besitzt, ist gerade in seinem Alter nicht selbst­ver­ständ­lich. Grät­schen sind für ihn eben­falls ein pro­bates Mittel, um den Gegner zu stoppen. Diese nutzt er aller­dings ver­mehrt in Lauf­du­ellen, wenn der Ball frei ist oder er Schüsse blockt. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird Sán­chez den nächsten Schritt zu einem grö­ßeren Verein machen. 

Aus den bereits erwähnten Gründen dürfte der Ajax-Spieler medial nicht zu den Top Innen­ver­tei­di­gern zählen. Dadurch, dass er in keinen seiner Fähig­keiten her­aus­ragt, ist nicht davon aus­zu­gehen, dass für ihn hohe Summen gezahlt werden. So ist es durchaus mög­lich, dass Sán­chez auf ewig unter dem Radar läuft. Falls nicht: hier habt ihr es zuerst gelesen!