Er gab sein Leben und alles was er dafür bekam…
War es Spott? Blanker Hohn? Oder doch nur eine gut­ge­meinte Geschmacks­ver­ir­rung des Mün­chener Vor­stands? – Nach dem ver­passten Cham­pions-League-Final­einzug recht­fer­tigte sich Pep Guar­diola in den ver­gan­genen Wochen für alle ver­passten Titel (keine Cham­pions League, kein DFB-Supercup und nicht einmal der UI-Cup). Dass es sowieso schwer als aus­län­di­scher Trainer in der Bun­des­liga sei und er sich nichts vor­zu­werfen habe, ver­si­cherte Guar­diola, wäh­rend im Hin­ter­grund seine boli­via­ni­schen Leder­sessel abge­baut und nach Man­chester ver­schifft wurden. Wieder nur Meister. Ich habe mein Leben für diesen Verein gegeben.“ – Und was war der Dank?

Eine Skulptur, viel­leicht nur ein Tür­stopper, mit dem Motiv des Bayern-Berni als hätte sich die Mal­schule Frött­ma­ning zum ersten Mal mit Kunst beschäf­tigt. Ein Geschenk aus der abs­trakten Vor­hölle. Man­chester dürfte Skulp­tu­ren­berni wohl nie errei­chen. Und auch der FC-Bayern-Vor­stand schafft Platz für die neue Saison. Wenn alles besser werden soll. Die Spieler. Der Trainer. Die Titel. Man kann sich schließ­lich nicht jedes Jahr pflicht­be­wusst über eine Meis­ter­schaft freuen.

Ein Sinn­bild der Haupt­stadt
Was war die Auf­re­gung in der 11FREUNDE-Redak­tion vor wenigen Wochen noch groß. Hertha BSC auf dem Weg in die Cham­pions League hatten wir mor­gens am Kiosk lesen dürfen. Die inter­na­tio­nale Welt des Fuß­balls in unserer beschei­denen Stadt? Mehr Spit­zen­fuß­ball als das all­jähr­liche DFB-Pokal­fi­nale, wenn zwei geschlauchte Spit­zen­teams auf dem Weg in die Som­mer­pause sind? In unseren Köpfen begannen wir die Pres­se­plätze zu ver­scha­chern. Einmal Bar­ce­lona gegen zwei Karten für Gala­ta­saray? Soll der Kol­lege nur machen. Lachs­häpp­chen, CL-Cham­pa­gner, alles dabei. Nur das frisch­ge­öff­nete Sterni Export über­traf den süßen Geschmack unserer Träume.

Und jetzt? Nichts. Hertha BSC ver­geigte auf den letzten Metern eine ganze Saison. Statt sichere Cham­pions-League-Teil­nahme nur ein siebter Platz. Europa-League-Qua­li­fi­ka­tion. Düdelingen statt Turin.

Berlin bleibt sich treu: Kein inter­na­tio­naler Flug­hafen, keine sau­beren U‑Bahnen, überall halb­her­zige Fuß­tou­risten. Und Hertha ließ und ver­zwei­felt jam­mernd zurück wie sonst nur die Tür­steher des Berg­hains.

Die nächste Saison wird nicht lus­tiger
Hier ein Bei­spiel­samstag der Bun­des­liga-Saison 2016/17:
FC Augs­burg – Darm­stadt 98, FC Ingol­stadt – Bayer 04 Lever­kusen, VfL Wolfs­burg – 1. FSV Mainz 05, 1. FC Köln – Hertha BSC, SC Frei­burg – Ham­burger SV (alle 15.30 Uhr), TSG Hof­fen­heim – RB Leipzig (Top­spiel, 18.30 Uhr).

Zum Ver­gleich eine Aus­wahl der 2. Fuß­ball-Bun­des­liga:
VfB Stutt­gart – FC St. Pauli, Arminia Bie­le­feld – Han­nover 96, 1. FC Kai­sers­lau­tern – VfL Bochum, MSV Duis­burg – For­tuna Düs­sel­dorf, Union Berlin – Dynamo Dresden.

Kevin Groß­kreutz hat unser Herz geraubt
Vor einem halben Jahr hätten wir nicht einmal mehr einen bil­ligen Döner darauf ver­wettet, dass aus­ge­rechnet Kevin Groß­kreutz zum Typ der Saison“ gewählt werden könnte. Im Zwei­kampf mit Sandro Wagner. Will­kommen in Absur­di­stan.

Doch Groß­kreutz zeigte in den ver­gan­genen Wochen, was dem VfB Stutt­gart zuletzt oft fehlte. Schweiß, Blut und Tränen. Statt­dessen wurden Ver­träge in Wolfs­burg unter­schrieben. Seine Zusage für die zweite Liga machte Fisch­kreutz via Insta­gram noch am Sams­tags­abend. Die Rechte an seiner Liebe zum Fuß­ball, den trä­nen­rei­chen Inter­views und der Bezie­hung zur Cann­stätter Kurve wurden soeben von der Rosa­munde-Pil­cher-AG auf­ge­kauft. Damit auch im ZDF mal wieder eine glaub­hafte Schnulze laufen kann.

Und auch wir gehen mit Kevin Groß­kreutz. Viel­leicht nicht in die zweite Liga. Aber Mon­tag­abends schauen wir trotzdem mal rein. Ver­spro­chen.

Der #11konf-Tweet des Jahres: Er kann es noch

Und Claudio Pizarro so in 50 Jahren #11konf https://t.co/2WELcNiy4k pic​.twitter​.com/​6​b​j​h​9​fIvpq

— Pietdaddy (@Robioneck) 5. März 2016

Ach Claudio,
genau­ge­nommen hat nie jemand daran gezwei­felt, dass Werder Bremen den direkten Klas­sen­er­halt noch packt. Du warst ja da. Und die Green-White-Won­der­wall, die dich nach vorne trug, wenn deine Beine eigent­lich schon ver­sagten. So viele Kilo­meter gefressen, so viele Tore geschossen. Aber du kannst es immer noch. Klar, ges­tern stand Papy Dji­lo­bodji im Fokus. Als Sieg­tor­schütze. Als Abstiegs­kampf­held. Aber wer machte den Ball scharf? Wer köpfte den Bums nochmal nach vorne? Wer schoss all die wich­tigen Tore zuvor? – Das warst du, Claudio. Und nach einer Saison, in der der Ham­burger SV nicht in die Rele­ga­tion muss, wissen wir den­noch: Es gibt sie noch. Die Kon­stanten im Leben.