50 _ Jürgen Klopp
Beson­ders die Eng­länder fressen ihm aus der Hand und würden Dort­munds Trainer in ihrem Land gerne alle Jobs zwi­schen Natio­nal­trainer und Pre­mier­mi­nister anbieten. Geil“ wird dank Klopp bald schon ein eng­li­sches Wort. Der Rest der Welt bestaunt den Tem­pe­ra­ments­bolzen als Erfinder von etwas bis dahin Unbe­kanntem: auf­re­gendem deut­schen Ver­eins­fuß­ball. Ver­ängs­tigt Teile des glo­balen Publi­kums aber noch durch Kon­troll­ver­lust.

49 _ Nick Hornby
21 Jahre ist es her, dass Nick Hornby bei Victor Gol­lancz Ltd. die Auto­bio­grafie eines Fuß­ball­fans ver­öf­fent­lichte. Fever Pitch“ schlug 1992 ein wie eine Bombe, das Buch ver­kaufte sich allein in Groß­bri­tan­nien über eine Mil­lion Mal und erklärte einem stau­nenden Publikum, dass auch den­kende Men­schen ihr Herz an den Fuß­ball ver­lieren können. Bis dahin galt der Sport den bes­seren Kreisen als Marotte einer dumpfen, maximal drei­zäh­nigen Unter­schicht. Dass Hornby dabei hem­mungslos seine eigene Bio­grafie aus­beu­tete, war lite­ra­risch geschickt, führte aber dazu, dass er bis heute als intel­lek­tu­eller Vor­zei­gefan gilt, dessen kluge und wit­zige Apho­rismen auch von denen ins Feld geführt werden, die heute die Sta­di­on­ränge bevöl­kern, die aber nichts ahnen vom Schmerz, den der Fuß­ball mit sich bringt. Hornby hat lange Jahre keine Zeile mehr über seine Lei­den­schaft geschrieben. Genutzt hat es nichts. Neu­lich ist ein kleines eBook von ihm erschienen, über die letzte Arsenal-Saison. Es gibt kein Ent­kommen.

48 _ Wolf­gang Niers­bach
Der Prä­si­dent des größten Sport­fach­ver­bandes der Welt ist ein mäch­tiger Mann. Er besitzt Gewicht in den inter­na­tio­nalen Ver­bänden UEFA und FIFA, er spricht mit der Auto­rität einer der größten, erfolg­reichsten und tra­di­ti­ons­be­wuss­testen Fuß­ball­na­tionen. Soweit die Theorie. In der Praxis der inter­na­tio­nalen Sport­po­litik wirkt Wolf­gang Niers­bach jedoch bis­weilen, als sei er Ver­bands­prä­si­dent von, sagen wir mal, Öster­reich. Nicht, dass er um ein klares Wort ver­legen wäre. Aber dort, wo der DFB-Prä­si­dent als Takt­geber sport­po­li­ti­scher Pro­zesse gefragt ist, etwa beim anhal­tenden Skandal um die WM-Ver­gabe nach Katar, taucht Niers­bach ab. Wir sind nicht zuständig. Wir sind nicht mal qua­li­fi­ziert, wir wissen nicht, ob wir da spielen. Die FIFA ist zuständig, die haben die Ver­träge.“ Der DFB-Prä­si­dent ist ein mäch­tiger Mann. Wenn er sich zuständig fühlt.

47 _ Daniela Wurbs
Dem Bild der stahl­harten Power­frau in der Män­ner­welt Fuß­ball ent­spricht die Ex-Sozi­al­päd­agogin mit den rot­ge­färbten Haaren sicher nicht. Aber sie hat als Geschäfts­füh­rerin von Foot­ball Sup­por­ters Europe (FSE) viel dazu bei­getragen, dass Fans nun auch am Hofe der Mäch­tigen Gehör finden: bei der UEFA, dem Euro­parat und der euro­päi­schen Klub­ver­ei­ni­gung. So sind nun euro­pa­weit bei allen Klubs Fan­be­auf­tragte vor­ge­schrieben, bei Sicher­heits­fragen oder der Ticket­ver­gabe haben Anhänger durch die FSE-Netz­werke eben­falls eine Stimme. Tröst­lich auch: Die ein­zige Frau auf dieser Liste kommt aus dem Lager der Fans.

46 _ Mar­celo Bielsa
Es gibt Schrift­steller, die vor allem von Autoren bewun­dert oder Fil­me­ma­cher, die von Regis­seuren ver­ehrt werden. Der Argen­ti­nier fällt in die gleiche Kate­gorie: Er ist der Trainer, von dem die Trainer schwärmen. Für Pep Guar­diola ist er sogar der beste Trainer der Welt“. Dabei geht es weniger um seine Titel­samm­lung (zwei Meis­ter­titel in Argen­ti­nien und Gold bei Olympia 1994 mit Argen­ti­nien) oder sein erra­ti­sches Auf­treten. Den fas­zi­nie­rendsten aller 32 WM-Trainer“ nannte ihn 2010 die eng­li­sche Tak­tik­nerd-Web­site Zonalmar­king. Der Tak­tik­guru ver­blüffte mit Chile genauso wie später mit Ath­letic Bilbao. Wer sich wun­dert, dass Javier Mar­tinez beim FC Bayern in der Abwehr spielt; als Erster dort ein­ge­setzt hat ihn Mar­celo Bielsa.

45 _ Michael Garcia
Als Staats­an­walt in New York hat Michael J. Garcia eine Menge böser Buben hinter Schloss und Riegel gebracht. Des­halb sollte er uner­schro­cken genug sein, um einen der hei­kelsten Jobs des Welt­fuß­balls zu bewäl­tigen: Garcia ist Chef­er­mittler der neuen Ethik­kom­mis­sion der FIFA, wobei er die omi­nösen WM-Ver­gaben 2018 und 2022 an Russ­land und Katar unter­su­chen wird. Für manche ein Hoff­nungs­träger, für andere ein glatter Kar­rie­re­ju­rist, für Russ­land Per­sona non grata: Garcia, so ließen die Russen mit­teilen, käme ihnen erst gar nicht ins Land. Das fängt ja gut an.

44 _ Eugenio Figue­redo
Jugend ist bekannt­lich nicht unbe­dingt eine Vor­aus­set­zung für höchste Fuß­ball­ämter – eher im Gegen­teil. Auch der Mann aus Uru­guay musste 81 Jahre alt werden, um im April dieses Jahres end­lich Prä­si­dent des süd­ame­ri­ka­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes CON­MEBOL zu werden. Seine Wahl wurde von José Luis Chil­avert, dem ehe­ma­ligen Tor­hüter und heu­tigen Kor­rup­ti­ons­be­kämpfer, gleich scharf kri­ti­siert: Figue­redo ver­kauft seit 15 Jahren Gebraucht­wagen und ist inzwi­schen Mil­li­ardär. Er sagt, dass die Spieler ein not­wen­diges Übel sind. Ich kann so was nicht zulassen, wenn jemand derart üppig auf Kosten der Spieler lebt.“ Figue­redo wurde auch zum Prä­si­denten des Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees für die WM 2014 in Bra­si­lien gewählt. Damit ist er in der Haupt­ver­ant­wor­tung, wel­chen Cha­rakter das ange­sichts der öffent­li­chen Pro­teste umstrit­tene Tur­nier bekommen wird.

43 _ Chris­tian Seif­fert
Seit Sommer 2013 erhalten die Klubs der Bun­des­ligen pro Jahr 628 Mil­lionen Euro aus den Über­tra­gungs­rechten. Ein Ver­trag, der die Bun­des­liga dau­er­haft zu den euro­päi­schen Top­ligen auf­schließen lassen wird und der von DFL-Geschäfts­führer Chris­tian Sei­fert kühl und klug aus­ge­han­delt wurde. Er ist der lebende Beweis dafür, dass man den Fuß­ball nicht lieben muss, um mit ihm gute Geschäfte zu machen.

42 _ Brian Gold­stein
Die Bur­ger­schmiede McDonald’s ver­sucht schon seit einiger Zeit, von ihrem Image als welt­weit agie­render Dick­ma­cher los­zu­kommen. Was bietet sich da mehr an, als Lei­bes­übungen auf höchstem Niveau zu för­dern? Doch wäh­rend der Kon­zern bei den Olym­pi­schen Spielen als einer der Top­spon­soren in der ersten Reihe steht, ope­riert er im Fuß­ball eher im Hin­ter­grund – das aber flä­chen­de­ckend. So können sich Nach­wuchs­trainer in Eng­land zum McDonald’s‑Coach aus­bilden lassen, wäh­rend hier­zu­lande Frei­zeit­fuß­baller in Koope­ra­tion mit dem DFB das McDonald’s‑Fußballabzeichen ablegen. Da lachen die Lak­tat­werte – und Brian Gold­stein, Leiter des Sport­mar­ke­tings beim Fast­food-Riesen, freut sich auch. Steter Tropfen schmiert den Bur­ger­ver­kauf.

41 _ Cesare Pran­delli
Wir wollen den ita­lie­ni­schen Natio­nal­trainer nicht zum Franz von Assisi des Welt­fuß­balls erklären, aber außer­ge­wöhn­lich und vor­bild­haft ist seine Agenda für sau­beren Fuß­ball schon. Er führte bei der Squadra Azzurra einen Ethik­kodex ein, gei­ßelte Homo­phobie als eine Form Ras­sismus“ und lud den Zweit­li­ga­spieler Simone Farina ins Natio­nal­team ein, weil der Bestechungs­geld abge­lehnt hatte. Ach ja, ein richtig guter Trainer ist Pran­delli auch noch, wie wir spä­tes­tens seit dem Halb­fi­nale der Euro 2012 wissen.