Als Innen­ver­tei­diger moderner Prä­gung hat sich Mats Hum­mels immer schon durch ein feines Gespür aus­ge­zeichnet. Nicht nur für die Gescheh­nisse auf dem Fuß­ball­platz. Das gilt auch für die Gescheh­nisse jen­seits der Platz­be­gren­zung.

Knapp vier­ein­halb Jahre ist es jetzt her: Hum­mels befand sich mit 29 Jahren im soge­nannten besten Fuß­ball­alter und berei­tete sich mit der deut­schen Natio­nal­mann­schaft in Süd­tirol auf die Welt­meis­ter­schaft in Russ­land vor. An einem heißen Früh­som­mertag saß er auf der Ter­rasse des Mann­schafts­ho­tels unter einem Son­nen­schirm und phi­lo­so­phierte über den wei­teren Ver­lauf seiner Kar­riere.

Die Euro­pa­meis­ter­schaft 2020 wolle er noch spielen, sagte Hum­mels. Aber die nächste WM? Dadurch dass das Tur­nier in Katar erst im Winter statt­finde und er wäh­rend der Welt­meis­ter­schaft seinen 34. Geburtstag feiere, rechne er nicht damit, dass er dann noch dabei sei. Nein, sagte Hum­mels, die WM in Russ­land werde wohl tat­säch­lich seine letzte sein.

Her­vor­ra­gende Form, topfit“ – reicht das nicht?

Mats Hum­mels hat – wenn nicht noch etwas Außer­ge­wöhn­li­ches pas­siert – Recht behalten. Sein Name jeden­falls fehlt im Auf­gebot für die Welt­meis­ter­schaft in Katar, das Bun­des­trainer Hansi Flick am Don­nerstag bekannt gegeben hat. Und obwohl Hum­mels das schon vor vier­ein­halb Jahren gewusst oder zumin­dest geahnt hat, hat ihn die Nach­richt hart getroffen. Mats war natür­lich ent­täuscht“, berich­tete Flick, der Hum­mels die Kunde am Telefon über­bracht hatte.

Die Natio­nal­mann­schaft­kar­riere des Dort­mun­ders hat in den ver­gan­genen Jahren einige über­ra­schende Wen­dungen genommen. Hum­mels ist von Joa­chim Löw, Flicks Vor­gänger als Bun­des­trainer, erst aus­sor­tiert worden, kehrte dann zur EM 2021 in den Kader zurück und war danach erneut außen vor. Doch an Befür­wor­tern eines zweiten Come­backs hat es zuletzt nicht geman­gelt.

Hum­mels ist beim BVB – trotz nam­hafter Kon­kur­renz – wei­terhin Stamm­kraft. Er erhält für seine Auf­tritte sehr viel Lob. Erst am Don­nerstag wieder. Er hat eine her­vor­ra­gende Form und ist topfit.“ Und: Er ist wieder zurück­ge­kommen, was ich fan­tas­tisch finde.“

Die Sätze stammten von Hansi Flick.

Wie Olaf Thon statt Lothar Mat­thäus

Für die Bewer­tung von Mats Hum­mels waren nie aus­schließ­lich sport­liche Aspekte aus­schlag­ge­bend. Auch das Zwi­schen­mensch­liche hat oft eine Rolle gespielt: Passt er wirk­lich ins Mann­schafts­ge­füge? Fügt er sich klaglos ein, auch wenn ihm keine pro­mi­nente Rolle zuge­dacht ist? Oder besteht nicht eher die Gefahr, dass er mit seinen Ansprü­chen die Hier­ar­chie durch­ein­ander wir­belt?

Mit Niklas Süle, Mat­thias Ginter, Nico Schlot­ter­beck und Antonio Rüdiger hat Flick vier Innen­ver­tei­diger in seinem Kader, die schon auch eine enorme Qua­lität haben“. Alle vier haben den berech­tigten Anspruch auf einen Stamm­platz, aber nur zwei von ihnen werden am Ende tat­säch­lich spielen. Welche Rolle bliebe da für Hum­mels? Und wie würde er sich wirk­lich damit anfreunden können, auf der Bank zu sitzen?

In der Ver­gan­gen­heit hat es einen ähn­li­chen Fall gegeben. 1998 star­tete Bun­des­trainer Berti Vogts mit Olaf Thon als Libero in die WM in Frank­reich; Lothar Mat­thäus nahm auf der Bank Platz – obwohl viele ihn für den bes­seren Libero hielten und der öffent­liche Druck auf Vogts dadurch immens war.