Oliver Kahn
FC Bayern – IFK Göte­borg, Cham­pions League, 10.12.1997


Im Spiel geht es um nichts mehr. Göte­borg ist aus­ge­schieden, der FC Bayern bereits für das Vier­tel­fi­nale qua­li­fi­ziert. Doch für Oliver Kahn, in jener Zeit noch als Vul-Kahn“ weit ent­fernt von der bud­dhis­ti­schen Ruhe der späten Jahre, bedeu­tete die 51. Minute im Cham­pions-League-Spiel gegen IFK min­des­tens acht Wochen Alp­träume. Ein Rück­pass von Markus Babbel springt ihm ein­fach über den Schlappen. Schuld ist aller­dings nicht der Tor­wart, Schuld sind die Stadt­ri­valen, wo weiß jeden­falls Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker Lothar Mat­thäus zu berichten: Durch einen Platz­fehler, den die Löwen ver­gan­genen Samstag hin­ter­lassen haben, sind wir um ein Unent­schieden gekommen.“

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Sascha Bur­chert, 04. Oktober 2009
Hertha BSC Berlin – Ham­burger SV, Bun­des­liga, 04. Oktober 2009


Der wohl miss­lun­genste Ein­stand aller Zeiten. Und das obwohl der junge Mann sechs Minuten nach seiner Ein­wechs­lung eigent­lich alles richtig macht – er denkt mit, spielt mit. Wirft sich einem her­an­stür­menden HSV-Mann ent­gegen und klärt per Flug­kopf­ball, aller­dings direkt auf den Fuß von David Jarolim, der Bur­chert dar­aufhin gekonnt über­lupft. Tra­gisch genug, sollte man meinen. Zu allem Über­fluss wie­der­holt sich die Szene aber gerade mal 120 Sekunden später in nahezu iden­ti­scher Form. Nutz­nießer diesmal: Zé Roberto. Im nächsten Spiel kas­siert Bur­chert drei Buden gegen Nürn­berg, das war’s dann auch mit Liga eins. 

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Tomislav Piplica
Energie Cottbus – Borussia M’G­lad­bach, Bun­des­liga, 06. April 2002


Der König unter den Flie­gen­fän­gern. Das Spiel am 30. Spieltag der Saison 2001/2002 lie­fert bis zur 75. Minuten bereits beste Unter­hal­tung: 2:0 gehen die Lau­sitzer zunächst in Front; doch Glad­bach gelingt der Aus­gleich, ehe Cottbus aber­mals in Füh­rung geht. Dann heißt es Vor­hang auf“ für Tomislav Piplica: Im hohen Bogen segelt der Ball auf sein Gehäuse zu, der Schluss­mann posi­tio­niert sich per­fekt unter dem Ball und fixiert das runde Leder. Seine Arme jedoch, ver­harren am Körper. So landet der Ball im Tor und Piplica auf dem Hosen­boden. Immerhin reichte diese Ein­lage für einen Raab der Woche“.

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Hans-Jörg Butt
Schalke 04 – Bayer Lever­kusen, Bun­des­liga, 17. April 2004


Hans-Jörg Butt ist ein Elf­me­ter­schütze vor dem Herrn. 26 Mal hat der gebür­tige Olden­burger schon vom Punkt ein­ge­netzt, so auch in besagtem Spiel auf Schalke. Und da Butt das ver­meint­lich ent­schei­dende 1:3 erzielt, lässt er sich nach dem Tor gehörig abfeiern. Einen Mit­spieler nach dem anderen abklat­schend, trottet er zurück in seinen Kasten – doch ehe er dort ankommt, ist der Ball bereits drin. Mike Hanke hatte im Mit­tel­kreis als ein­ziger schnell geschaltet und den Ball ins Tor gedro­schen. Und weil sein Team­kol­lege Ebbe Sand auch nach mehr­ma­ligem Winken mit dem Zaun­pfahl nicht den Anstoß aus­führte, hielt Hanke ein­fach so drauf. Sei’s drum, der Treffer zählte. 

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Manuel Neuer
Hansa Ros­tock – Schalke 04 , Bun­des­liga, 20. Oktober 2007


Eine der schwär­zesten Stunden der heu­tigen Nummer eins im deut­schen Tor. Weil Manuel Neuer nun mal Manuel Neuer ist, ver­sucht nach einer abge­fan­genen Flanke direkt den Gegen­stoß ein­zu­leiten. Unver­züg­lich rollt er den Ball in Rich­tung seines Mit­spie­lers Rafinha. Dort sollte die Pille jedoch nie­mals ankommen, denn wäh­rend Rafinha eher unmo­ti­viert davon trabt, ist Ros­tocks Marc Stein hell­wach und lupft die Kugel ins Tor. Ein Gutes sollte Neuers Fauxpas haben: Eine Gruppe Ros­to­cker Ultras, die gerade ein Hand­ge­menge mit der Polizei anzet­telte, musste vor Lachen die Segel strei­chen. 

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Oliver Kahn
FC Bayern – Werder Bremen, Bun­des­liga, 8. Mai 2004


Rein rech­ne­risch ist die Meis­ter­schaft vor diesem 32. Spieltag noch nicht ent­schieden. Die Bayern wit­tern eine Rest­chance gegen die über­ra­genden Bremer und dem­entspre­chend gebären sie sich auch vor dem Spiel. Sowohl Uli Hoeneß, als auch Oliver Kahn ver­su­chen den Erz­feind mit verbal hin­ge­wor­fenen Feh­de­hand­schuhen aus dem Rhythmus zu bringen. Und aus­ge­rechnet Kahn patzt. Einen Steil­pass von Ailton kann der Mann, den sie Titan“ nennen, nicht unter Kon­trolle bringen. Der Abpraller landet bei Ivan Klasnic und das Spiel nimmt seinen Lauf. Wenigs­tens beweist der Kroate Manieren und bedankt sich aus­führ­lich. Danke, Olli.

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Jean-Marie Pfaff
Werder Bremen – FC Bayern, Bun­des­liga, 21. August 1982

Jean-Marie Pfaff kommt 1982 mit großen Vor­schuss­lor­beeren nach Mün­chen: Mit Bel­gien stand er zwei Jahre zuvor im EM-Finale, in Spa­nien spielte er eine sehr gute WM, für Europas Fuß­ball-Experten gilt er in jenen Jahren, mehr noch als Enzo Scifo, als Sinn­bild des neuen und modernen bel­gi­schen Fuß­balls. Sein Debüt im Trikot des FC Bayern miss­lingt aller­dings voll­ends. Zunächst hat Pfaff gegen den ewigen Rivalen aus Bremen so gut wie nichts zu tun. Ein paar Abwürfe, Rück­pässe, Abschläge, biss­chen Meckern, Rou­ti­ne­pro­gramm. Dann die 44. Minute: Uwe Rein­ders nimmt an der Sei­ten­linie Anlauf. Dass der Bremer seit jeher bekannt ist für seine weiten Ein­würfe bekannt ist, weiß Pfaff nicht. Nun sieht er den Ball im hohen Bogen auf sein Tor segeln. Der Keeper, der end­lich zeigen will, was er kann, geht hinein ins Getümmel, Spieler fliegen vorbei, Hälse werden gestreckt und dann strei­chelt Jean-Marie Pfaff den Ball mit seinen Fin­ger­spitzen ins eigene Tor. Werder gewinnt durch diesen Treffer 1:0. Pfaff nimmt es gelassen. Später scherzt er gar: Das Tor war positiv für mich. Ich war sofort überall bekannt, vom Fern­sehen wurde es zehnmal wie­der­holt.“

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Bernd Meier
FC Bayern – 1860 Mün­chen, Bun­des­liga, 11. April 1998


Seit November 1977 hatte 1860 Mün­chen nicht mehr gegen den großen Stadt­ri­valen gewonnen. Am 10. April 1998 steht es zwar nach 39. Minuten 1:0 für die Bayern, doch die Löwen spielen noch munter mit. Zumin­dest so lange, bis Bernd Meier ver­sucht Läs­sig­keit“ neu zu defi­nieren. Fest hält der Keeper den Ball in der Hand und wirft in dann mit lockeren Effet aus dem Hand­ge­lenk auf den Rasen. Was er nicht sieht: Carsten Jancker hat sich in seinem Rücken her­an­ge­schli­chen und sti­bitzt ihm den Ball vor den Füßen weg. Meier grätscht noch unge­lenk und alibi­mäßig ein Stück­chen Rasen vom Feld und muss dann zusehen, wie Jancker den Ball insTor trägt. Bernd Meier bestreitet nach diesem Fauxpas kein ein­ziges Spiel mehr für die Sech­ziger.

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Richard Golz
FC St. Pauli – Ham­burger SV, Bun­des­liga, 14. März 1997


So famos Richard Golz in der Luft und mit­unter auf der Linie hielt, so bescheiden war sein Können am Ball. Im Volks­park­sta­dion gingen die Herren auf der Haupt­tri­büne aus Angst vor Quer­schlä­gern regel­mäßig mal in Deckung, wenn der lange Keeper zum Abschlag ansetzte. Beim Ham­burger Derby am 14. März 1997 wähnt sich die Mehr­zahl der Fans aller­dings längst im warmen Wohn­zimmer: Es läuft die 90. Minute, der HSV führt 2:1 und St. Pauli atta­ckiert so gefähr­lich wie Wat­te­stäb­chen. Nun hat Richard Golz den Ball in der Hand, ein kurzer Blick, dann lässt er ihn vor die Füße fallen, ein langer Pass in die Spitze oder auf die Tri­büne – und das DIng ist gegessen. Denkste! Golz zim­mert den Ball flach in die Füße von Nikolai Pis­arew, der blitz­schnell schaltet und den mit­ge­lau­fenen Jens Schar­ping bedient. Es steht 2:2. Der Kiez jubelt – es nützt aller­dings nichts, St. Pauli steigt am Ende trotzdem ab.

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Tim Wiese
Juventus Turin – Werder Bremen, Cham­pions League, 7. März 2005


Da hat Tim Wiese extra sein bestes Tor­wart­leib­chen ange­zogen – ein rosa­far­benes haut­enges Trikot, das ihn aus­sehen lässt wie He Man beim Kar­neval. Doch lass sie nur spotten, mag sich der Keeper gen Ende des Cham­pions-League-Rück­spiels gegen Juventus Turin denken: Er hat sen­sa­tio­nell gehalten. 1:1 steht es nun und Werder wäre nach dem 3:2‑Sieg im Hin­spiel weiter. Wieses Trikot leuchtet in alle Ecken des Sta­dions. Er sonnt sich im Flut­licht. Doch es kommt die 88. Minute: Eine Flanke von rechts flat­tert halb­hoch in den Straf­raum, Wiese hechtet locker aus Fünf­me­ter­raum und fängt sie ab. Doch anstatt den Ball unter sich zu begraben, rollt er sich auf dem Boden einmal um seine eigene Achse. Emerson, der ihm am nächsten steht, war zu diesem Zeit­punkt eigent­lich schon abge­dreht. Dann ris­kiert er doch einen kurzen Blick nach hinten, und nein, was ist das denn vor seinen Füßen? Ein Ball?! Scheinbar. Wiese hat ihn bei seiner Rolle tat­säch­lich fallen lassen. Emerson zögert nicht, schießt sofort. Tor. 2:1 für Juventus. Der nie­der­län­di­sche Reporter schluchzt ins Mikrofon: Ai ai ai, wat en Drama vor Tim Wiese.“ Und der Tor­wart möchte zwei Dinge: Ein großes Loch im Boden und ein schwarzes Trikot.

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