11FREUNDE wird 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März erschien​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­­tages-Sto­­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Das Leben von Dr. Müller-Wohlf­arth als Gro­schen­roman.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Dr. Mull liebte die mor­gend­liche Fahrt von Starn­berg hinein in die Stadt. Hier konnte er end­lich einmal die ein­ge­gan­genen elek­tro­ni­schen Nach­richten beant­worten, tele­fo­nieren, Zei­tung lesen – und all das, wäh­rend er auf der gut aus­ge­bauten Land­straße auf 140 beschleu­nigte.

Schon wieder klin­gelte das Mobil­te­lefon. Dr. Mull warf einen schnellen Blick aufs Dis­play. Seine Tochter! Er mel­dete sich launig Wie geht es Lothar?“ Vor Jahren hatte sich die Tochter mit einem Par­venu aus der Fuß­ball­szene ein­ge­lassen. Seither zog er sie mit dieser unsäg­li­chen Affäre auf. Aber seine Tochter ver­stand eine Menge Spaß. Dass plötz­lich nur noch ein Besetzt­zei­chen zu hören war, schrieb er leichthin der schlechten Funk­ver­bin­dung in und um Gau­ting zu.

Gefahren einer Schmier­in­fek­tion

Eine Vier­tel­stunde später kurvte der gut­aus­se­hende Sport­me­di­ziner ele­gant die Ein­fahrt seiner Praxis hinauf und über­ließ es wie üblich einem Ange­stellten, den Wagen in der Garage zu parken. Nach einem schnellen Espresso, den Dr.Mulls rei­zende Assis­tentin Flo­rence frisch auf­ge­brüht hatte, als sie das sonore Brummen seines Sport­wa­gens vor dem Haus ver­nommen hatte, wid­mete er sich seinem ersten Pati­enten.

Ein Bun­des­li­ga­profi, viel­leicht 19 Jahre alt, saß im Behand­lungs­raum. Dr. Mull igno­rierte die Hand, die der junge Mann ihm ent­ge­gen­streckte, schließ­lich wusste der erfah­rene Medi­ziner um die Gefahren einer ordi­nären Schmier­in­fek­tion. Er stu­dierte das Rönt­gen­bild und erkannte auf dem ersten Blick die leichte Zer­rung im linken Ober­schenkel. In zwei, drei Tagen würde der Patient wieder beschwer­de­frei trai­nieren können. Aber, schmun­zelte Dr. Mull inner­lich, es sollten ja schließ­lich alle etwas von der Visite haben. Nun begann das, was sie in der Praxis, wenn der Chef gerade nicht zuhörte, die große Mull-Show nannten. Ich will ganz offen zu Ihnen sein“, erklärte er dem jungen Mann mit besorgter Miene. Nor­ma­ler­weise müsste ich Sie drei Monate krank­schreiben.“ Der Profi rich­tete sich ent­setzt auf. Aber ich will sehen, was ich für Sie tun kann“. Dr. Mull füllte mit schnellen Stri­chen ein Rezept aus. Nehmen Sie das dreimal täg­lich, dann sind Sie über­morgen wieder fit.“ Dann kom­pli­men­tierte er den überaus dank­baren Pati­enten sanft hinaus und lehnte sich zufrieden zurück. Schwester Flo­rence steckte kurze Zeit später den Kopf zur Tür hinein. Mit mildem Spott fragte sie: Haben Sie ihm wieder Ihr Nah­rungs­er­gän­zungs­mittel ver­schrieben?“ Dr. Mull schmun­zelte ver­gnügt: Es bot sich an!“ Die adrette Arzt­hel­ferin schloss kichernd die Tür. Ver­sonnen blickte ihr der Medi­ziner nach. Er schätzte ihre Jugend und den Umstand, dass sie sich, obwohl gebürtig aus Leipzig, red­lich mühte, mit fran­zö­si­schem Akzent zu spre­chen. 

Ja, die Nah­rungs­er­gän­zungs­mittel. Ein kleines Ver­mögen hatten ihm die unschein­baren Wun­der­kap­seln schon ein­ge­bracht. Und das ohne jede medi­zi­ni­sche Wir­kung. Das musste ihm erst einmal jemand nach­ma­chen. Die anti­oxi­da­tive Schutz­wir­kung kann sich erst im Zusam­men­spiel aller Radi­kal­fänger richtig ent­falten“, rezi­tierte er aus­wendig aus der Wer­bung. Auf so etwas musste man erst einmal kommen. Er klopfte sich zunächst mit der linken Hand auf die rechte Schulter, dann mit der rechten Hand auf die linke Schulter. Gut gemacht, Dr. Mull!

Ein inope­ra­bler Knor­pel­schaden aus Hof­fen­heim

Ein schneller Blick auf die Breit­ling-Uhr. Schon elf Uhr durch! Ein langer Arbeitstag neigte sich dem Ende zu. Dr. Mull ver­ließ die Praxis, nicht ohne einen flüch­tigen Gruß ins War­te­zimmer. Er sah schließ­lich stets auch den Men­schen, nicht nur die Ver­let­zung. Aber um das dop­pelte Kreuz­band aus Frei­burg und den inope­ra­blen Knor­pel­schaden aus Hof­fen­heim würden sich die Assis­tenten küm­mern müssen. Dr. Mull ließ sich in seinen Wagen fallen und warf einen prü­fenden Blick in den Rück­spiegel. Seine Frisur war ein wenig in Unord­nung geraten.

Die Miene des renom­mierten Sport­me­di­zi­ners ver­düs­terte sich. Er würde vor dem Lunch beim Käfer doch noch einmal einen Coif­feur auf­su­chen müssen. Nein, Dr. Mull war kei­nes­falls eitel, er ach­tete ledig­lich penibel auf sein Äußeres, dem er, da war er sich einig, einen Groß­teil seines stu­penden Erfolgs ver­dankte. Nicht nur in der täg­li­chen Arbeit, auch in der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft, deren Ver­trau­ens­arzt er seit langen Jahren war. Bei jedem Län­der­spiel saß er neben dem eben­falls per­fekt fri­sierten Bun­des­trainer auf der Ersatz­bank. Und war er anfangs noch reich­lich unge­lenk auf den Rasen gesprungen, um ver­letzte Spieler zu betreuen, so bewegte er sich inzwi­schen mit der Leich­tig­keit eines jungen Lipiz­za­ners über das Feld. Dass sich in dem Koffer außer einer Dose Eis­spray nur eine Rund­bürste und zwei Dosen Taft befanden, sollte auch in Zukunft Dr. Mulls kleines Geheimnis bleiben