Seite 2: Nur einer hätte ihn aus Österreich holen können

Hof­mann setzte den­noch inter­na­tio­nale Glanz­lichter. Er schlug über 70 große Euro­pa­pokal-Schlachten mit Rapid – gegen Klubs wie Juventus, Bayern, ManU, Celtic, Porto, Ander­lecht, Fener­bahce, den HSV, Lever­kusen, Vil­lar­real … In der Saison 2007/08 war Deutsch­lands unbe­kannter Super­star mit 28 (!) Assists in der natio­nalen Liga sogar bester Vor­la­gen­geber Europas. Ein Jahr darauf teilte er sich diesen Titel mit Barcas Xavi. Aber: In Deutsch­land nahm weiter nie­mand Notiz von ihm. Hof­mann kickte eben nur“ in Öster­reich.

Ange­bote, zu wech­seln, hatte der Vater dreier Kinder immer wieder. Das lukra­tivste kam von Öster­reichs Krösus RB Salz­burg. Hof­manns Reak­tion? Ich habe sofort abge­sagt, schon beim ersten Anruf. Mein dama­liger Berater hat mir ent­gegnet, er wolle sich zuerst das Angebot anhören. ›Ich hab ihm gesagt: Du kannst es dir gern anhören, aber ich geh nicht hin!‹“ Auch Rapids Lokal­ri­vale Aus­tria, damals von einem kana­di­schen Mil­li­ardär unter­stützt, wollte Hof­mann holen. Keine Chance!

Her­mann Ger­land bot ihn immer wieder an

In einem anderen Sommer klopften mit Real Mal­lorca, Espanyol Bar­ce­lona und Aston Villa gleich drei nam­hafte Ver­eine aus dem Aus­land an. Doch Hof­mann blieb. Mir gefällt es in Wien“, sagt er noch heute. Meine Familie und ich haben hier ein fan­tas­ti­sches Leben. Ich will hier nicht weg.“

Einzig ein Angebot aus der deut­schen Bun­des­liga hätte Hof­mann, der als Kind Fan des 1. FC Nürn­berg war, umstimmen können. Aber das gab es nie, obwohl Her­mann Ger­land, Hof­manns frü­herer För­derer im Bayern-Nach­wuchs, den begna­deten Stan­dard-Schützen immer wieder ins Gespräch brachte.

Fast in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft gelandet

Viel­leicht hätte ja ein Klub zuge­griffen, wenn Steffen Hof­mann Ende 2004 mit auf die legen­däre Asi­en­reise der DFB-Elf gegangen wäre – gemeinsam mit anderen Lücken­bü­ßern wie Patrick Owo­moyela, Thomas Hitzl­sperger oder Robert Huth. Doch kurz vor der Kader-Bekannt­gabe ereilte den damals 28-Jäh­rigen eine Man­del­ent­zün­dung. Hof­mann musste absagen und hörte anschlie­ßend nie wieder was vom DFB.

Heute ist er froh und dankbar, dass alles so gekommen ist. Wer weiß, wie es sonst wäre? Für Öster­reichs Medien ist Hof­mann, der 2018 seine aktive Kar­riere beendet hat und seit ein paar Tagen als Inte­rims­trainer die zweite Rapid-Mann­schaft betreut, Cover-Boy und ein Schlag­zeilen-Lie­fe­rant. Für Bier­brauer, Tank­stel­len­ketten oder natio­nale Strom­ver­sorger bleibt er ein Top-Tes­ti­mo­nial. Und bei Rapid wurde der Mann mit der Rücken­nummer 11 2017 zum Ehren­ka­pitän auf Lebens­zeit“ ernannt.

Den Weg zu Rapids Trai­nings­ge­lände findet er übri­gens längst Jahren auch mit ver­bun­denen Augen.